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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-09-15 · Heft 38 (15.9.1863) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 38 (15.9.1863)
Date
1863-09-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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27. Jahrgang JW 38 Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HcrauSgegeben von Rabbiner Ldr. Ludwig Philrppjon in Bonn. Leipzig, den 15. September 1863. Diese Zeimug erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in l'/a bis 2 Bogen. Preis de» Jahrgang» 3 Thlr. Halbjährig I Thlr. 15 Rgr» Vierteljährig 221/, Rgr. Inserate werden mit 11!i Ngr. für die Petirzeile oder deren Raum berechnet. Beilagcgebührcn betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für Bogen 3 Thlr.. für */* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung». Errcdiiioricn nehmen Bestellungen an; der Hanptexpedition für beide Letztere hat sich da« Lönigl. Sächs. Haupt < Zeitung». Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das Judenthum des 19. Jahrhunderts und das Christenthum. jFcrtsetzung.l — Spenden-Liste für die Ricster-Stinung. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt a/Main, Dresden, Main;. Aus dem Großherzogthum Hessen. Preußen: Breslau, Bonn. OesterreichischerKaiserstaat: Pesth, Hermannstadt. Türkei: Konstantinepcl. Leitende Artikel. Bonn, 6. September. Oas Iudenthum des 19. Jahrhunderts und das Lhriftenlhum. 10. Die jüdische und die christliche Weltanschauung. > Fortsetzung.) Wie man dem Judenthnme so gern alles abznsprechen sucht, was eine höhere geistige Bedeutung hat, so horte und hört man auch öfter den Ausspruch: ein Jude könnte keine Weltgeschichte schreiben; nur auf der Basis der christlichen Weltanschauung vermöge man die Weltgeschichte zu begreifen und darzustellen. Wir geben in diesen Betrachtungen nichts ans solche gegnerische Aburtheilungen und gehen nicht naher darauf ein. Aber von vornherein muß es uns doch fraglich sein, ob das wirklich die christliche Weltanschauung sei, welche man dafür ausgiebt, und ob es keine jüdische Weltanschauung gebe, die einer nachhaltigen Geltung würdig sei? Untersuchen wir daher den hochwichtigen Gegenstand etwas näher. Wenn man die Begriffe der heidnischen Welt von einer Weltordnung in Betracht zieht, so erkennt man auch hier die schwankenden, widersprechenden und sich aufhebenden Vorstellungen, welche überall das Heidenthum charakterisiren. Die indische Ansicht von dem ewigen Kreislauf, der ebenso physisch im Werden, Sein und Vergehen, wie psychisch in der beständigen Seelenwanderung besteht; der persische Glaube von dem immerwährenden Kampfe des Lichts und der Finsterniß, dessen endliche Entscheidung ungewiß ist; die Meinungen der europäischen Völkerstämme, der Griechen, Römer, wie der Germanen und Skandinavier, welche den herrschenden Gottheiten keine Ewigkeit und keine Unabhängigkeit zuschrieben, sondern sie von der höheren Macht eines Fatums abhängig dachten, bei denen zugleich der eigene Volksstamm als Vertreter der ganzen Menschheit galt, während die anderen Nationen als untergeordnete Barbaren existirten, ließen einen eigentlichen Begriff von einer Weltordnung nicht zu. Vielmehr war der h. Schrift Israels auch diesen auszustellen Vorbehalten. Dieselbe brachte in unzweideutiger Weise die Lehre einer von Gott geleiteten sittlichen Weltordnung in die Welt, und gab so das Fundament zu einer historischen Weltanschauung. Dies kann nicht zweifelhaft sein, wenn

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