Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1863)
- Date
- 1863-09-08
- Page
- Seite 573 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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573 das ganze Reich geöffnet, so wird es an der Zeit sein, ihnen nicht nur die Erwerbung des städtischen, sondern successiv und qualitativ auch des ländlichen Grundbesitzes freizugeben und sie dadurch zum Ackerbau heranzuziehen. Zu bedauern ist es, daß man gelegentlich der jüngsten Agrarreform in Kurland von allen Concessionen in dieser Beziehung absehen zu müssen gemeint hat. 3) In den kurländischen Städten, namentlich in Mitau, wo die Juden (wie das „Inland" neulich mittheilte) den dritten Theil des städtischen Grundbesitzes innehaben, möchte es an der Zeit sein, sie an der Gemeindevertretung, zuvörderst innerhalb gewisser Grenzen, Theil nehmen zu lassen. Als Vorbedingung jeder gedeihlichen Maßregel zu Gunsten der kurländischen Juden ist allerdings die Aufhebung der Beschränkungen, welche sie an diese Provinz binden, anzusehen. An der Zeit aber möchte es sein, daß zu Gunsten ihrer auch seitens des Landes selbst etwas geschieht. Die freisinnigen Tendenzen der Staatsregierung nach dieser Richtung sind bekannt genug, um jeden Gedanken an Hindernisse seitens derselben zu verbannen. Läßt man den Status quo unbehindert fortbestehen, schließt man die Juden von jeder Betheiligung am öffentlichen Leben aus, so hat man es sich selbst zuzuschreiben, wenn sie zu einer wachsenden Calamität des Landes werden und, durch den Trieb der Selbsterhaltung genöthigt, dieses aussaugen." Jonische Inseln. Korfu, 24. Juni. Die „Cronaca Jsraelitica" von diesem Datum veröffentlicht einige interessante Einzelheiten über die Theilnahme der Juden der Jonischen Inseln au dem wichtigen Ereigniß, das jetzt dort vorbereitet wird. In der Haupt-Synagoge von Korfu ward ein Danffest gefeiert, worauf sich der größte Theil der Gemeinde unter dem Beifalle des Volkes zum erzbischöflichen Palast begab. In den Sälen der Gesellschaft Anagenesis brachte der Präsident einen Toast auf die israelittsche Gemeinde aus. In der Gesellschaft „Brüderlichkeit", die aus den einflußreichsten christlichen Bewohnern Korfus besteht, wurden die Ersten der jüdischen Gemeinde zu Ehrenmitgliedern erwählt. Am Abend wurden alle Synagogen zu Ehren des Königs Georg I. und der Vereinigung glänzend erleuchtet. Die Haupt-Synagoge war mit Besuchern aller Klaffen überfüllt und konnte erst um Mitternacht geschlossen werden. Kürzlich wurde die griechische Deputation, welche unter Leitung des Admirals Canaris nach Kopenhagen ging, von Herrn Elia Mardo im Namen der Israeliten angeredet; der Admiral erwiderte, daß gleich nach der Constituirung Griechenlands zu einem fteien Königreiche dasselbe das Princip der Gewissensfteiheit proclamirt habe, und niemals wieder von chm abgewichen sei. Anzeigen. Die hiesige Gemeinde wünscht einen Rabbiner und Prediger anzustellen mit einem Firum von 3—400 Thlr., freier Wohnung und Ncbeneinkünfte, worunter auch die Eidesabnahmen beim hiesigen Kreisgerichte. Hierauf Reflectircnde müssen durch umfassendes talmudisches Wissen und akademische Ausbildung hierzu befähigt sein und ihre Zeugnisse und Meldungen an dem Unterzeichneten franco einsenden. Reisekosten werden für Probepredigten nicht erstattet. Schönlanke, den 23. August 1863. Der Corporations - Vorstand. I. Salzburg. Annonce. 3m Marz a. kut. wird die hiesige Religions- und Elemcntar-Lehrerstelle, verbunden mit einem Gehalte von 300 bis 350 Thlr., vacant. Genügende Kenntniß des Hebräischen ist erforderlich. Auf diese Stelle reflectirende unverheirathete Lehrer, welche auch den Cantordienst versehen müssen und religiöse Vorträge halten können, belieben ihre Franco-Offerten mit Zeugnissen begleitet an den Unterzeichneten Vorstand baldigst einzureichcn. Neuß, im August 1863. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Hauslehrer-Stelle. Für eine Familie in einer württcmbcrgischen Oberamtsstadr am Neckar wird ein jüdischer Hauslehrer und Erzieher für mehrere Kinder gesucht. Derselbe müßte wesentlich im Hebräischen und in der Religion überhaupt zu unterrichten verstehen. Neben völlig freier Station im Hause würde ein anständiges Salär gegeben und die Reisekosten dahin vergütet werden. Leistungsfähigkeit im kaufmännischen Fache würde dem Bewerber zur Empfehlung dienen. Reflectantcn wollen sich sofort in portofteien Briefen wenden an Lehrer Löwenstein in Heilbronn am Neckar.