Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1863)
- Date
- 1863-08-11
- Page
- Seite 510 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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510 freien Handel treiben und Grundstücke erwerben konnten, während die durch die Revolution von 1842 eingesetzte Regierung, so wie die des regierenden Fürsten Michael uns aller bürgerlichen Rechte beraubte, aus dem Innern des Landes verjagte und uns in ein Ghetto von Belgrad bannte, ein Schicksal, das man nach dem fürchterlichen Bombardement vor einem Jahre, durch das wir aller unserer Habe beraubt worden, uns abermals bereitet hat. Vergebens sind bis jetzt alle unsere Bittgesuche bei der serbischen Regierung wie bei der hohen Pforte geblieben. Jetzt haben wir an die serbische Regierung die Forderung gestellt, uns entweder unsere Rechte wiederzugeben, oder uns aus dem serbischen Staatsverbande zu entlassen, und zugleich das Gesuch an die englische Regierung gerichtet, uns im letzteren Falle unter englische Protection zu nehmen. Möchte uns der Lenker der Geschicke einen günstigen Erfolg verleihen! Die jüdische Presse aber thue das Ihrige, um uns hierin zu unterstützen! Nachtrag. Troppau, 31. Juli. (Privatmitth.) Der hiesige Cultus-Berein hat vor Kurzem vom h. Staatsministerium die Concession erhalten, sich zu einer Cultus-Gemeinde zu constituiren. Dies, so wie der neuerbaute Tempel, dessen Bauart, dessen innere Einrichtung und Ausschmückung eine Lust des Auges und eine Freude des Herzens ist, verdanken wir dem eifrigen, unermüdlichen Streben des gegenwärtigen Vorstandes. Lemberg, 27. Juli. Der „Presse" wird geschrieben: Der Goniec brachte in seiner vorgestrigen Nummer die Notiz, ein Bäckergeselle sei im Judenviertel todt gefunden, und es verlaute, derselbe sei von den Juden todtgeschlagen worden. In Folge dessen fand man sich veranlaßt, Nachforschungen anzustellen. Diese ergaben, daß ein betrunkener Geselle, der in einer benachbarten Schänke Händel angestistet hatte, in Folge seiner Berauschung auf dem Straßcnpflaster niederfiel und von einer Militär-Patrouille hinweggebracht wurde. Derselbe befand sich „den Umständen ganz angemessen", und war schon am nächsten Morgen im Stande, seine gewöhnlichen Besuche in den Schankhäusern zu machen. Die wohllöbliche Straßenjugend scheint der Wahrheitsliebe des Goniec Glauben geschenkt zu haben und begann gestern Nachmittags einige Häuser im Judenquartier zu demoliren und sich an den Juden zu vergreifen, die sich indeß zur Wehre setzten, so daß es in der Mitte der Stadt zu einem mehrstündigen Kampfe kam. Abends fanden sich die Behörden veranlaßt, durch starke Infanterie- und Cavallerie-Abthcilungen die Straßen sperren zu lassen und das Gesindel davonzujagen. Viele Verhaftungen wurden hierbei vorgenommen. Mit Recht warnt die Gazeta Narodowa vor derlei Epcessen, die, immer verabscheuenswerth, jetzt weniger als je an der Zeit sind. Paris, 30. Juli. Die Arch. isr. melden: Aus den Vorschlag des Herrn Stunk hat die Akademie der Inschriften und schönen Künste, deren Mitglieder bekannt sind, einen Gegenstand aus der jüdischen Literatur zur Preisaufgabe für das Jahr 1865 (3000 Frcs.) gewählt: „Die geographischen, topographischen und historischen Angaben über Palästina, zerstreut in den beiden Talmudim, den Midraschim und den anderen Büchern der jüdischen Tradition (Megillalh Taanith, Seder Olam, Siphra, Siphri IT.) zu sammeln, diese Angaben in ein systematisches Ganzes zu bringen, indem man sie einer gründlichen Kritik unterwirft und mit den Berichten des Josephus, Hieronymus, Eusebius und anderer Kirchen- oder Profanschriststeller vergleicht. Die Abhandlungen müssen die Namen ihrer Autoren in einem versiegelten Billet enthalten und auf dem Secretariat des Instituts in Paris vor dem 1. Januar 1865 niedergelegt werden. — Unter den Montyon'schen Tugendpreisen, welche die französische Akademie dieses Jahr erhellt hat, bemerkt man den Namen einer Jüdin, Frau Babette Levy in Lauterburg (Oberrhein), die eine Medaille im Berthe von 500 Frcs. als Belohnung für die Hingebung empfangen hat, welche sie den jungen Kindern ihrer Schwester zu widmen nicht aufgehört hat, obgleich sie selbst aller Hülfsquellen beraubt ist. Konstantinopel, 8. Juli. Man schreibt den Arcd. isr.: „Die Leute von Haskeui haben es endlich durchgesetzt, den Chacham Baschi (Oberrabbinen) abzusetzen, indem sie unermüdlich die Pforte darum angingen. Der Nachfolger des R. Jacob Avigdor ist nun R. Raphael Almosnino; der Erstere behäll jedoch seine Decoration.