Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1863)
- Date
- 1863-08-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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27. Jahrgang JW 33. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 11. August 1863. Diese Zeiluag «scheint wöchentlich einmal. Dienstags, in 1V* bis 2 Bogen. Preis de« Jahrgang« 3 Tblr. Halbjährig 1 Tblr. 15 Ngr. Vierteljährig 22 fr Rgr. Inserate werben rnit Isr Rgr. für die Perirzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebührcn betragen für 1 Bozen 4 Tblr.. für */• Bogen 3 Thlr., für '/« Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung-. Erveditionen nebmen Bestellungen an; der Hauprexre- Dition für beide Letztne hat sich da» Äönigl. Sächs. Haupt«Zeitung« - Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das Judenthum des 19. Jahrhunderts und das Christcnthurn. — Die Erceffe gegen die Juden in Brünn und Lemberg. — Spcnren-Lifte für die Rießcr- Stiftung. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Hessen-Darmftadr. Preußen: Labischin. Oesterreichischer Kaiserüaat: Wien, Pesch. Brünn, Lemberg. Aus Siebenbürgen, Tarnow. Serbien: Belgrad. — Nachtrag: Trcppau, Lemberg. Paris, Konstantinopcl. Dvkkum, Bern. Leitende Artikel. Bonn, 2. August. Das Judenthum des 19. Jahrhunderts und das Chriflcnlhum. 8. Das jüdische Glauben und das christliche Glauben. Glauben heißt: Etwas als wahr annehmen. Wir glauben Etwas, theils weil die Person, welche die Mittheilnng macht, uns glaubwürdig erscheint, theils weil unser Verstand und unsere Gefühle dem Mitgetheilten nicht widersprechen, theils endlich weil bei der Prüfung unsere Wahrnehmungen und Schlüsse mit dem Mitgetheilten in Uebereiustimmung sich befinden. Je entschiedener diese letztere erzielt wird, desto eher wird in uns das Glauben zum Wissen. Ohne Glauben kann der Mensch nicht existiren, weder im Leben, noch in der Wissenschaft, noch in der Religion. Wir verbringen keine Stunde im Leben, ohne daß wir tausendfältige Mittheilungen auf guten Glauben annehmen, theils weil sie für uns zu unwichtig sind, um sie einer Prüfung zu unterziehen, oder weil wir hierzu keine Veranlassung und Gelegenheit haben; wir würden in der That kaum einen Schritt vorwärts kommen, sollten wir genöthigt sein. Alles, was uns mitge-- theilt wird, zu prüfen und zum Wissen zu bringen. Gleiches findet in der Wissenschaft statt. Selbst dem strengsten Forscher auf einem einzelnen beschrankten Gebiete ist es unmöglich, alle Thatsachen von vornherein zu prüfen, alle Ergebnisse von Neuem zu untersuchen und sestzustellen; er muß vielmehr eine Menge von Daten als wahr annehmen, die von Anderen gelehrt worden, wenn ste nur seinem Verstände und feinen eigenen Wahrnehmungen nicht geradezu widersprechen, oder sich die Personen, auf deren Autorität hin der Ausspruch angenommen worden, ihm als glaubwürdig anderweitig erwiesen haben. Hierzu kommt, daß viele Dinge ans dem historischen Felde gar nicht mehr geprüft, und daß die übersinnlichen ihrer Natur nach niemals zum wirklichen und völligen Wissen gebracht werden können. Darum ist es eine Täuschung, wenn man fordert oder annimmt, daß eine Religion ohne Glauben bestehe und bestehen könne, vielmehr muß auch ste, wie alle Dinge in der Menschenwelt, Glauben voraussetzen und beanspruchen.