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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-17 · Heft 85 (17.7.1838) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 85 (17.7.1838)
Date
1838-07-17
Page
Seite 346 (sequence 4)
Language
German
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546 Correspondenzeu, Auszüge, Repliken. Paris, 1. Mai. Französische Israeliten. Paris. (F or tsetz un g aus No. 62.) Auf den verstorbenen Rabbinen Seligmann, einen Repräsentanten der alten Schule, welcher durch seine (v^raselwt) ili mit hebräisch gemischtem Deutsch einige Gläubige zu interesiiren verstand, ist Hm. Marchand Ennery gefolgt, welcher, weil er seine Vorträge französisch halt, keinen Erfolg mehr bei seinen Zuhörern findet.- Er besitzt weder Erhabenheit im Style noch Kraft in den Gedanken. Er ist ein Mann, welcher immer auf gleicher Erde bleibt und dessen Vorrrag nie Anklang er- Wie kann demnach ein Gottesdienst erhebend werden, in dem weder paffender Gesang, noch Musik, noch Predigt würdig dieses Namens sich befindet? worin man die Ehrendienste des Tempels versteigernd feil bietet? Wenn nun schon die innere Organisation deS Tempels in einem so beklagenSwerthen Zustande sich befindet, denkt doch wahrscheinlich das Consistorium daran, ihn zu verbessern? DaS zeigt sich nicht. An seiner Spitze steht der Herr vr. M. Cahen, ein Arzt, schätzbar als Privatmann wie als talentvoller Heilkundiger, aber augenscheinlich wenig geeignet, um irgend eine Reform zu leiten. Nachdem er eine Erziehung genossen, wie sie vor 40 Jahren den jungen Israeliten..zu Metz, seiner GcburtSstadt, zu Theil wurde, hat er seine Jugend in den. Armeen alö Wundarzt verlebt, und da hat er freilich nicht die eines Präsidenten des Consistoriums notwendigen Kenntnisse erlangen können. Er will wol manchmal daS Gute auS Laune oder auS Widerspruch, gibt eS aber auch bald aus eben solchem Motive wieder auf. Bis zur Kargheit die Sparsamkeit in der Verwaltung der Einkünfte treibend, zerrüttet er oft mehr als er schafft, und ist selbst stolz darauf. Zu sehr belastet übrigens mit Berussgeschäfren, kann er nicht Allem vorstehen. Ihm zur Seite steht der Obcrrabbine Ennery, dessen Schüchternheit und Schwäche über allen Ausdruck ist. Was kann also aus einer solchen Verwaltung hervorgehen? Nichts! t e Sollte man wol glauben, daß wahrend Frankreich für die Israeliten ein wahres Land der Verheißung ist, man noch nicht einmal daran gedacht hat, in Betreff der Gebete die Nationalfeier mit den religiösen Fasten zu ordnen, und daß man an eben demselben Tage, an dem man die Julifeier und den Namenstag des Königs begeht, die Klagelieder für den Bußtag alter Verfolgungen verfaßt, recirirt? Dieser Gegenstand, welcher richtig zu sein scheint, ist es in Wahrheit nicht. Es findet sich darin eine ganze Schlußreihe von Ideen. Man spricht jetzt von einer auS der Mitte deö Wohlthätigkcitsausschuffes erwählten Commission, welche beauftragt werden soll, ein Werk über den Gottesdienst im Tempel zu Paris vorzubereiten. Man spricht sogar davon, daß dieses Werk so eben dem Consistorium vorgelegt sein solle. Wir wollen abwarten ö)< DaS Central-Consistorium wird von Herrn Worms auS RcmiUy prasidirt. Dieser macht wenigstens keinen Anspruch damuf, die Angelegenheiten der Israeliten in Gang zu bringen. Es ist möglich, daß er damit umgeht, aber.die Israeliten wissen ~ nicht das" Mindeste davon. Alles, waS das Publikum von den Beschäftigungen des Central-Consistorium weiß, ist, daß daffelbe am 1. Januar und am 1. Mai dem Könige die Aufwartung macht und der berühmte Advokat Cremieux, Vice-Präsident dieses Confistoriums, verfaßt gewöhnlich die bei dieser Gelegenheit zu haltenden Reden. Der einzige Groß-Rabbine, welcher nach dem Tode des Hrn. v. Cologna diesem Consistorium verblieben', ist Herr E. Deutz. Dieser ist ein Mann von großer Aufklärung und einiger Kenntniß der deutschen Literatur. Ehemals predigte dieser von Zeit zu Zeit; aber seitdem mit Recht das Consistorium deS Sprengels verboten, in irgend einer andern als in der französischen Sprache zu predigen, mußte Herr Deutz darauf verzichten und seine Zuhörer trösten sich darüber. Das Central-Consistorium hat auch einen Ausschuß zur Reform bestellt. Mögen wir auch nicht zu großen Hoffnungen Raum geben, so wollen wir auch nicht verzweifeln, Ideen von Reform vorherrschen zu sehen, ein Ruf, der gegenwärtig so laut in Israel wiederhallt. Die einzige Bemerkung, die wir in diesem Betreff zu machen uns bewogen finden, ist, um einen Entwurf zur Reform vorzubereiten, die Consistorien einen Aufruf an alle gelehrten Israeliten hätten ergehen lassen sollen, auf daß diese ihre Erfahrungen in solcher Beziehung diesem Ausschüsse mittheilen. Das erste Wort Gottes nach der Schöpfung war: es werde Licht! In einem früheren Artikel haben wir von den No tadeln gesprochen. Es sind deren ungefähr fünf und zwanzig. Die Candidaten werden von dem Departemental-Consistorium und von dem Prafecren vorgeschlagen, und von dem Minister des Cultus ernannt, um die Angelegenheiten des Sprengels zu verwalten und ihrerseits die Mitglieder des Consistoriums zu ernennen. Diese Notabeln sind im Allgemeinen die reichsten Männer und dies ist ein großer Fehler, besonders nach der Juli-Revolution. Da der größte Theil der Kosten des öffentlichen Gottesdienstes von dem Staate bezahlt wird, so haben die gelehrtesten und achtbarsten Männer mehr Recht aus die Würde eines Notabeln. Man hat endlich einmal eine gute Wahl durch die Aufnahme des Herrn Halevy, Componisien der Jüdin und Bruders des Herrn Leon Halevy, eines ausgezeichneten Dichters und Verfassers zweier Resumüs der Geschichte der Juden, getroffen, und durch den Eintritt des Herrn Anspach, Substituten des königl. Prorurators im Seine-Departement. Herr Anspach ist der Bruder deS Uebersetzerö von den-Ritualgesehen, von dem wir bereits beim Artikel Lothringen gesprochen haben. Es enstirt in Paris eine Schule für Knaben israelischen Glaubens. Seit langer Zeit von H. Cahen, Uebersetzer der Bibel, geleitet, hat sich dieselbe zum Range einer der besten Schulen von Paris erhoben. Der Name des jetzigen Directors ist Herr Tröves, ein bescheidener und ganz seinen Pflichten ergebener Lehrer. Wenn man gegenwärtig weniger von dieser Anstalt spricht, so liegt dies wahrscheinlich daran, weil ihre Existenz nicht mehr von den Israeliten abhängt, und da die Stadt die Kosten davon trägt, die Israeliten ihre Kinder nicht mehr dahin schicken und solche kaum mehr als dem Namen nach kennen. Da Herr Cahen den größten Theil der Zeit einen Unterlehrer gehalten, so konnte er eine besondere Sorgfalt für die Zöglinge verwenden, welche sich durch höhere Intelligenz auszeichneten, und hat er selbst außer derSchule für ihre Ausbildung gesorgt. Auch machen mehre dieser jungen Leute, welche die Armuth ihrer Eltern zur Uebung eines niederern Gewerbes verurtheilt hatte, eine literarische oder artistische Carriöre. Einer von ihnen hat unter andern auf Kosten einer Subscription, die von dem Consistorium eröffnet worden, seine claffischen und theologischen Studien zu Metz gemacht, und ist gegenwärtig einer der ausgezeichnetsten Schüler der rabbinrschen Schule dieser Stadt. Es ist dies Lazard Vogue, eben derselbe, welcher sich schon durch eine Leichenrede auf Herrn Schwabe, Mitglied deS Consistoriums zu Metz, bekannt gemacht hat, und dieses sein erstesGeistes-Produkt gibt für diesen jungen Theologen z« den größten Hoffnungen Anlaß. (Schluß folgt.) •) S. No. 31. Red. Redacteur'. Dr. v. Philipps»«. Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.

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