Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1863)
- Date
- 1863-07-21
- Page
- Seite 462 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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462 im Gegensätze zu Rußland stets bewahrte freundliche Stellung zum Judenthum zur thatkräftigsten Thellnahme an den Bestrebungen zur Befreiung des polnischen Vaterlandes aus. Der Aufruf ist in polnischer und in hebräischer Sprache abgefaßt, und sind beide Texte neben einander abgedruckt. Wir begreifen diesen Aufruf und dessen Motive; die Behauptung aber, daß die Polen sich immer freundlicher zum Judenthume gestellt hatten, als Rußland, müssen wir im Jntereffe der historischen Wahrheit als unbegründet zurückweisen. Man durchmustere die früheren Jahrgänge dieser Zeitung, und es wird sich zeigen, daß nicht allein die Juden in Rußland besser behandelt wurden, als die in Polen, sondern auch, daß es gerade die polnischen Beamten waren, welche die Juden am meisten quälten, und die jeder Reform, die betreffs der Juden in Petersburg beabsichtigt wurde, immerfort entgegentraten. Die Verhältnisse und Vorgänge in Galizien geben ebenfalls hierfür Belege. Hoffen wir von der Zukunft, wie diese sich auch gestalten mag — aber auf die Vergangenheit kann in der Behandlung der Juden Niemand mit Befriedigung und mit dem Anspruch auf Dankbarkeit zurückblicken. — Jonische Inseln. Korfu, im Juni. (Privatmitth.) Das Abgeordnetenhaus der sieben Inseln ist soeben ausgelöst worden. Gegen das Ende des Juli wird eine neue Kammer zusammenberufen werden, die den besonderen Zweck haben wird, sich über die Bereinigung mit Griechenland auszusprechen. Wir machen daher wiederholt darauf aufmerksam und ersuchen insonders die jüdische Presse in England und Italien, unsere Bemerkung nachdrücklich zu wiederholen, daß es jetzt gilt, die zukünftige Lage unserer Glaubensgenossen auf den Jonischen Inseln sicher zu stellen. Ein rechtzeitiges Einschreiten des Board of Deputies wird die englische Regierung veranlassen, den Grundsatz der Gewissensfreiheit und Gleichberechtigung als eine Bedingung der Vereinigung auszustellen, wie es die holländische Regierung gethan hat bei der Uebergabe von Timor an Portugal. Man kennt die Gesinnungen der Griechen gegen die Juden, und haben in jüngster Zeit erst die Verfolgungen in Galacz und Smyrna Zeugniß davon abgegeben. Wehe den türkischen Juden, wenn jemals die Griechen dort Herren werden sollten! Donaufürstenthümer. Krajova, 21. Juni. Der „Pesther-Lloyd" enthält von hier aus folgenden Artikel, bei dessen Lesung man sich des vor zwei Jahren in den Donaufürstenthümern gemachten Versuches, den Juden die Niederlassung auf dem platten Lande unmöglich zu machen, erinnern wird, und wie dieser Versuch des damaligen Ministers durch die Veröffentlichung in unserer Zeitung, aus der dann die Angelegenheit in einflußreiche öffentliche Blätter überging, vereitelt wurde. Wir hoffen, daß dieser Erfolg sich auch diesmal wiederholen werde. Es heißt dort: Ich übersende Ihnen hiemit eine getreue Uebersetzung eines gegen die Israeliten gerichteten Ministerialerlasses, dessen Original in rumänischer Sprache sich in meinen Händen befindet. Der Erlaß wurde an sämmtliche Präfetten Rumäniens versendet und lautet: „Vom Ministerium des Innern, No. 215, 4. Jänner 1863. An die Präfectur. Aus der Adresse No. 5 72, welche ich vom Minister des Aeußern empfangen habe, bin ich unterrichtet, daß das russische Gouvernement Maßregeln gttroffen hat, Pässe der Israeliten zur Reise nach Rußland nicht zu visiren, höchstens auf kurze Zeit für Handeltreibende und ohne Begleitung chrer Familie. Ich habe daher für gut befunden, auch von Seiten der hiesigen Regierung gleiche Maßregeln zu treffen. Ich fordere Sie daher auf, Hr. Präfett, daß Sie die strengste Aufmerksamkeit haben, damit der Einlaß der Israeliten in das Land, selbst Solcher, die mit Reisedocumenten versehen sind, nicht gestattet werde, ausgenommen für kurze Zeit und nur für Handeltreibende ohne Begleitung ihrer Familien; denn Sie wissen sehr gut, daß die Nachlässigkeit, mit welcher die bisherigen Specialbefehle über den Eintritt der Jsraeltten behandelt wurden, zur Folge hatte, daß dieser Same das Land überschwemmte, zum Nachthelle der Einwohner. Wollen Sie aufs Rascheste die strengsten Maßregeln ergreifen, damit dieselben nach Ablauf ihrer Pässe in die Heimath zurückgewiesen werden. Für den Minister des Innern N. Lachovary; Kanzleichef I. Pali an."