Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1863)
- Date
- 1863-07-14
- Page
- Seite 440 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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44V redete Herstellung ihrer Erzeugnisse zu richten, das jüdische Publikum aber, stch die Verbreitung unserer Bibel immer mehr angelegen sein zu lassen. Wir bemerken noch einmal, um jedem Mißverständniß entgegenzutreten, daß die Bibelanstalt selbst durchaus keinen Vortheil zieht, indem der Preis der Bibeln lediglich die Kosten des Abdrucks und des Papiers, sowie die Provision des Commissionars deckt, die Bibelanstalt selbst aber die fertigen Stereotypplatten aus den von ihr früher gesammelten Spenden bezahlt und liefert. Alles also, was die Herstellung der Platten und ihres Inhalts kostet, bezahlt die Anstalt aus den gesammelten Mitteln, der Käufer den Abdruck, das Papier und die Provision des Commissionärs. Möge es daher der Anstalt, die in so kurzer Frist so Bedeutendes geleistet und jetzt wieder au eine Ausgabe des Pentateuchs mit sehr großen Typen, welche, selbstverständlich, dadurch auch einen viel höheren Preis bedingt, gegangen ist, unter Gottes Segen gelingen, immer größere und dauernde Erfolge zu erreichen! Vorzugsweise scheint es uns Sache der Gemeiude- Vorstände durch Uebernahme eines kleinen Vorraths unserer Bibeln und Pentatcuche zum Wiederverkäufe an ihre Gemeindemitglieder die Verbreitung zu fördern, und wird der Commissionär der Anstalt, Herr Buchhändler Louis Gerschel in Berlin (Oranienburgerstr. 27) ihnen hierzu die billigsten Bedingungen stellen. Lin israelitisches Gebetbuch. Das „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur", anerkennend, daß es seinen zahlreichen Abonnenten außer den Schriften, welche zum Ausbau der Wissenschaft des Zudenthums, zur Belehrung u-d Unterhaltung auf jüdischem Gebiete dienen, auch solche von Zeit zu Zeit bieten müsse, welche einen unmittelbar praktischen Nutzen schaffen und sich zum täglichen Gebrauche eignen, wird in diesem Jahre außer den übrigen Schriften (z. B. eineyr neuen Bande des Geschichtswerkes von Grätz) ein von vr. Ludwig Philippson bearbeitetes „Israelitisches Gebetbuch zum Gebrauche wahrend des öffentlichen Gottesdienstes und bei der häuslichen Andacht" bringen. Um dieses Werk, seine Motive und Zwecke zu kennzeichnen, theilen wir hier das Vorwort, welches daffelbe begleiten wird, mit. Es heißt darin: „Jahre schon trug ich mich mit dem Plane zum vorliegenden Werke, bis eine schwere Leidensprüfung mich bewog, Hand an daffelbe zu legen und es zur Ausführung zu bringen. Ich halte es für eine hohe und schwierige Ausgabe, zwischen Seelen und Gott zu treten und jenen das Wort auf die Lippen zu legen, das sie zum höchsten, heiligsten Wesen sprechen mögen, eine Ausgabe, deren Lösung man sich nicht zu leicht denken oder machen sollte. Denn wie einerseits Verständlichkeit und Klarheit gefordert werven müssen, dürfen diese doch nicht zu Seichtigkeit und Gewöhnlichkeit ausarten; wie andererseits Schwung und Innigkeit nolhwendig sind, muß doch jeder Bombast und alle weinerliche Empfindelei vermieden werden; wozu dann die Schwierigkeit tritt, daß das Gebet immer nur die Aussprache des Einzelnen, seiner Persönlichkeit und Verhältnisse an und für sich ist, es diesem aber doch nur aus allgemeinen Beziehungen heraus geboten werden kann, wie denn auch das allgemeine Bekenntniß der Religionsgenossenschaft nicht fehlen darf. Das rechte Mittel, diese Schwierigkeiten zu überwinden, ist, so recht aus dem Herzen zu sprechen, das Gebet aus dem eigensten Grunde seines Gemüthes hervorquellen zu lassen, und es nicht eher niederzuschreiben, als bis man es wahrhaft selbst gebetet hat. Das Bedürfniß, aus welchem dieses Werk gestossen, trat mir sehr häufig in unmittelbaren Wünschen und Forderungen entgegen. Es ist aus den Verhältniffen unserer Zeit hervorgegangen, die Niemand gemacht und Niemand verändern kann, denen daher der sorgsame Seelenhirt in so weit Rechnung trägt, als er in ihnen den Boden des Religiösen und segensreicher Einwirkung erkennt. Der jüdische Gottesdienst geht in hebräischer Sprache vor sich, und besteht wesentlich aus den uralten Gcbetstücken. So ist es auch da, wo die Reform ihre umgestaltende Hand daran gelegt hat, mit wenigen Ausnahmen geblieben. Dahingegen giebt es jetzt zahllose Juden, die des Hebräischen nicht mehr so mächtig sind, um es zu verstehen und sich daran, nicht aus Gewohnheit, sondern aufrichtig erbauen zu können, und selbst viele, die noch einige Kenntniß dieser, dem Judenthume so heiligen Sprache, besitzen, sind ihr so weit entfremdet, daß sie in derselben nicht mehr den Ausdruck ihres Herzens finden. Daß zu diesen Allen insonders das ganze weibliche Geschlecht gehört, ist selbstverständlich. Daher kommt es denn auch, daß so Viele bei unserem Gottesdienste sich unbetheiligt