Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1863)
- Date
- 1863-07-07
- Page
- Seite 435 (sequence 11)
- Language
- German
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435 Werth sind, wie bei diesem in Erwägung stehenden Falle, und besonders den Äsraeliten, deren Religion die älteste und verehrungswürdigste Institution unter unS ist, und von welcher uns die Lehren unserer eigenen Religion vorausgesagt sind, also den Besitz des alten Testamentes, der heiligen Gesäße, der Küchen- und Tafelgerathe, welche zum Neujahre, dem Versöhnungstage und besonders zum Pessach gebraucht werden; dem Griechisch- und Römisch-Katholischen den Besitz des Crucifixes, des Wechwasserbeckens, des Rosenkranzes, der Madonna und anderer allegorischer Bilder ihres besondern Glaubens; den Protestanten nach ihren verschiedenen Benennungen den Besitz der Familieubibel mit ihren zahlreichen Commentaren, des Gebet- und Gesangbuches, des Taufbeckens u. s. w. „Wir wollen alle Zeit in Fallen wie der vorliegende, die oben aufgezahlten Artikel in Uebereinstimmung mit unseren Staats-Statuten von jeder Beschlagnahme frei halten, weil, wenn wir die Eigenthümer dieser nothwendigen und unentbehrlichen Artikel berauben, wir ihnen durch Gewalt die Ausübung eines constitutionellen Rechtes unmöglich machen." Aus Nordamerika, im Mai. Das Kriegsministerium zu Washington hat den Rabbiner Dr. Sarner als jüdischen Regiments - Caplan bei dem 54. New- Aorkregiment angestellt. — In der Schlacht bei Chancellorsville war das Heckerregiment in einer sehr gefährlichen Lage, und gerade in diesem Momente wurde der Obristlieutenant des Regiments, Herr Solomon von Chicago so im Arme verwundet, daß er unfähig zum Commandiren war. In diesem kritischen Momente eilte der Capitain Grün Hut, ein Jüngling von nicht über zwanzig Jahren, vorwärts, ergriff die Regimentsfahne und führte das Regiment mitten durch die gefährliche Position. Capitain Grün Hut stammt aus Böhmen, wo seines Vaters Grab ist, während seine Mutter in Chicago wohnt, Obrist Solomon ist sein Schwager. — Das „Jew. Ree.“ zählt in feiner jüngsten Nummer 11 Ofsiciere jüdischen Glaubens auf, die in den letzten Tagen zu höherem Rang avancirten, lauter Männer, die von unten herauf gedient und sich chren Rang durch Tapferkeit auf den Schlachtfeldern erworben. Nachtrag. Aus Sachsen, im Juni. (Privatmitth.) Bei der jüngst in Kamen; stattgesundenen feierlichen Enthüllung des Lessing-Denkmals — Kamen; ist der Geburtsort dieses großen Vorkämpfers für Wahrheit und Recht — nahm Dr. Goldschmidt aus Leipzig einen sehr thatigen Antheil, wie er auch zur Herstellung des Monuments mitgewirkt hat. Die Ansprache, die er bei der Feier gehalten, sowie sein Toast wurden mit außerordentlichem Beifalle ausgenommen und machten den tiessten Eindruck. Er war der einzige Jude, der zugegen war, und sprach ihm der Bürgermeister öffentlich seinen Dank aus. (Näheres über die Rede und den Toast geben wir in der dieswöchentlichen Nummer des „Dolksblattes." Redaction.) Bekanntlich herrscht in der Lausitz noch ein starkes Vorurchell und ihre Municipalrechte verweigern den Juden das Recht der Niederlassung. Beim Abschiede wurde dem Or. G. versichert, daß diese Ausschließung aufgehoben werden solle. Cvlu, 26. Juni. (Privatmitth.) D^r kürzlich hier verstorbene Rentner Christian Anton Cornille hat in seinem Testamente ein Legat von Hundert Thalern für die Hausarmen der jüd. Gemeinde bestimmt. Ein schöner Beweis von Humanität, der meines Wiffens der erste seiner Art in den Annalen Cölns ist und schon darum mitgetheill zu werden verdient. H. Hannover, 22. Juni. Die ,H. N." schreiben: Von den Hoyaschen Freien wurden dann zur zweiten Kam?- wer Oeconom Klüver und Regierungsrath Stegcmann, beide voraussichtlich ministeriell, gewählt; gegen letztere erlag mit starker Minorität Hr. v. d. Horst, Mitredacteur der „Zeitung für Norddeutschland" und einer der Führer der Fortschrittspartei. Es scheint, daß vor dem Wahltermine Hrn. v. d. Horst die Stimmung der Mehrheit günstig war, allein es hatte sich zum ersten Male, so lange es Landschaften giebt, ein Israelit als Käufer eines landtagsfähigen Gutes zur Aufnahme in die Landschaft gemeldet; seine Zulaffung ward von einem Theile der vornehmen Herren halb aus rechtlichen, halb aus christlichen Bedenken bestritten, von Hrn. v. d. Horst eben so entschieden vertheidigt. Mit seiner eifrigen Verfechtung für das Recht eines Juden hatte Horst 28 **