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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-06-30 · Heft 27 (30.6.1863) · p. Seite 421

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 27 (30.6.1863)
Date
1863-06-30
Page
Seite 421 (sequence 13)
Language
German
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421 Die Lesebuchfrage in der jüdischen Schule bildete den letzten Gegenstand der Tagesordnung. Die Menge der Lesebücher, welche Jahr für Jahr erscheinen, ist eine unausbleibliche Folge der zur Anerkennung gekommenen Ansicht von der Bedeutung des Lesebuches als Mittelpunkt des gesammten Schulunterrichts. Wenn diese Thatsache einen Fortschritt aus dem Gebiete der Pädagogik begründet, so ist es auch unläugbar, daß die erschienenen Lesebücher von gar verschiedenem Werthe sind, und daß mit vielem Guten auch manches Schlechte zu Tage gefördert wurde. Zwei Richtungen gehen in dieser Literatur auseinander: die eine will Lesebuch mit einem Lesestoffe, woran der Schüler im eigentlichen Sinne lesen lernen soll; die andere Richtung will auch Realien im Lesebuche, d. h. das Lesebuch soll zugleich die Grundlage des geschichtlichen, geographischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts bilden. Res. spricbt sich in einer wohl durchdachten, gediegenen Arbeit für die erstere Richtung aus, vermißt indeß ein Lesebuch für jüd. Schulen, das billigen Ansorderungen entspräche, und wünscht, daß ein solches geschaffen werde aus dem großen Gebiete unseres herrlichen Scbristthums, aus seiner „kräftigen Prosa, seiner anregenden, gemüthvollen Poesie mit Schilderungen aus dem Natur- und dem Menschenleben", der Fassungskraft des Kindes angemessen, für seinen Verstand bildend und für sein Gemülh erheiternd, — ein Lesebuch, das die Schule überdauert und auch dem Erwachsenen stets noch eine angenehme Lectüre bietet, ein Lesebuch, das einen positiv jüdischen Charakter trage; — kurz: den Anforderungen der rationellen Pädagogik gemäß echt c las fisch und positiv jüdisch. Coreferent befindet sich im Wesentlichen mit diesen Ansichten in Uebereinstimmung, will jedoch den talmudischen Ausspruch riir^dw ^'2 nnsr ~s.br: 7s auf das Lesebuch nicht bezogen wissen und die nothwendigsten Realien ins Lesebuch ausgenommen haben und zwar für solche Kinder, welche keine höhere Lehranstalten besuchen und um den Eltern die Anschaffung besonderer Bücher zu ersparen, welchem Umstande wohl Rechnung zu tragen fei. Begreiflicherweise konnte diese Frage bei der sich anschließenden Debatte keineswegs zum Austrage kommen. Ein großer Theil der Anwesenden sprach sich sür Realien im Lesebuch aus, nur sollen diese zugleich den Zwecken des Lesens dienen. Für die nächste Conferenz wurde auf die Tagesordnung gesetzt: 1. Die richtige Methode beiden schriftlichen Aufsätzen und eine Auswahl von Themata's mit Rücksicht auf die jüdische Schule. Referenten: Treu und Herrmanns. 2. Allgemeiner Lehrplan für die jüdische Schule. Referenten: Steinweg (Neuwied) u. Wallbaum. Nachdem Blumenau für die nächste Conferenz Bielefeld vorgeschlagen und dieser Vorschlag einstimmig angenommen, resumirt derselbe die an beiden Tagen gepflogenen Verhandlungen, dankt den Ehrengästen für ihr Erscheinen und ihre anregende Theilnahme, erwartet von den anwesenden Lehrern eine wohlthätige Einwirkung auf ihre lässigen Collegen, hofft, daß die nächste Conferenz zahlreich besucht werde, spricht ferner dem Vorstände der Cölner Gemeinde den Dank der Versammlung aus für das ansehnliche Geschenk von Thlr. 150. zum Besten der Unterstützungskasse, sowie der Direction der „Harmonia" für die entgegenkommende Freundlichkeit, womit dieselbe ihren schönsten Saal der Conferenz zur Disposition gestellt, welchem Danke die Anwesenden durch Erheben von ihren Plätzen den entsprechenden Ausdruck verleihen, und nachdem ein Mitglied dem Vorsitzenden und dem Vorstande für ihre Mühewaltung gedankt, wurde die Conferenz geschlossen. Der Nachmittag vereinigte dann noch in heiterm Beisammensein eine Anzahl Collegen im zoologi'chen Garten und auf einer kurzen Rheinfahrt im reinen Genüsse der schönen Frühlingsnatur. Möge Jeder einen bleibenden Eindruck und eine angenehme Erinnerung an diese Tage mit in die Heimath genommen haben! Herrmanns. Anzeigen. In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Predigers, der Nabbinatszcugnissc nN-in r“inn besitzt und zugleich den Religionsunterricht zu crthcilcn hat, in den höheren Klassen (wenn möglich zum soforrigcn Antritt) vacant. Mit derselben ist ein jährliches Gehalt von 350 Thlr. und 150 Thlr. Ncbcncintünfte verbunden. Q-ualificirrc Bewerber wollen sich in portofreien Briefen unter Beifügung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten Borstand wenden. Schwctz a W., im Juni 1SC>3. Der Synagogen - Vorstand. Hirschberg. I. Danziger. Heinrich Biehl.

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