Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1863)
- Date
- 1863-06-23
- Page
- Seite 404 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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404 zuvörderst von der eignen Tüchtigkeit aller Lehrer und dann von der Übereinstimmung im Wollen und Vollbringen abhängig ist. Cola war mit Rücksicht auf seine Lage, die eine recht zahlreiche Betheiligung möglich machte, als Conferenzort gewählt worden. Wir erwarteten sämmtliche jüd. Lehrer beider Provinzen. Dieser Erwartung sollte nicht entsprochen werden. Nur ein verhältnißmäßig kleiner Bruchtheil war erschienen. Woher die Lauheit, die kleinliche Bedenklichkeit der Uebrigen?- Wir wollen diese Frage hier nicht beantworten und nur den Wunsch aussprechen, daß das echte und rechte Lehrergefühl sämmtliche College« mehr und mehr beseele, daß sie das Bedürfniß fühlen, mit Berufsgenosien zusammenzutreten und zu reden von der gemeinsamen Freude, der gemeinsamen Noth. Im wohlverstandenen eigenen Interesse „strebt der wahre Lehrer zum Ganzen, schließt an ein Ganzes sich an." Anwesend waren die Lehrer: Alsbach aus Camen, Blumenau aus Bielefeld, Blumenfeld aus Essen, Blumenthal aus Deutz, Filehne aus Lechenich, Golvstein aus Grevenbroich, Hermann aus Castrop, Herrmanns aus Cöln, Heymans aus Crefeld, Hope aus Unna, Hochseld aus Oelde, Huld aus Brühl, Leiser aus Hausberge, Lob aus Cöln, Meyersohn aus Kerpen, Oppenheim aus Coes. feld, Rosenberg aus Cöln, Rüben aus Gütersloh, Ollendorf aus Bergheim, Steinweg aus Neuwied, Steinweg aus Hamm, Steinweg aus Rheda, Spier aus Ruhrort, Treu aus Münster, Sachs aus Commern, Wallbaum aus Menden, Wallerstein aus Crefeld, Wiener aus Neuß, Wolf aus Düren. Als Ehrengäste hatten sich eingefunden: Dr. Philippson aus Bonn und Dr. Schwarz aus Cöln. Entschuldigt waren: Leeser in Lübbeke, Katzensiein in Pr.-Oldendorf, Kronenberg in Sendenhorst und Wolfsdorf in Neheim. Blumenau als Vorsitzender eröffnete die Sitzung mit einer kurzen Ansprache und einem Gebete um den göttlichen Segen, verlas hierauf zwei Entschuldigungsschreiben vom Rabbiner Bodeuheim zu Crefeld und Rittergutsbesitzer Löb auf Caldenhof, welche beide ihre Theilnahme an der Versammlung bekundeten, aber bedauerlicher Weise am Erscheinen verhindert waren, und stellte dann unter Zustimmung der Versammlung eine durch die Umstände gebotene Abänderung der Tagesordnung auf. Als erster Gegenstand derselben erfolgte ein Referat über „die nachbiblische Geschichte in der jüdischen Elementarschule." Referent spricht einleitend über die Wichtigkeit dieses Unterrichtsgegenstandes, wie er dazu dienen soll, das Selbstbewußtsein unserer Glausbensgenossen zu starken und auf die Charakterbildung zu wirken, verlangt für die Behandlung nicht eben wissenschaftlich geordnete Reihenfolge der Begebenheiten, vielmehr biographische Bilder und Charakterschilderungen, geeignet, Lust und Freude an der Sache bei der Jugend zu erwecken, beginnt mit der Schilderung der Wirksamkeit der Männer der großen Synode, führt in kurzen Andeutungen die hervorragendsten Männer unseres Volkes bis auf die Jetztzeit vor, knüpft an dieselben die wichtigsten Erscheinungen auf dem Gebiete der Cultur und fordert, bei der Neuzeit angekommen, von dem Lehrer strenge Unparteilichkeit gegenüber dem noch nicht zum Abschlüsse gekommenen Kampfe der verschiedenen Richtungen und Parteien im Judenthume. An diesen Vortrag knüpfte sich eine längere Debatte, als deren Ergebniß wir kurz bezeichnen: Das biographische Element ist wichtig bei diesem Unterrichte, die chronologische Ordnung aber dennoch unerläßlich, um den Gang der Entwickelung der Verhältnisse und Ereignisse in der Geschichte zu übersehen, worin sich die göttliche Vorsehung immer und immer abspiegelt; auf diesem Grunde erst tritt die Biographie Einzelner hervor; ein höherer Zweck bei diesem Unterrichtsgegenstande wie überhaupt bei dem Geschichtsunterricht ist, daß das jetzige Geschlecht den Fortschritt der Menschheit erkenne. Den zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildete ein Referat: Bezeichnung der Stellen im Pentateuch, die beim Schulunterrichte zu überschlagen sind. Die Frage, ob Stellen zu übergehen, war in der vorigen Conferen; bereits als aus ethischen Gründen geboten, bejaht worden. Es handelte sich also um das, was zu überschlagen sei. Als eine Schwierigkeit stellt sich dabei heraus, daß einzelne der betreffenden Stellen in wichtige Kapitel gleichsam eingekeilt sich vorfinden und andererseits dem Kinde nothwendig mitzutheilende Stellen sich in minder wichtigen Kapiteln finden. Referent hatte mit vielem Fleiße von rrcx-o anfangend in jeder N-no die fraglichen Stellen bezeichnet und trug diese Arbeit mit erläuternden Bemerkungen unter lebendigster Theilnahme der Versammlung vor. Schließlich machte Dr. Philippson den Vorschlag, das etwas umfangreiche Referat drucken zu lassen.