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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-06-09 · Heft 24 (9.6.1863) · p. Seite 363

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 24 (9.6.1863)
Date
1863-06-09
Page
Seite 363 (sequence 3)
Language
German
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363 droht, mit Züchtigung belegt worden. Man hat dich zu einer furchtbaren Fackel gemacht, deren rothe Flamme über den ganzen Erdkreis sich breitete, deren finstere Rauchwolken den Himmel verhüllten. Man legte dich als schwere Geißel in die Hand des Menschen, sich selbst damit zu zersieischen und in den Staub zu werfen. Man gab dich für das Eigenthum weniger Priester und Weisen aus, von dessen Brosamen die übrigen Menschen ihr Dasein fristen sollten, dich, deren Wurzeln doch in Gott, deren Ausläufer in allen Menschenherzen sind. Man hat dich als einen schweren, in seiner ganzen Masse unveränderlichen Stein auf die Menschengeister gelegt, daß sie, wenn auch darunter erliegend, niemals ihn abwerfen oder von seiner Last sich erleichtern sollen. Aber dies bist du Alles nicht, wie du Gottes bist, und die Zeit nahet sich immer mehr, wo du wirst, was du sein sollest, Gottes Lehre an den freien Menschengeist, der dich in feiner Freiheit erkenne, sich dir zu eigen gebe, und deinen Segen empfange aus der unerschöpflichen Fülle deines Schatzes. Dann erst wird sich dir Niemand entziehen wollen und können; dann erst wird dein Licht wolkenlos strahlen, und jedes Auge mit Entzücken sich dir öffnen, und jedes Herz voll Freude und Friedens dich in sich aufnehmen! Eabriel Ließer. Die Theilnahme am Hinscheiden Rießer's war insonders bei unseren Glaubensgenossen eine allgemeine. Abgesehen davon, daß die ganze jüdische Presse, so weit sie in allen Welttheilen besteht, das Andenken des Verewigten durch Nachrufe und Nekrologe ehrte, hat auch in mehreren Synagogen eine Todtenfeier stattgefunden. Wir stellen daher einige Berichte hierüber, wie sie uns zugekommen, zusammen. Trier, den 26. Mai. Am verflossenen Sabbathe hielt unser Herr Oberrabbiner Kahn während des Morgen-Gottesdienstes eine sehr erhebende und würdige Gedachtnißrede auf unfern, leider! so früh dahingeschiedenen Dr. Gabriel Rießer. Sehr passend an das Gebet 2« a-amr: welches bekannilich am Sabbath vor dem Wochenfeste für unsere Märtyrer verrichtet wird (hier seit vielen Jahren aber nur bis ab'2 worauf ein deutsches Gebet auch für die Märtyrer und Kämpfer neuerer Zeit folgt) anknüpfend, hob der Redner mit innigster Rührung und Begeisterung hervor, daß Rießer im hohen Grade zu unfern n-ncn a ^2-7221 a---an gezählt werden kann und muß; daß auch er einen großen Theil seines Lebens geopfert hat „für die Heiligung des Namens Gottes"; daß auch er „behender denn Adler und stärker denn Löwen war, um nach dem Willen Gottes für das Recht und die Ehre Israels zu streiten" und auch „einer der liebenswürdigsten, angenehmsten" und bescheidensten der Männer war, die je gelebt haben. Nachdem der Redner in bündiger Form dessen Wirken für die Emancipation der Juden, vorzüglich auch der Preußischen — weshalb die jüdischen Preußen vorzüglich ihm zu ewigen Danke verpflichtet sind — geschildert und dessen hierauf bezügliche Schriften erwähnt hat, äußerte er sich noch ungefähr in folgender Weise: Rießer war ein wahrer 28--122 „ein Mann Gottes", ein Kämpfer für Gott und dessen Recht, ähnlich unserm Stammvater '28-12dem Gotteskämpfer, bis die Sonne der allgemeinen Menschenliebe aufging und die düsteren Nebel verscheuchte. Er war ein Mann, auf den im wahren Sinne des Wortes aus unserem heutigen Wochenabschnitte: 172-; br 2-8 „Jeder bei seiner Fahne" anwendbar ist, da er treu und fest bei der alten jüdischen Fahne verblieb, diese äußerer Ehren und Vortheile wegen nicht preisgab und hierdurch zum Muster vieler anderer unserer befähigtsten Jünglinge und Männer ward, indem durch Rießer's Beispiel es von da ab als die größte Schmach galt, das jüdische Panier zu verlassen u. s. w. Am Schlüsse forderte der Redner mit kräftigen Worten die Gemeinde auf: Beiträge zu geben für das nach Ihrer Aufforderung (in d. Allg. Z. d. I. No. 20) zu errichtende Denkmal. „Eine große Betheiligung hieran zur Ehre des großen und höchst verdienstvollen Mannes wird unserer Gemeinde selbst zur Ehre gereichen, indem sie hierdurch bekundet, daß sie das Andenken desselben zu würdigen wisse." Wie Einsender dieses vernommen, sind auch bereits heute schon von mehreren hiesigen Gemeinde - Gliedern Beiträge zu diesem Zwecke eingegangen. 8. Leipzig, den 26. Mai. Der Hintritt des um die Emancipation der Juden so hochverdienten vr. Gabriel Rießer hat weit über die Grenzen seines engern Vaterlandes die schmerzlichsten Gefühle erweckt. In allen Klassen und Schichten wurde der Heimgang des leider viel zu früh Verstorbenen aufrichtig beweint und betrauert. — Der Gedanke, eine Rießer-Stiftung zu gründen, um 24*

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