Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1863)
- Date
- 1863-05-19
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu No. 21 der Allg. Ztg. des Zudenth. Israelitisches Handels - Institut zu .Brüssel, geleitet von L. Kahn, Lehrer an der israelitischen Stadtschule dahier. Die Penfionate und Privat-Erziehungsanstalten find schon längst ein sociales Bedürfnis geworden. Das elterliche Haus,, als erste und natürliche Erziehungsanstalt der Kinder, besitzt nicht immer alle erforderlichen Elemente zu einer gedeihlichen Erziehung. Schon was die Erziehung im engern Sinne betrifft, gebricht es manchen Eltern, selbst solchen, welchen eine Befähigung nicht abzusprechen ist, an Zeit und Mühe. Zerstreuende Geschäftssorgen ziehen den Sinn von der Beschäftigung mir den Kindern ab, abgesehen von so manchen, die Erziehung störenden Einflüssen, denen im elterlichen Hause kaum auszuweichen ist. Aber noch mehr in Beziehung auf den Unterricht ist das elterliche Haus selten im Stande, den gesteigerten Anforderungen der Jetztzeit zu genügen. In den gewöhnlichen Schulen tritt aber der Unterricht, d. h. die Verstandcsbildung in den Vordergrund, so daß häufig die Erziehung im Unterrichte fast aufgeht. Dagegen stellt fich ein gutes Pensionat die doppelte Aufgabe, Erziehung mit Unterricht zwecknräßig zu verbinden und in eine schöne Harmonie zu bringen. Diese Ausgabe würdig zu lösen, wird die angelegentlichste Sorge obigen Instituts sein. Neben dieser allgemeinen Aufgabe stellt es sich noch die besondere, der dem Handel sich widmenden Jugend eine ausgedehnte, gediegene Fachbildung angedeihen zu lassen. Für solche jungen Leute ist es besonders zweckmäßig, ihre Ausbildung in Unterrichts- und Erziehungsanstalten des Auslandes zu suchen, wo allein sie die fremden, lebenden Sprachen geläufig sprechen und bewältigen lernen und wo sie, in stetem Umgänge mit jungen Leuten anderer Nationen, in der Jugend schon mit den Sitten, Gebräuchen, Ansichten und Bedürfnissen derselben bekannt werden. Brüssel, die Hauptstadt Belgiens, ist besonders dazu geeignet, die dem Handel fich widmenden jungen Leute aus Deutschland anzuziehen. 'Die schöne und gesunde Lage der Stadt, die Nähe Deutschlands und Englands, der leichte Verkehr mit diesen Staaten, die Sympathie der Völker, dann die vorzüglich gute HandelS- und Gewerbsschule (^tbeuse royal, section professionelle), die zoologischen und botanischen Gärten und die verschiedenen Museen Brüssels find ebensoviele Anziehungspunkte. Brüssel besitzt deshalb eine große Anzghl Privatanstalten, wo solche junge Leute Unterricht und Pension erhalten. Eine solche gut organifirte und wohlunterhaltene Anstalt für israelitische Knaben und Jünglinge allein ist ein frommer Wunsch geblieben. Um diesem jeden Tag tiefer empfundenen Bedürfnisse abzuhelfen, tritt obenstehendeS Israelitisches Institut inS Leben. Herr L. Kahn, Direktor dieses Pensionats, glaubt die religiös-moralischen und pädagogischen Eigenschaften, sowie die nöthigen Kenntnisse zu besitzen, die ihn des Vertrauens der Eltern würdig machen und denselben hinlängliche Garantie bieten. Er ist Inhaber dreier Diplome — von Deutschland, —, die seine Studien und Fähigkeiten in den Religions¬ und in den profanen Wissenschaften, sowie in der Pädagogik und Methodologik bekunden; und durch eine 16jährige Praris im Lehrfach in Deutschland, Frankreich und seit 8 Jahren in hiesiger Stadt hat er fich eine reiche Erfahrung in Pädagogik und Methodologik erworben; er stand übrigens schon einige Zeit als Studien-