Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1863)
- Date
- 1863-05-19
- Page
- Seite 324 (sequence 12)
- Language
- German
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324 herrschenden Kastengeistes sehr vorsichtig auftreten muß, I der Frau Pastorin Ott gar nicht zugänglich find. Der strebt nach einer unparteiischen Stellung uns gegen- I Unterricht durch Gouvernanten, zu dem viele jüdischen über und nimmt jetzt, dem Beispiele des „Inlands" I Aeltern ihre Zuflucht nehmen müssen, ist überaus kostfolgend, öfters die Correspondenzartikel Ihrer Zeitung! spielig, abgesehen davon, daß keine einzige Lehrerin, aus den hiesigen Provinzen auf. In No. 13 vom 1.! selbst die gebildetste nicht, allein das leisten kann, was April enthält das „Inland" folgenden Artikel, der über! eine gute Schule zu gewähren pflegt. Es ist zeitgemäß ein dringendes Bedürfniß für die hiesige Gemeinde I und nicht blos deshalb, sondern auch aus vielen andern handelt. „Die Mitauische ebräische Kronsschule I. Ord- I Gründen wünschenswerth, daß bei uns die Ausschließung nung, welche den Standpunkt einer allgemeinen Ele-! der jüdischen weiblichen Jugend in den öffentlichen Töchmentarschule einnimmt, an welcher aber nicht nur die! terschulen aufgegeben würde. Bei dem jetzigen Systeme allgemeinen Elementarlehrgegenstände, sondern auch die! werden alte Vorurtheile gegen Andersgläubige schon den ebräischen Lehrfächer vorgetragen werden, — besteht seit I Kindern eingeimpft, während man doch dafür Sorge April 1850 und hat eine durchschnittliche Frequenz von I tragen sollte, dieselben zu belehren, daß der Jude als ungefähr 50 Schülern. Es sind alljährlich 4—5 Zog-! Mensch dem Christen vollkommen gleichsteht und ebenso linge mit ßem Zeugniffe der Reife entlassen und wid- I wie dieser zur sittlichen und intellektuellen Ausbildung meten sich davon 8 dem Universitäts-Studium, nachdem! berufen und befähigt ist. — Um dem erwähnten Uebelfie unmittelbar aus der erwähnten Kronsschule ins! stände abzuhelfen, ist kürzlich der hohen Schulverwaltung Gymnasium zetteten und dort ihren Cursus absolvirt I ein Project zur Errichtung einer jüdischen dreiklassigen hatten, 2 dem Rabbinerftande, 3 dem Künstlerfache,! Töchterschule unterlegt worden, deffen Bestätigung mit 24 dem Kaufmanns- und handellreibenden Bürger- I Sehnsucht erwartet wird. stände, die Uebrigen dem Gewerkerftande. I Wir knüpfen hieran einige weitere Bemerkungen. In Folge einer vor etwa 2 Jahren vom Kronsschu-! Wer Mitau kennt und daher weiß, daß sich dort eine len-Jnspector veranstatteten Revision hat der damalige! sehr nahmhaste Anzahl gebildeter jüdischer Familien Curator nicht nur die Lehrer dieser Schule officiell be- I vorfindet, daß ferner der Haupthandel — 65 Kauflobt, sondern auch letztere als die einzige ebräische Schule i manns - Firmen — von Juden betrieben wird, diese dieser Kategorie bezeichnet, welche die an sie zu machen-! überhaupt an Wohlhabenheit der übrigen bürgerlichen den Anforderungen völlig entspräche. — Im vorigen I Bevölkerung keineswegs nachstehen, dem dürfte es wohl Jahre haben diese Schule auch Se. hohe Excellenz der! unbegreiflich erscheinen, daß mau sogar bei der Zulas- Herr Ministergehülfe Baron Nicolai und Sr. Erlaucht I sung zu den öffentlichen Schulen einen Unterschied in der Herr Curator des Dorpater Lehrbezirks, Gras Kay-! der Confession zu machen pflegt, und dem christlichen serling, mit ihrer Gegenwart beehrt. — Die Frequenz I Fräulein und der deutsch sprechenden Letttn, selbst wenn der Kreisschule und des Gymnasiums von Seite der I sie nichts weiter als den bloßen Namen einer Christin jüdischen Jugend kann eine verhältnißmäßige in Bezug! in die Schule mitbringen, viel bereitwilliger den Einauf die Größe der hiesigen ebräischen Bevölkerung be- I gang öffnet, als einem jüdischen Kinde, welches sich in zeichnet werden, erslere zählt 15, letzteres 30 Schüler,! der Regel durch Befähigung und Fleiß auszeichnet. Der '' darunter 2, welche in diesem Semester das Abiturien-! Fall ereignete sich einst, daß es einem wohlhabenden ten-Examen zu absolviren gedenken. Die im vorigen! und gebildeten Ebräer nicht gelang, seinen Sohn in Jahre mit den nöthigen Lehrttäften eröffnete Behrmann-! einer deutschen Privat-Lehranstatt anzubringen, obschon sche Privat-Schule zählt 25 Schüler; sie ist noch zu! er sich zu einer Zahlung erbot, welcher den gesammten neu, als daß sich weitere specielle Berichte über chre! Kostenbettag einer Klasse an Lehrstunden aufwog. Of- Ergebnisse abstatten ließen. Für die Schulbildung der! fenbar klebte man so fest an gewissen Borurtheilen, weiblichen mosaischen Jugend ist sehr mangelhaft ge- I daß selbst der mächtigste Hebel, das Geld, im grellen sorgt. . Von den hier bestehenden öffentlichen Töchter-! Widerspruche mit seiner sonst am nämlichen Orte beschulen, die selbstverständlich ohne Unterschied der Con-! wiesenen Wirksamkeit, den schweren Ballast jener verfession Schülerinnen ausnehmen sollten, hat die Doro- I kehrten Ideen nicht wegräumen konnte, welche unzweitheen-Elementar-Schule nur selten offene Plätze, wäh- I felhaft — nach Mitauschem Sprachgebrauch — aus rend die höhere Töchterschule St. Trinitatis und die | der „alten guten herzoglichen Zeit" herstam-