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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-05-19 · Heft 21 (19.5.1863) · p. Seite 314

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 21 (19.5.1863)
Date
1863-05-19
Page
Seite 314 (sequence 2)
Language
German
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314 fügt werden. Soweit unsere Kenntniß reicht, wurde das Werk so mehrere Bande umfaffen und die Herstellungskosten in dieser Weise mehrere Tausend Thaler betragen. Daß somit die Beschaffung der Mittel wie des gesammlen Materials noch viele Schwierigkeiten bieten wird, ist ersichtlich. Doch hegen wir zu viel Vertrauen auf die Theilnahme und Dankbarkeit, die in den Herzen für den Verewigten leben, sowie auf die Anerkennung des großen Dienstes, der durch dieses Werk der Sache des Rechtes für immer geleistet wird, als daß wir nicht auf ein allseitiges Entgegenkommen rechnen sollten! Es versteht sich, daß, sobald wir irgend die Gewißheit haben, daß ein bedeutender Theil der nöth'lgen Mittel vorhanden, die Einladung zur Theilnahme auch in weitere Kreise gebracht werden wird. Jetzt gilt es besonders gerade aus der jüdischen Masse heraus die vielfältigste Theilnahme zu erweisen, weshalb auch jede noch so kleine Gabe willkommen sein wird. Die umfassende Zahl der Beitragenden würde uns am angenehmsten sein, da sie abermals ein laut redendes Zeugniß für den in den deutschen Juden wohnenden Geist abgeben wurde. Die Namen der Spender müssen dem Werke vorgedruckt werden, um für immer Zeugniß zu geben, welche Anerkennung Rießer in allen Schichten der Gesellschaft gefunden. Wir haben die Freude, schon heute die Liste der Spender regelmäßig eröffnen zu können, nämlich: 1) Di*. Ludwig Philippson in Bonn 5 Thlr. 2) Advocat Emil Lehmann in Dresden 5 Thlr. 3) Baron James v. Rothschild in Paris 500 Frcs. — l33 Thlr. 10 Ngr. 4) Albert Cohn in Paris 40 Frcs. 10 Thlr. 20 Ngr. 5) Stadtrath Benny Burchard in Landsberg a. d. W. 2 Thlr. Zusammen 156 Thlr. Die Redaction. III. Nekrolog Rießer's. (Fortsetzung.) *) Das confiitutionelle Leben war in den Staaten Deutschlands neu erwacht, nach dem glücklichen Erfolge der Julirevolution in Frankreich wollte man auch die *) Berichtigung. Rießer's Geburtstag fallt nicht, wie in vorig. Nr. irrthümlich angegeben, auf den 4ten, sondern aus den 2len April. Früchte der Anstrengungen genießen, die 1813 bis 1815 zur Entfesselung des Vaterlandes geführt und um die eine engherzige und kurzsichtige Politik das Volk betrogen hatte. In einer nicht geringen Zahl ständischer Versammlungen wurden die Forderungen des Rechtes und der gesunden Staatsweisheit den beschränkenden Regierungsmaßregeln gegenüber geltend gemacht, und unter den Tagesfragen war die bürgerliche Gleichstellung der Juden eine der erheblichsten. Ueberall wurde um dieselbe petitionirt, und fast alle deutschen Kammern beriechen über diesen Gegenstand in den ersten Jahren nach 1830. Dies bewog Rießer, eine Zeitschrifr zu gründen, in uelcher er sich die Aufgabe stellte, den Verhandlungen der Kammern über Emancipation der Juden in eingehender Darstellung und ernster Kritik zu folgen. Diese Zeitschrift ist: „Der Jude, periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit." Schon der Name derselben giebt ein Zeugniß für Rießer's Gesinnung. Man hatte seit Ende des vorigen Jahrhunderts den Namen „Jude" von jüdischer und christlicher Seite fast aufgegeben, und nur Die bedienten sich seiner noch, die damit zu kränken suchten; Rießer setzte ihn wieder in sein Recht ein, indem er ihn zum Schiboleth für die höchsten Güter des Menschen machte; die Träger des Namens hörten auf, sich seiner zu schämen, und nur dem Pöbel in der Literatur und auf der Gasse fällt es heute noch ein, ihn zum Schimpfwort herabzuwürdigen. Der größte und der werthvollfte Theil aller Aufsätze in der Zeitschrift stammt von Rießer selbst her; er unterwarf die einzelnen Reden der genauesten Zergliederung, und hatte besonders die danklose Aufgabe, auch an vielen damaligen Wortführern der freiheitlichen Bewegung den Abfall von ihren eigenen Grundsätzen nachzuweisen, die Windungen und Schleichwege, auf denen sie bei dieser Frage in's entgegenstehende Lager sich drängten,, frei aufzudecken. Baden war das Land, wo zuerst Recht und Freiheit eine bleibende Wohnstätte zu finden schienen, Preßfreiheit wurde trotz des bund es täglichen Verbots eingeführt, in der Judenfrage aber stimmten die Vorkämpfer des Liberalismus, Welcker, Rotteck, Jzstein und viele Andere, gegen die Gleichstellung. Kühn und furchtlos trat Rießer gegen sie aus und vernichtete in meisterhafter Ausführung jedes ihrer Argumente, den Widerspruch gegen ihre eigenen Doctrinen in das hellste Licht stellend. Der allgemeinste Beifall lohnte seine Bemühungen, die jüdischen Gemeinden Badens ließen die Abhandlung in einem Sonderabdruck nochmals erscheinen, und sorgten für die weiteste Ber-

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