Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1863)
- Date
- 1863-05-12
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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men sie die Tage des Verstorbenen in Anspruch. Aber er nahm die Nächte zu Hülfe und man kann mit Recht sagen, daß er ein Opfer seiner Arbeitsamkeit geworden ist. In jenen stillen Stunden der Nacht arbeitete er jene medicinischen Werke aus, über die ich selbst nicht urtheilen kann, die aber von seinen Kollegen sehr geschätzt werden. Zugleich arbeitete er an einer Zeitschrift, welche die Naturwiffenschaften auch entfernteren Kreisen rumänischer Lande bekannt machen sollte. Dieses Blatt, welches eine Reihe von Jahren erschienen ist, zeigt bei dem Schriftsteller dieselben glänzenden Eigenschaften, die ich an dem Redner genannt habe, und eine verhältnißmäßige bedeutende Zahl von Abonnenten war der Lohn für die Anstrengungen des Verfassers. Wenn trotzdem der Verstorbene entschlossen war, das Journal eingehen zu lassen, so beruht das, neben dem Wunsche, fich etwas Ruhe zu gönnen, auf den unendlichen Schwierigkeiten, mit denen hier zu Lande alle buchhändlerischen Unternehmungen verknüpft find. Wenn dies die Verdienste find, die der Dahingeschiedene fich um das Ganze, um das Allgemeine erwarb, so hatte er für uns, seine Glaubensgenossen, noch einen besondern Werth. Zn einem Lande, wo die Juden noch so manche Kämpfe nach innen und außen zu bestehen haben, um zur vollen Freiheit zu gelangen, ist ein geachteter und glänzender Name, wie der des Verstorbenen, ein Schild und eine Waffe von unschätzbarem Werlhe! Aber Herr Dr. Barasch diente uns nicht nur mit seinem Namen. Bei den mannigfachsten Gelegenheiten hat er gezeigt, daß er auch Herz und Aufopferungsfähigkeit für seine jüdischen Brüder besaß, und daß sein eifrigstes Bemühen war fie der vollen Emancipation entgegenzuführen. Noch als Student schrieb er für die Zeitung des Judenthums eine Reihe von Artikeln (die gesammelt einen hübschen Band ausmachen würden und deren Sammlung nur durch einen Zufall unterblieben ist), worin er die Lage und die Verhältnisse der galizischen Juden mit geistvoller Treue darstellte. Daß der Eifer für seinen Glauben nicht erloschen war, bewies er dann später in einer mit Feuer und Begeisterung geschriebenen Brochüre, worin auch der Witz nicht fehlt, gegen einen Apostaten*), der aus einem schlechten Rabbiner ein noch schlechterer Misfionär geworden war. Um auch seine christlichen Mitbürger für das Loos seiner Glaubensgenossen zu gewinnen und die rumänischen Juden über ihre Geschichte und Literatur aufzuklären, schrieb er in Gemeinschaft mit einem für das Judenthum begeisterten Franzosen eine Zeitschrift in wallachischer Sprache: „Der rumänische Israelit". Wenn das Blatt auch an der Ungunst der Verhältnisse scheiterte, so ist die ausgestreute Saat doch nicht verloren gegangen; fie keimt ruhig weiter; eines Tages wird fie schon aufgehcn und es wird fich auch, will's Gott, ein Schnitter finden, um die reife Saat zu mähen. — Diesen Verdiensten fügte der Dahingeschiedene noch jüngst ein neues hinzu, indem er fich des hier neu gegründeten Vereins für Verbreitung der Cultur unter den Israeliten eifrig und liebevoll annahm. Gestattete ihm auch seine Zeit nicht fich der Organisation des Vereins eingehender anzunehmcn, so widmete er demselben manchen Abend und seine geistreichen, bildenden Vorträge find der Erinnerung seiner Zuhörer für immer tief eingeprägt. — Wenn das Andenken an diese so zahlreichen Verdienste des Dahingeschiedenen uns seinen Verlust um so schmerzlicher empfinden läßt, so ist darin zugleich auch ein Trost für unsere Trauer enthalten. Denn er starb nicht ganz; die Zahl seiner Jahre war kurz, aber fie find reich an Handlungen, und die lange Reihe der Trauernden, die heute dem Verstorbenen das letzte Geleite zu seiner Ruhestätte gegeben haben, zeugt von der Anerkennung, die man seinem Wirken zu Theil werden läßt. Und mit Recht kann man, glaube ich, auf den Verstorbenen das Wort des Dichters anwenden: Wer den Besten seiner Zeit genug gethan, Der hat gelebt für alle Zeiten. *) Herrn Kick. Druck von I. B. Hirsch selb in Leipzig.