Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1863)
- Date
- 1863-05-12
- Page
- Seite 309 (sequence 11)
- Language
- German
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309 sprechend ist die oberste Leitung des Synagogen-Religionsunterrichts- und Beerdigungswesens unter Aussicht des Vorstandes auch zwei verschiedenen Cultus- Commissionen anvertraut, bei denen jeder je ein Rabbiner mitwirkendes Mitglied ist. So ist der gesetzliche und moralische Einfluß der Rabbinen beider Richtungen gesichert, beide haben ihren bestimmten Wirkungskreis, in dem ein gegentheiliger Einfluß schon an sich nicht möglich ist, während die Gemeindebehörden einen jeden Uebergriff auch abzuwehren die Aufgabe und die Macht haben würden, falls er versucht würde. Der zahlreiche Theil der Gemeinde, welcher sich der religiösen Führung Geiger's überließ, hat sich durch Opferwilligkeit bewährt, ist durch Intelligenz und Gesinnungstüchtigkeit in sich erstarkt, und verfolgt mit Bewußtsein sein Ziel. Seine Richtung findet gewissermaßen in dem, seit lange vorbereiteten, seit 1854 eingeführten Gebetbuche ihren Ausdruck, in welchem die Achtung vor dem Geschichtlichen im Judenthum gewahrt, zugleich aber die neuen religiösen Bedürfnisse der Gegenwart zu befriedigen angestrebt wird. Der neue Rabbiner wird sich die verständige Pflege der auf solchen Grundlagen errichteten Institutionen sicher zur Ausgabe machen. Er muß natürlich ein guter Prediger sein, sein Wort muß eben besonders die Macht haben durch ein ächt jüdisches Bewußtsein, durch die ernst hervortretende Ueberzeugung; es muß getragen werden von einem soliden Wissen. Die Lage der Gemeinde, wie unsere langjährige Gewohnheit machen es nur zum Bedürfniß, daß der Mann auch im Kreise der Wissenschaft thätig sei; die Gemeinde muß das Bewußtsein haben, daß er andern Kräften, an denen es gerade hier nicht fehlt, ebenbürtig sei. Welch' bedeutenden Wirkungskreis sich ein Rabbiner dadurch hier schafft, wo eine schätzbare jüdische Gemeinde-Bibliothek, ein „Lehr- und Leseverein", ein „Verein zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums" bestehen, wird der Mann von Fach leicht beurtheilen. Daß auch der materielle Lohn der Aufgabe entspricht, braucht bei einer so großen Gemeinde, die eine bedeutende Anzahl reicher Mitglieder in sich schließt und bei der daher auch die Nebeneinkünfte sehr beträchtlich sind, kaum besonders hervorgehoben zu werden. Und so ist die Stellung in jeder Beziehung eine solche, welche auch die Besten in Israel zu zieren geeignet ist, und es ist zu^erwarten, daß Männer, welche der Ausgabe gewachsen sind, sich bereitwillig um die erledigte Stelle bewerben werden, und sie bald in würdiger Weise besetzt werden wird. Prag, 30. April. (Privatmitth.) Der Entwurf der Cultus-Ordnung für die Juden Böhmens ist noch nicht sanctionirt, doch wurde er bereits im Landtage von der betreffenden Commission in Verhandlung gezogen, und hat allem Anschein nach Aussicht zur Annahme. Von diesem Entwürfe kann man sagen, daß er besser sei als sein Ruf, verspricht er kaum große Besserung unserer Gemeindezustände, so droht er doch auch mit keiner Verschlimmerung, wenigstens läßt er keine religiöse Bevormundung fürchten, weder von geistlicher noch von weltlicher Seite. Wir müssen gestehen, daß wir letzteres für weit bedenklicher als ersteres halten. Man betrachte nur die Eultusverhältniffe der Juden in Frankreich, und man wird unserer Behauptung beipflichten. Wie Zeitungen meldeten, ist Herr Prof. vr. Kämpf, unser gefeierter Prediger, in seinem Amte als Professor an der hiesigen Universität von Sr. Majestät dem Kaiser unterm 22. v. M. definitiv bestätigt worden. Das erste Triennium eines Lehramtes gilt nämlich als ein provisorisches; erst dann, wenn der Ernannte während dieser Zeit sich als tüchtig bewährt und von der academischen Behörde in diesem Sinne über ihn berichtet wird, erfolgt auf Vorschlag des Ministers durch Sr. Majestät die definitive Bestätigung. Es ist dies fteilich das Normale, aber wie die Sachen jetzt noch stehen, ist es immer noch ein Ereigniß, wenn die Tüchtigkeit eines Juden die verdiente Anerkennung findet. .46 vocem Anerkennung müssen wir berichten, daß wie ftüher dem Director, der Hauptschul-Director, Herrn Markus Winternitz, nun auch noch einige andere um das Gemeindewesen verdienten Personen die Ertheilung einer kaiserlichen Auszeichnung bevorstehen soll. Von Ersterem erzählt man sich, daß er in Pension zu treten gedenkt, und daß er bei dieser Gelegenheit den Titel eines städtischen Schulrathes erhalten soll. Anzeigen. Ein Schächrcr, Rcligionslchrer und Vorbeter, der vom 1. Mai ab bis Michaelis zu jeder Zeit eintretcn kann, sucht eine Stelle. Aufträge beliebe man franco an die Erpedition der Zeitung des Judcnth. unter Chiffre II. 8. zu richten. 20 **