Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1863)
- Date
- 1863-04-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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zi. Jahrgang. Allgemeine H- Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 21. April 1863. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dien Sag«, in 1*/, bi- 2 Bogen. Brei« de« Jahrgang« 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 13 Ngr. Bierteljährig 22>/r Rgr. Inserate werden mit l lji Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum beregnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr.. für Bogen 3 Thlr.. für V» Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung««Erveditionen nehmen Bestellungen au; der Hauptexpe« ditio» für beide Letztere hat sich da« Königl. Sachs. HauPt - Zeitung« - Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das Jüdischdeutsch vom kulturhistorischen Standpunkte. — Zur Geschichte des jüdischen Gemeindewesens in Prag. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig. Preußen: Vom Rhein, Frankfurt a/O., Breslau. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien. Raab. Rußland: St. Petersburg, Von der russischen Grenze, Kowno. Türkei: Smyrna. — Nachtrag: Bern, Wien. Leitende Artikel. Bonn, 12. April. Das Jüdisch deutsch vom culturhistorifchen Standpunkte. Hl. (Schluß.) Wie wir schon bemerkt, beginnt der Berf. S. 353 die Betrachtung der Formenlehre. Er befolgt dabei die richtige Methode, bei jedem Artikel die Eigenthümlichkeiten der hebräischen und der deutschen Sprache nebeneinander zu stellen, und dann die Modistcationen beider im Jüdischdeutschen nachzuweisen, wodurch wir zu einem sehr klaren, anschaulichen Bilde kommen. Indem wir nun hierüber auf das Werk des Vers. verweisen, wollen wir pur hier und da einige Bemerkungen hervorheben. Selbst die hebräischen Wnrzelwörter werden oft deutschdialecrisch abgelautet; so Hort man für meleeb bald milech, bald meilech, wie für König, Kiuig und Keinig. Eine nicht geringe Anzahl Wörter haben, obschon entschieden ans dem Hebräischen stammend, ein so durchaus deutsches Gepräge, daß man sie bei ihrem täglichen volksthümlichen Gebrauche für echt deutsche zu halten versucht ist, z. B. Klaffen von 222 Hund, Kniffe von nn:: Spitzbüberei, Dolmetscher von -nTirn u. s. w. Bei abstracten Begriffen, unbelebten und sachlichen Gegenständen hat sich das deutsche Neutrum geltend gemacht, z. B. das 2", das -122. Pronomen und Artikel werden im Jüdischdeutschen ganz nach deutscher Weise angewandt, doch auch der hebräische Artikel gebraucht, und geschieht dies zuweilen selbst bei Wörtern, die aus deutschen und hebräischen Wörtern zusammengesetzt sind und selbst bei Abbreviaturen ganz deutscher Wörter, z. B. Harat, der Reichsthaler. Die hebräischen Adjectiva werden im Jüdischdeutfchen häufig mit einer deutschen Endung versehen, deutsche Adjectiva zu hebräischen Substantiven gefetzt, z. B. ein Godler Jsch, eine jose Frau. Hebräische Adjectiva werden deutsch comparirt z. B. godelster, schofeler; andere werden durch groß comparirt, z. B. größerer Oni, größter Chochem. Die jüdifchdeutfche Sprache schafft noch eine große Menge neuer Zeitwörter aus der hebräischen Sprache, indem sie au Derba hebräischen Stammes deutsche Endungen anhängt und diese so gebildeten Verba deutsch conjugirt, oder indem sie auch