Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1863)
- Date
- 1863-03-31
- Page
- Seite 214 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Bestehende Anstalten dieser Art wird er als Mittel zu seinen Zwecken so lange benutzen, bis er kräftig genug ist, selbstständige zu errichten. —" Die Liste zeigt bereits 133 Mitglieder, die also schon eine feste Einnahme von 1330 Frcs. jährlich repräsentiren. — Eine weit eingreifende Wirkung brachte jüngst eine in der „Aargauer historischen Gesellschaft" von vr. Kahserling gehaltene Vorlesung „über die Leistungen der Juden in Wissenschaft uud Kunst" hervor. Ein Berichterstatter in den „Aargauer Nachrichten" Nr. 50 sagt unter Anderm: „Herr vr. Kahserling hat jedenfalls mit seinem, nach allen Seiten in den richtigen Gränzen gehaltenen Bortrage den Zuhörern, welche sich, beiläufig gesagt, sehr zahlreich eingefunden hatten, dadurch einen großen Dienst erwiesen, daß er sie, so weit in der kurzen Zeit möglich, mit einem Gebiet bekannt gemacht hat, von dem die meisten kaum eine Ahnung hatten." — Es ist immer von Bedeutung: „ein rechtes Wort zur rechten Zeit". Bern, 14. März. Der Großrath des CantonS Aargau hat gestern mit 79 gegen 61 Stimmen die politische Stimmfähigkeit der Israeliten im eidgenössischen und cantonalen Angelegenheiten verworfen. In dem Augenblicke, in welchem gerade von dieser Seite auf den Abschluß des Handelsvertrages mit Frankreich am meisten gedrängt wird, grenzt ein solcher Beschluß an Bornirtheit. Biel, 15. März. (Privathmitth.) Dem hier erscheinenden „Handels-Courier" zufolge, berieth in Lausanne eine Volksversammlung über den ftanzösischen Handelsvertrag. Die Petition, welche sie der Regierung übermittelte, enthielt unter anderm, daß betreff der Gleichstellung der Juden diejenigen Cantone, welche noch zuwiderlausende Gesetze rc. haben, angehatten werden sollen, diese als dem Zeitgeist und der Humanität widersprechend aufzuheben. Es giebt doch auch noch Cantone, in denen ein anderer Geist herrscht als in dem ultramontanen Theile des Aargau's. Auch in St. Gallen kommt dem heute zusammentretenden Großen Rath die Judenftage wieder vor, wenigstens befindet sich unter den vorliegenden Geschichten der Gesetzesvorschlag sammt Botschaft und Commissionalbericht, betreff, den Aufenthalt und die Niederlassung der Israeliten. Leider haben die Ultramontanen auch in diesem Cantone zu großen Einfluß, als daß ein günstiges Resultat für jetzt zu erwarten steht. Frankreich. Pari-, im März. (A. I.) Der Seine-Prüftet Hausmann hat dem Consistorium von Paris angezeigt, daß der Municipalrath von Paris die für den Unterricht der israelitischen Kinder bewilligte Summe von 3OO0 Frcs. zu jährlich 20,000 Frcs. erhöht habe. Paris, im März. Der Groß-Rabbiner Ulmann ist, wie der Moniteur anzeigt, zum Mitglied der Commission ernannt, welche die Verkeilung der im Staatsschatz gesammetten Gelder an die beschäftigungslosen Arbeiter anordnen soll. Diese Rücksicht war man wohl den Juden schuldig, die sich in so ausgezeichneter Weift an den Sammlungen behelligten. Türkei. Konstautinopel, im März. (A. I.) Der Tasfiri- Erkiar, eine türkische Zeitung von Konstantinopel, meldet vom 28. Januar, daß ein kaiserlicher Frade den Sieg der israelitischen Partei des Rückschrittes, so wie die Ausschließung der ehrenwerchesten Männer bestätigt, und den jüdischen Gemeinden untersagt, einen Ausländer zu ihrem Oberhaupt zu wählen, ein Verbot, welches geradezu ein Mllglied einer ehrbaren Famllie betrifft. Derselbe Frade chellt das Siegel des Chacham- Bachi in zwei Theile; der eine wird in seinen Händen bleiben, der andere in denen eines Vertreters der kleinen Rabbinen. Australien. Siduey, 20. December. (A. I.) Ein Israelit, M. Cohen, ist soeben zum Bürgermeister der Stadt Melbourne ernannt worden, der bevölkertesten Stadt Australiens. Drei Jsraeltten, die Herren Samuel, Alexander und Emmanuel find Mllglieder der gesetzgebenden Versammlung geworden. Herr Samuel war vorher Finanz- Minister. Jüngst fand ein Banquett statt zur Erinnerung an die Stiftung der israelitischen Schule. 200 Anwesende und der Bürgermeister von Sidneh, mehrere Aldermen, der Präsident der gesetzgebenden Versammlung und andere Oberhäupter des Departements waren zugegen.