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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-03-31 · Heft 14 (31.3.1863) · p. Seite 212

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 14 (31.3.1863)
Date
1863-03-31
Page
Seite 212 (sequence 8)
Language
German
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212 schlaffen nicht entgegen und dem Programm des Stadtraths noch immer entsprechend gewesen. Doch hat sich Herr Adler bescheiden zu sollen geglaubt, an einer anderen Stelle in bürgerlicher Kleidung dem Trauerzuge des verehrten Heimgegangenen sich anzuschließen. Preußen. Bonn, im März. (Privatmitth.) Es ist einer der Kunstgriffe der heutigen preußischen Reaction, den Antheil, den die Juden am Befreiungskriege 1813—1815 genommen, zu verkleinern, wo möglich zu leugnen. Wir können uns zwar trösten, denn sie möchte diesen Antheil auch allen Bürgern wegescamotiren, z. B. der Landwehr, und glauben machen, daß die Junker von A. und Z. eigentlich die Franzosen geschlagen und den Napoleon gestürzt hätten. Doch auch für die Juden giebt es Augenzeugen, die etwas mehr bedeuten, als die feudalen Zeugen nebst B. Bauer, H. Knipp und Consorten. So theilt die „K. Z." Aufzeichnungen eines Rittmeisters über das Gefecht bei Hagelsberg in Nr. 74 —76 mit. Bei der allgemeinen Schilderung, welche der Veteran voranschickt, heißt es wörtlich: „Alle Stände, mit sehr geringen Ausnahmen, waren damals sich in ihrer patriotischen Opferfähigkeit gleich, und der reiche Graf wie der arme Schacherjude, der gelehrte Proseffor wie der rohe Bauernknecht, sie alle strebten danach, mit ihren besten Kräften dem Vaterlande zu dienen." — Die öffentlichen Blätter cheilen folgendes Curiosum mit: In der von dem Berliner Proseffor Hengstenberg herausgegebenen „Evangelischen Kirchenzeitung" Nr. 5 von diesem Jahre heißt es: „Es lassen sich Umstände denken, in denen es nicht bloß Recht, in denen es Pflicht sein würde, diesen oder jenen Artikel der Verfassung einseitig zu ändern, obgleich der Eid auf sie eben so heilig ist als alle andern Eide." — Freilich ist dies mehr als ein Curiosum, es wird hier die Eidesverletzung offenkundig gepredigt, und da die Hengstenberg'sche evangelische Kirchenzeitung zunächst eine Verletzung des Art. 4 und 12 der Verfassung im Sinne haben möchte, so müffen auch wir eine solche Aeußerung ad acta nehmen. Thor«, im Februar. (Privatmitth.) Zu den Lebensbedingungen eines gesunden Gemeindewesens gehören — wie dies in einem der letzten Leitartikel des vorig. Jahrganges dieser gesch. Zeitung dargechan worden ist — Wohlthatigkeitsanstalten. Die hiesige, im Gründe noch sehr junge Gemeinde — das Jahr 1847 öffnete den Juden erst die Thore Thorns — weist bereits mehrere derarttge wirkensreiche Vereine auf. Da ist ein Kranken-Verpflegungs-Verein, der fast die ganze Gemeinde zu seinen Mitgliedern zählt, und der auf dem Principe der Gegenseittgkeit gegründet ist; seine Wirksamkeit erstreckt sich nicht bloS auf hiesige, sondern auch auf durchreisende Kranke. Neben demselben wirkt in sehr ersprießlicher Weise ein „Wohlthätigkeits-Berein", der den doppelten Zweck verfolgt, einmal an hiesige Gemeindemitglieder zinsfreie Darlehne zu gewähren, deren Rückzahlung durch successive Abschlagszahlungen von 1 Sgr. wöchentlich dem Entlehner sehr erleichtert wird; ferner werden Hülfsbedürftigen Geschenke bewilligt. Am 7. Adar, dem traditionellen Geburts- und Todestage unseres, oder richttger, des größten Lehrers Mose, traten die Mitglieder dieser Vereine, nach einem in der Synagoge besonders veranstalteten Gottesdienste, zu einem geselligen Festabend zusammen, dessen heiterer Verlauf nur dadurch getrübt wurde, daß unser Herr Rabbiner durch Unwohlsein verhindert war, an dem schönen Feste Theil zu nehmen. Daß er im Geiste demselben beiwohnte, bewies ein längeres, während der Tafel von demselben eingegangenes Schreiben, worin dem Gedenken des Festes Ausdruck gegeben war, und in welchem unter Anderm der Satz, der eine wettere Verbreitung verdient, hervorleuchtete: „Der Süfter unserer Religion ist nicht für die Menschhett gestorben, sondern hat für sie gelebt!" Zur Hebung des wissenschaftlichen Sinnes in unserer Gemeinde und zur Stärkung des Gefühls der Zusammengehörigkeit und Thellnahme an den Ereignissen in anderen Gemeinden, hat unser Herr Rabbiner auch einen jüdischen Journal-Lesezirkel eingeführt, in welchem die verschiedensten jüdischen Wochen- und Monatsschriften gehatten werden. Ein solcher Lesezirkel ist vielen Gemeinden zur Nachahmung zu empfehlen, er ist kein geringes Mtttel gegen den Jndifferenttsmus; nur thM es noch, die Mttglieder auf die verschiedene Richtung und Tendenz der Blätter bei Zetten aufmerssam zu machen.*) *) Dies scheint uns, wenn einmal auch die schlechten Erzeugnisse unserer Journalistik in einen solchen Zirkel ausgenommen werden, von großer Wichtigkeit, denn sonst kann dadurch mehr Gift Äs Honig verbreitet werden« Die Redaction.

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