Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1863)
- Date
- 1863-03-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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87. Jahrg-Mg. Allgemeine «*** 14. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsion in Bonn. Leipzig, den 31. März 1863. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstags, in ll/z bis 2 Bogen. Preis de» Jahrgang« 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 13 Rgr. DieNeljährig 22','2 Rgr. Inserate werden mit 1 */, Rgr. für di« Petttzeile oder deren Raum dcre-dnek. Beilagegebühren betrage» für 1 Bogen 4 Tblr.. für l/z Bogen 3 Thlr.. für V« Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung»«Sroeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexvedition für beide Letztere hat sich da« Löuigl. Sachs. Haupt. Zeitung» > Bureau hier unterzogen. Z u h a l t. Leitende Artikel: Zum 17. März. — Ob Kreis-, ob Localrabbiner. — Die Thätigkeit des israelitischen Central - ConfistoriumS von Frankreich. — Aus Rußland. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Itzehoe, Mainz, Kassel. Preußen: Bonn. Thorn, Graudenz, Insterburg. Oesterreichischer Kaiserstaat: Jnsbruck, Wien. Schweiz: Zürich, Bern, Biel. Frankreich: Paris. Türkei: Konstantinopel. Australien: Sidney. Kaukasien: Temir-Chan-Schura. Aegypten: Kairo. Marokko: Tetuan. — Nachtrag: Amsterdam, Aus Polen, Endingen. Leitende Artikel. Zum 17. Mär;. Deutschland und insonders Preußen feiern in diesem Jahre ihre fünfzigjährigen Jubelfeste. Und mit Recht. Nicht blos die Thatsache an sich, die Befreiung von der Fremdherrschaft, die wiedererlangte Selbstständigkeit, die ungehemmte Entwickelung des eigenen Lebens, sondern mehr noch die Art und Weise, durch welche diese errungen wurde, macht den Kernpunkt dieser Feier aus, und ist werth, von drei Generationen zugleich mit denselben Gefühlen erhebender Freude begrüßt zu werden. Denn nicht durch das Schwert der Herrscher, durch die Waffen der stehenden Heere wurde der Sieg erfochten, sondern durch die Erhebung des Volkes, durch die Begeisterung, welche alle Glieder desselben für Freiheit und Vaterland beseelte, durch die mächtige Flamme des Enthusiasmus, die durch alle Herzen zuckte, auf einige Zeit alle Selbstsucht der Stände, allen Egoismus der Individuen verzehrt hatte und in einer leuchtenden und wärmenden Feuerfäule für alle Nationen zum Himmel stieg. Daß die deutsche Nation hierzu noch befähigt war, muß für uns noch heute das Hauptmotiv freudiger Erregung sein; daß dieses durch eine tausendjährige Geschichte der Zersplitterung und Zersetzung aufgelöste, aller Volksrechte, bis auf die frühere ständische Verfassung beraubte, zuletzt von einem übermüthigen Sieger hin und her geworfene und niedergehaltene Volk dennoch eine so außerordentlicbe Lebenskraft besaß, sich wie plötzlich aufzurichten, binnen weniger Monde das schwere Joch zu zerbrechen und hiermit, wie es doch jetzt nun zu Tage liegt, eine neue Bahn des nationalen Lebens zu betreten, — das ist es, was den Vaterlandsfreund, der über den Augenblick hinauszuschauen vermag, wahrhaft beglückt und ihn die fünfzigjährigen Erinnerungstage, ob öffentlich, ob still für sich, feiern läßt. Freilich ist es ihm dann unmöglich, den Blick von der Vergangenheit seit jener Zeit und von der Gegenwart abzuwenden, und es mischen sich dann sehr verschiedenartige Gefühle in die Jubelfeier ein. Wir brauchen die Schwüle nicht zu schildern, welche gegenwärtig auf dem gesammten Vaterlande liegt, auf die vielfachen entgegengesetzten Richtungen und Einflüsse hinznweisen, welche sich in ihm bekämpfen und zu immer stärkerer Parteiwuth sich steigern, auf die Gefahren zu deuten.