Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 11 (10.3.1863)
- Date
- 1863-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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87. Jahrgmg. Allgemeine 11 Zeitung des Zudeuthums. Ei» unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 10. März 1863. Diese Zeitung erscheint wöcheMlich einmal. Dienstag«, in 1*/* bi« 2 Bogen. Preis de« Jahrgang« 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. IS Rgr. Vierteljährig 22'/» Rgr. Inserate werden mit 1'/, Rgr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr.. für '/» Bogen 3 Thlr.. für '/« Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung« - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpedition für beide Letzter« hat sich da« Nöaigl. Sächs. Haupt-Zeitung» - Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das östliche Europa. — Themata zu wichtigen historischen Monographien. — Jean Paul und Emanuel. I. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt a. M. Preußen: Berlin. Anklam, Cöln. Königsberg. Oesterreichischer Kaiserstaat: Pesth. Preßburg, Aus dem Tokayergebirge, Aus Ungarn. Frankreich: Paris. Rußland: AuS Rußland. — Nachtrag: Berlin, Frankfurt a M., Rom. Korfu. Leitende Artikel. Bonn, 1. März. Das östliche Europa. Der polnische Aufstand, wie lange seine krampfhaften Zuckungen auch noch dauern oder periodisch sich wiederholen werden, zieht die Blicke jedes Denkenden und für den Entwickelungsgang der Menschheit Fühlenden wieder auf den Osten Europa's hin. Wir sehen hier eine Anzahl Nationen, welche hinter der Cultur des westlichen und mittleren Europa's zurückgeblieben*) und ihrer nationalen Selbstständigkeit verlustig gegangen. Dieser Verlust hat aber das nationale *) Es versteht sich, daß wir hier überall von der großen Masse des Volkes sprechen, unbeschadet des hohen Culturstaudes einzelner Schichten und Individuen. Selbstgefühl und Bewußtsein nicht unterdrückt, und mit dem Geiste politischer Freiheit, der durch die moderne Welt hauchte, erwachte deshalb in ihnen das unwiderstehliche Verlangen, dieser Nationalität durch einen selbstständigen Staat einen ungehinderten Raum, ein ungestörtes Leben wieder zu gewinnen. Daher Opposition, ja Feindseligkeit gegen die ihnen geschichtlich gewordenen Regierungen, gelegentliche Verschwörungen und Aufstände, welche zeitweilig den Charakter eines Kampfes auf Leben und Tod annehmen, und die tiefsten Erschütterungen und Störungen im Entwickelungsgange deS politischen, sittlichen und Culturlebens Hervorbringen. Von diesem Motiv der Nationalität heraus schwindet diesen Nationen aber auch der eigentliche Begriff der Freiheit vor dem alleinigen Princip ihrer Nationalität. Alles, was zu dieser nicht gehört, sich ihr unterwirft und in sie aufgeht, erachten und behandeln sie als feindlich, bis diese Herrschaft der Nationalität dicht an den Despotismus streift. Mitten in diese eben gezeichneten Nationen hat die Vorsehung eine ungeheure Masse unserer Glaubensgenossen, eine Masse von drei Millionen, vielleicht die Hälfte des ganzen jüdischen Stammes, versetzt, und so zu einer sehr verworrenen und überaus schwierigen Stellung bestimmt. Polen mit Litthauen, Volhynien, Galizien, daun Ungarn, die südslawischen Stamme, sowie die Czechen, dann die Rumänen bieten in dieser Beziehung dasselbe Bild. Allen Juven dieser Länder liegt eine dreifache Aufgabe vor. Zurückgeblieben, wie die christlichen