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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-03-03 · Heft 10 (3.3.1863) · p. Seite 142

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 10 (3.3.1863)
Date
1863-03-03
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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142 auch hier haben wir dasselbe Verhältniß, wie in Nordamerika, wo zahlreiche Juden aus Seilen der Unionisien, wie der der Conföderirten kämpfen, einige sehr hervorragende Stellungen eiunehmen, wie z. B. Benjamin jetzt Kriegsmiuister der Südstaaten ist. Wie dies in der Natur der Sache liegt, so ist es auch eine willkommene Erscheinung, da hierdurch das Phantom einer politischen Solidarität der Juden immer mehr schwinden, und diese Solidarität auf das Gebiet beschränkt werden wird, auf welches sie gehört, auf das religiöse. Blicken wir in die Vergangenheit, so bietet ein etwaiger Sieg der Aufständischen den Juden nicht die kleinste Bürgschaft mehr, daß sie zu einer bürgerrechtlichen Stellung und billigen Behandlung kommen werden, als der Sieg der russischen Waffen. Die Polen haben 1831 auch nach ihren Siegen nicht die geringste Lust verspürt, den Juden gerecht zu werden; sie hoben sich dieses für den letzten Augenblick auf, wo ihre Sache schon im Verscheiden lag, was einem Theatercoup ziemlich ähnlich sah. Sobald sie zur Herrschaft gekommen waren, benutzten sie dieselbe nicht selten zur Befriedigung ihrer Privatrache und ihres Privatnutzens, den Inden gegenüber. Diesmal fteilich singen sie mit der Erklärung der Gleichberechtigung an, uud wir wollen nicht einmal an ihrer Ehrlichkeit für jetzt zweifeln; sind doch auch die Juden in den verflossenen 30 Jahren vielfach anders geworden. Aber die russische Regierung hat seit der Thronbesteigung des großsinnigen Kaisers Alexander H. den Polen auch hierin das Prävenire gespielt; sie hat von den drückenden Ausnahmegesetzen eines nach dem anderen aufgehoben, und endlich die bürgerliche Gleichstellung ausgesprochen. Wenn diese Maßnahmen noch nicht von altem Datum sind, so vergessen wir nicht, daß es gerade polnische Beamte waren, welche von jeher den Absichten der russischen Regierung mit der Besserung der Lage der polnischen Juden offen und auf dem Wege der Jntrigue, durch falsche Anklagen und Verdrehung der Thatsachen bis auf dem Boden der Statistik entgegentraten und sie verhinderten; daß die polnischen Juden selten über die Härte der russischen Beamten, immer aber über die von den polnischen Beamten gegen sie geübte grausame Uuwußte sich in das Vertrauen des Nationalcomitüs so weit einzuschleichen, daß ihm ein Anführerposten gegeben wurde. Er verabredete nun angeblich das Nöthige mit dem General Chrußczew, Militärchef des Lubliner Rayons, und lieferte sich und seinen Kriegsgefährten Frankowski in die Hände der Truppen. terdrückung klagten. Jeder Blick in die Vergangenheit ist daher für die Juden Polens ein düsterer, und in die Zukunft ein noch sehr trüber und zweifelhafter. So liegen die Dinge in der Wirklichkeit und machen uns, die wir draußen stehen, eben nur das Abwarten mit all' seiner Spannung möglich. Wir können nur wünschen, daß die russische Regierung durch den Aufstand, soweit sie ihn überwältigt, und um ihn zu bewältigen, und für die Zukunft uiederzuhalten, in ihrem Gange weiser Reformen nicht sich beirren lasse, und daß andererseits die Aufständischen wo und wie lange sie einen Erfolg haben, diese» nicht durch Thaten der Ungerechtigkeit und Unmeuschlichkeit beflecken.*) Polen und Juden. Ost-Galizien, den 9. Februar. Motto: ,,AlS ich die Wartburg vorbei!am. wo' Luther dem Teufel das Dintenfaß an den ftovf geworfen (noch zeigt man den Flecken an der Wand), fiel mir ei» : wie schön finnbildlich das sei. Ja, das Dintenfaß muß man dem Teufel an den Kopf werfen, ihn zu verjagen muß man schreiben und wieder schreiben gegen ihn. Darnw haßt der Teufel die Dinte." Börne. Gerade am 9. Februar vor 35 Jahren (1828) war es, als der geniale Schüler Jean Paul's diese geistreiche, ewig wahre Bemerkung uiederschrieb, und da der Teufel des Religions- und Nationalitätenhasses leider auch in unserem Lande wieder sein böses Spiel zu treiben beginnt, bleibt uns nichts Anderes zu thuu übrig, als das lange Stillschweigen zu brechen, und — nach dem Dintenfasse zu greifen. Als vor zwei Jahren um diese Zeit, in unserem Kronlande, als erstes constitutionelles Lebenszeichen, die bevorstehenden Landtagswahleu vorbereitet wurden, und es sich um die Gewinnung von Stimmenmehrheiten für die Vertretung beim Landtage — und vermittelst desselben *) Briefe aus Polen und Litthauen, die uns zugekommen, machen uns diese Aussprache zur Pflicht. Die Juden, namentlich der letzter» Provinz, sind voller Besorgniffe, und wünschen, daß man die Leiter der polnischen Emigration hierauf aufmerksam mache, damit sie ihren Einfluß hierzu anwenden. Mögen diese Worte die Redaktionen der jüdischen Presse in Paris und London, so wie einflußreiche Persönlichkeiten hierauf aufmerksam machen; sie können sich hierbei auf uns berufen. Die Redaction d. A. Z. d. Jud.

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