Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 5 (27.1.1863)
- Date
- 1863-01-27
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226364-3226370--20968-3300831- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Beilage zu No. 5 der Allgem. Ztg. d. Zudenth. Bielefeld, im Januar 1863. Fräulein Fanny Nathan hat sich veranlaßt gefunden, eine Erwiederung auf meinen in No. 46 d. Zeit. d. Jud. erstatteten Bericht über das Waisenhaus für Westphalen und Rheinland zu veröffentlichen. Wenn Fräulein Nathan bis jetzt die Oeffentlichkeit nur benutzte, um unsere Glaubcnsgenoffen zu weiteren Opfern zu veranlassen und über die Verwendung der milden Gaben zu berichten, so sehe ich nicht recht ein, weshalb sie mit einer Erwiederung gegen meinen harmlosen Bericht, der ibr doch wahrlich des Lobes genug spendet, vor das Publicum tritt. — Daß es höchst widerwärtig ist, wenn Mißhelligkcitcn innerhalb der Verwaltung eines wohlthärigen Instituts in den Zeitungen besprochen werden, will ich mit dem Herrn Redacteur dieser Zeitung gern anerkennen, indes trifft der Vorwurf nicht den Veröffentlicher, sondern die, welche die Mißhelligkcitcn hervorgerufen haben. Auch ich bin keineswegs Willens, einen Federkrieg zu führen, sehe mich aber gezwungen, dem gesunden Sinne des Publicums, auf welchen Fräulein Nathan sich beruft, eine actenmäßige Darlegung der Verhältnisse, gegenüber ihren Anschuldigungen, zu bieten, wobei ich dem Leser verspreche, in den mich persönlich betreffenden Punkten so kurz wie möglich zu sein. Fräulein Nathan hebt hervor, daß ich erst seit einigen Monaten dem Curatorium angchörc. Nun, der Leser wird sich überzeugen, daß diese Zeit vollkommen hinreichte, mir einen klaren Einblick in die Verhältnisse der Anstalt zu verschaffen. — Ich soll von der der Gründerin feindlich (?) gesinnten Mitgliedern des Curatoriums gewählt und auf deren Anschauungsweise cingegangen sein. Indem ich diese Behauptung auf sich beruhen lasse, betheure ich hiermit feierlichst, daß kein Mitglied des Curatoriums auch nur durch ein Wort den Versuch gemacht hat, mich gegen Fräulein Nathan einzunehmen, daß ich vielmehr Alle von dem ernsten Wunsche beseelt gefunden habe, den bedauerlichen Conflict friedlich beigelegt zu sehen. — Dagegen nehme ich allerdings das Verdienst in Anspruch, seit meinem Eintritte in das Curatorium auf die genaueste Handhabung der Statuten gedrungen zu sein, selbst wenn Fräulein Nathan, wie es heißt, behauptet hat, diese seien für sic nicht bindend, da sie dieselben nicht unterschrieben habe und der König Friedrich Wilhelm IV., der sie genehmigt, inzwischen ge^ storben sei! — Fräulein Nathan behauptet, ich hätte es nicht „der Mühe werth gehalten, mit ihr persönlich zu verkehren." Da aber Fräulein Nathan die Anerkennung des Curatoriums und jeden Verkehr mit demselben ablehnt, keiner seiner Sitzungen beiwohnen, keinen seiner Beschlüsse anerkennen, keinen seiner Briefe annchmen will, sogar die Schlüssel zum Hanse, die das Curatorium Behufs einer Besichtigung in pleno erbat, nicht hcrzcben wollte: so frage ich das Publicum, ob mir, einem Mitgliede des Curatoriums, wenn ich mir Zutritt zu der eigensinnigen Dame verschaffen wollte, etwas anders übrig blieb, als der Weg der brieflichen Mittheilung. Diesen betrat ich also und schrieb Anfangs November a. p. an Fräulein Nathan folgenden Brief: