Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 4 (20.1.1863)
- Date
- 1863-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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27 Jahrgang. $(llgC11tCittC Zeitung des IudcnthumS. Ein unparteiisches Organ firr alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippion in Bonn. Leipzig, den 20. Januar 1863. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1 Vs bis 2 Bogen. Preis de» Jahrgang» 3 Tblr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Rgr. vierteljährig 22'/, Rgr. Inserate werden mit 1'/, Rgr. für di« Pctitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebübren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für '/, Bogen 3 Thlr., für */« Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung«. Lrveditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpedition für beide Letztere hat sich da» Nönigl. Sächs. Hauvt - Zeitung» > Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das Judcnthum des l9. Jahrhunderts und das Chriüenthum. — Tägliches Gebet eines .Arztes vor dem Besuche seiner Kranken. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg. Preußen: Gollub, Bonn, Glcgau, Posen, aus dem Regierungsbezirk Trier. Würtemberg: Göppingen. OesterreichischerKaiserstaat: AusSaaz,Krakau. Holland: Amsterdam, Rotterdam. Schweiz: Aarau, aus dem Aargau, Bern. Italien: aus Oberitalien. Rußland: Petersburg. Frankreich: Paris. Afrika: Capstadt. Korrespondenz: Aus Westfalen, die Petition und Denkschrift der jüdischen Lehrer in Preußen betreffend. «Schluß.» Leitende Artikel. Bonn, 11. Januar. Das Iudenthum des 19. Jahrhunderts und das Ehristenthum. Es wäre der Wahrheit nicht gemäß, wenn man behaupten wollte, daß die Synagoge, den beständigen Angriffen, Verketzerungen, Schwächungen und Verfolgungen von christlicher Seite gegenüber, stets geschwiegen habe; vielmehr bildet die Polemik und Apologetik des Judenthums einen nicht ganz unbeträchtlichen Literaturzweig, wenn sie auch den Umständen nach nur von Zeit zu Zeit auftrat, und nach den gegebenen Verhältnissen sich nur selten aus den Grenzen der Mäßigkeit entfernte. Mau kann hieraus den Juden kein Verdienst machen, denn eS war meist zu gefährlich, irgend ein starkes Wort gegen die herrschenden Kirchen auszusprechen, ja die desfallsige Gefahr beschränkte sich nicht blos auf den Urheber, sondern schlug zu leicht in eine Verfolgung der Juden überhaupt auS, als daß man es gewagt, und dieses Wagniß gebilligt hätte. Jndeß kann es dem Boruriheilslosen nicht entgehen, daß es allerdings den Juden näher liegt, abgesehen von ihrer Stellung, gegen das Christenthum Nachsicht zu üben, als umgekehrt. Es ist dies psychologisch. Das Iudenthum ist durch sich selbst und seinen Bestand darum eine Negation des Christenthums, weil letzteres aus dem Judeuthume entstanden, und seine Existenz schon durch die bloße Existenz des Judenthums für objectiv überflüssig und nur aus historischen Gründe«, um geschichtlicher Wirkungen willen für nothwendig erklärt wird, während es dem Christenthum eine LebenSbedingung ist, dem noch immer dauernden Bestand des Judenthums die Nothwendigkeit abzusprecheu, uud eS zum Tode zu verdammen. Dies erweist sich auch aus der Art, wie die Polemik immer geführt wurde. Die jüdische» Kämpfer juckten nur die Widersprüche der christlichen Lehren mit dem Judenthume und mit sich selbst nachzuweisen, und daraus die Unrichtigkeit. Bei jeder Abweichung jener vom Judenthume herzuleiten, wahrend von christlicher Seite den Juden stets nur Hartnäckigkeit und fluchwürdiger Eigensinn und dem Judenthume die Abgestorbeuheit uud Verwesung, in milderem Sinne die Nicht-