Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1863)
- Date
- 1863-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226364-3226367--20903-3300763- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
27. Jahrgang. Allgemeine «*** 2 Zeitung -es IudcnthumS. Ein unparteiisches Organ firr alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 6. Januar 1863. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1>/r bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Tblr. Haldjäbrig 1 Thlr. IS Rgr. Vierteljährig 22s'r Ngr. Inserate werden mit 1s, Rgr. für die Petirzcile oder deren Raum berechnet. Beilagegebübren betragen für 1 Bogen 4 Tblr., für Vs Bogen 3 Thlr., für */* Bogen 2 Tblr. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeiknngS»Erpeditionen nehmen Beftellnugen an; der Hanpkexyeditioa für beide Letztere hat sich da« König!. Sachs. Haupt - Zeitungs - Burcan hier »«erzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Ueber die Stellung der Rabbinen unserer Zeit. I. — Der jüdisch-deutsche Diulect vorn culturhistorischen Standpunkte. (Schluß.» — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bremen, Deffau, Erlangen, Gera, aus der bayerschen Pfalz. Preußen: Berlin. Schwerfen;. Nakel. Frankreich: Paris. Nordamerika: Baltimore. Leitende Artikel. Bonn, 1. Januar. Arber die Stellung der Labbinen unserer Zeit. I. Unter dem allgemeinen Wandel der Dinge ist auch das Rabbinerthum nach Aufgabe, Beschaffenheit und Stellung ein ganz anderes geworden, als es bis noch vor wenigen Jahrzehenden gewesen. Ja, da in den östlichen Gegenden noch viele Rabbinatssttze von Männern der alten Qualität eingenommen werden, so bestehen die sehr verschiedenartigen Species noch neben einander. Daß die Rabbiner auch im westlichen Europa spater als die große Masse selbst zu ihrer neuen Gestaltung gelangten, lag in der Natur der Sache. Denn vorzugsweise berujen, die Religion und Theologie in ihrer bisherigen Gestalt zn conservireu, mußte es am längsten währen, bevor auch dieser Stand von dem Geiste und Wesen der Neuzeit ergriffen und umgestaltet wurde. Wesen und Verhältnisse laufen immer adäquat, so daß sie zuletzt immer wieder einander entsprechen. Die Verhältnisse wirken modisicirend auf das Wesen, und dieses übt seinen Einfluß auf die Verhältniffe und fordert deren Veränderung. Es wird daher von Nutzen sein, sich über das gegenwärtige Rabbinerthum in allen seinen Beziehungen klar zu machen, und versuchen wir dies hier, ohne jedoch dabei systematisch zu Werke zu gehen, indem es uns vielmehr darauf ankommt, einzelne Momente von praknschem Nutzen hervorzuheben. Das neue Rabbinerthum unterscheidet sich vom alten dadurch, daß es eine wissenschaftliche Bearbeitung und Auffassung der jüdischen Theologie zum Inhalte hat, während dieses nur die mechanische Ueberlieferung des ungeheuren, von den Jahrtausenden überkommenen theologischen Materials, wie es einmal vorhanden und immerfort vermehrt worden, vollbrachte. Die wesentlichen Momente dieser wissenschaftlichen Theologie bestehen einentheils in der geschichtlichen, anderntheils in der systematischen und drittens in der kritischen Bearbeitung dieses kolossalen Stoffes. Es versteht sich, daß factisch diese drei Momente einander in die Hände, daß sie immerfort zugleich arbeiten. Wie aber der Inhalt, so ist auch die Aufgabe eine andere geworden. Während die alten Rabbiner, nachdem sie das Richteramt verloren, ihr Lebe» theils mit der Fortsetzung ihrer Studien, was den Ge-