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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-12-24 · Heft 52 (24.12.1855) · p. Seite 666

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 52 (24.12.1855)
Date
1855-12-24
Page
Seite 666 (sequence 10)
Language
German
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ist hieran auch die schlechte Stellung der Lehrer schuld. — Wenn eS nicht anders wird, d. h. wenn unsere Gemeinden nicht darauf bedacht sind, für eine geeignete „Anstalt zur Heranbildung jüdischer Lehrer" einerseits, so wie für die „bessere Besoldung der bereits ange-strlkten Lehrer" andererseits zu sorgen , — so wissen wir wahrlich nicht, wie es in zehn bis fünfzehn Jahren noch möglich sein bürste, jüdische EchulamtSstellen mit jüdischen Lehrern zu besetzen. — An die Eristenz einer Partei, welcher die jüdischen Schulen ein Dorn im Auge und die daher deren gänzliche Auflösung gern sehen würden, haben wir — trotzdem dies von gewisser Seite her erst neulich wieder behauptet wurde, — noch niemals im Entferntesten geglaubt, obwohl wir gern zugeben, daß auch bei uns da und dort noch so Mancher anzutreffen, der stolz darauf ist, sagen zu können, daß sein Sohn oder seine Tochter noch nie im Leben eine jüdische Schule besucht hätte, Narren giebt eS ja überall auf Erden! — In Wreschen wurde am 24. v. M. de« vor zwei Jahren daselbst verstorbenen Lehrer Krone, — der die dortige jüdische Schule gegründet und 18 Jahre lang an ihr gewirkt hatte, — von seinen ehemaligen Schülern und Schülerinnen ein Grabdenkmal gesetzt und bei diesem frommen Acte, — welchem, neben der sämmtlichen Schuljugend, auch ein großer Theil der Gemeindemitglieder beiwohnte, — von dem jetzigen ersten Lehrer der Schule, Herrn S. Kuttner, eine ergreifende Rede gehalten, in welcher er die Versammelten aufforderte, dem Verewigten ein „Denkmal im Herzen" dadurch zu setzen, daß sie den unversorgten Kindern, die er hinterlassen, Stab und Stütze werden möchten. — Hoffentlich wird Herr Kuttner nicht rauben Ohren gepredigt haben. Bei Gelegenheit der am 13. d. M. stattgehabten dritten Säcular-Feier deS Gymnasiums zu Liffa har der dastge israelitische Krmfmmm und Bankier Levy ein Stipendium von 500 Thlrn. gegründet, mit dessen Zinsen alljährlich an dem genannten Tage ein vom Direktor dazu empfohlener Schüler der Anstalt (ohne Unterschied deS GlaubenS) soll unterstützt werden. In der jüdischen Gemeinde zu Wiltkowo hat am 16. v. M. eine „Verloosung weiblicder Handarbeiten und anderer werlhvoller Gegenstände" stattgesunden, welche der Vorstand des — seit drei Jahren daselbst bestehenden — „Vereins zur Bekleidung armer Schulkinder" zu dem Zwecke veranstaltete, um den Act der Wohlthätigkeit (Bekleidung armer Kinder), den er bis dahin bereits sechs Mal geübt hatte, jetzt in einem größern Maßgabe, als dies früher geschah, ausführen zu können. Mit Hülfe dieses Unternehmens, — an welchem, außer den Angehörigen der hiesigen Gemeinde, auch viele Auswärtige theils durch Lieferung von Berloosungsgegenständen*), theils durch Ankauf oder Verbreitung von Loosen sich eifrig betheiligt hatten, — find nunmehr: 1) 25 arme Kinder (17 Knaben und 8 Mädchen) vollständig bekleidet, 2) 10 andere Kinder mit ihnen nöthigen einzelnen Kleidungsstücken (z. B. Schuhen, Stieseln, Beinkleidern u. s. w.) beschenkt und endlich nachträglich noch 3) an jedes der bekleideten Kinder zwei neue Hemden verabreicht worden. — Genannter Verein will durch die Wohlthat, die er übt, neben der Linderung der körperlichen Roth auch regelmäßigen Besuch der Schule und deS Gottesdienstes Seitens der armen Kinder befördern. Oesterreichischer Kaiserstaat. Taruow, 30. November. (Privatmitch.) Der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde hat „in Folge Erlasses der hohen Landesregierung" einen ConcurS ausgeschrieben zur Besetzung einer ReligionSlehrerstelle für die Schüler des Ober-Gymnasiums und der Realschule. — Indessen ist die Sache von großer Wichtigkeit und bei den hiesigen Verhältnissen — als erster Schritt, von hoher Bedeutung. — Es ist kaum glaublich, mir welcher Nonchalance die Religionsangelegenheir bei der hiesigen studirenden Jugend bisher gehandhabt wurde. Der oben erwähnte Erlaß der hohen Landesregierung spricht sich folgendermaßen darüber aus. „Die religiöse Erziehung der israelitischen Schüler deS Tarnower Gymnasiums befindet sich in einem durchaus unbefriedigenden Zustande, indem der Erfolg deS Unterrichtes weder rn theoretischer Beziehung den Anforderungen entspricht, welche man an Gymnasial-Schüler stellen muß, noch in praktischer Hinsicht jene Frucht zeigt, die als daS nothwendige Resultat eines mit Geist und Gemüth *) Auch der geehrte Herr Redacteur d. Bl. hat die Güte gehabt, eine der von ihm verfaßten Schriften einzufende«. Correfp.

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