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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-12-24 · Heft 52 (24.12.1855) · p. Seite 658

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 52 (24.12.1855)
Date
1855-12-24
Page
Seite 658 (sequence 2)
Language
German
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Vor meinem Blick erfieh'n der Vorzeit Kunden: Vom Tabor tönt der Sch'rin Ruf. „erwache!" Die Mackabaerfraü in TodeSwunden Verkündet dem Tyrannen GorteS Rache. Den Giftpfeil der. Verleumdung aufgefangen Hast Du im blanke» Goldichild Deiner Rede; O schöner Zorn im Jugendroth der Wangen, O heU'ger Eifer in der GotteSfehde! Sv zähl' ich Dich beglückt zu jenen Frauen, Die unsres StammeK große Zukunft bauen. Wien. H. Zirndorf. Leitende Artikel. Kam Schluffe des Jahrgangs. Daß die Zeit für Judenthum und Juden eine ernste, schwierige ist — wer steht es nicht? Aeußerlich wie innerlich, nur in Wenigem Festigkeit, überall mehr guter Wille als That. Durch ganz Europa geht ein mächtiges Streben, die Kirche zu erstarken. Die Natur dieses StrebenS bringt es mit fich, daß politisch und intellektuell die Confession obherrschen, und die anderen beschränken, ausschließen will. Dem gegenüber ist daS Streben in der civilifirten Gesellschaft zu nivelliren und auszugleichen, alle Besonderheiten zu entfernen und aus der Menschheit ein großes Conglomerat gleichartiger Atome zu machen, wobei am Ende doch nur die Majorität die Minorität verschlingen, die große Brandung der Gesellschaft alle Steine der Küste zermahlen und glatt waschen will — dieses Streben ist nicht erloschen, sondern geht, selbst unbewußt, seinen Siegergang, und treibt die Menschen, selbst wider ihren Willen , vorwärts. Unter diesem doppelten Andrang stehen Judenthum und Juden in großem Mühsal da. Oberflächliche Menschen wehklagen über „Jndifferentismus, Gleichgültigkeit, ReligionSlostgkeit." Aber wer Augen hat, kann sehen, wie zahllose Juden ringen und ringen, fich ihr Judenthum zu erhalten, jenem zwiefachen Andrang gegenüber. Bald ist eS die Anhänglichkeit am väterlichen Gesetz, bald die Ueberzeugung von der Wahrhaftigkeit unsrer Lehre, bald die sociale Verzweigung mit der jüdischen Familie und Gesellschaft, welche ihre Vertheidigung anfiachelr, welch« ihnen Kraft und Muth zum Kampfe verleiht — hier ringt ein Vater um die Existenz seines Sohnes, dem die Karriere um seines JudenrhumS willen verschlossen worden; dort eine Mutter um daS Heil ihrer Tochter, welche ihr He^ einem Nichtjuden geschenkt hat; da ein Mann, dem die Gesellschaft den gebührenden Platz einraumen will, wenn er fich der Wahrheit erst ganz anzeschloffen; dott Einer, weil sein Geschäft durch Sabbath- und Fcstgesetz zu Grunde zu gehen droht; und wer zeichnet noch alle diese complicirten Verhältnisse und Lagen.... Wer hat das Herz nicht, diese Wehen und Mühsale mirzuempsinden? .. . eS ist leicht, die Achsel zu zucken, oder gar zir verdammen; es ist leicht, die Frömmigkeit der Väter mit Lob und Ruhm zu überschütten, da fie doch in ihrer Lage so unschuldig waren an ihrer Frömmigkeit, und unsre Zeitgenossen mit Tadel zu überschütten -aber gerechter ist eS, die Verlockungen, die Hindernisse, die Opfer und Schmerzen zu erwägen, und die Kraft und den Heldeumuth zu bewundern, welche immer noch in Israel sich betätigen. Es war von jeher unser Stteben, diesen Kampf, der mit mehr oder weniger klarem Bewußtsein geführt wird, inS Licht zu stellen, ihn zu erleichtern, und die mannhaften Gottesstreiter zu erfrischen und zu stärken. ES war immer der Erguß unsres HerzenS, ihnen unser starkes Mitgefühl und unsre schwache Unterstützung darzureichcn, wo und wie wir eS nur konnten — in der Oeffentlichkeit und im Privatleben, durch Rath und That. ES ist daS ganze Leben dieser Zeitung hierin und nur hierin begriffen! Daß wir auch aus dem verflossenen bürgerlichen Jahre auf freudige und schmerzliche, auf düstere und glückverheißende Ereignisse zurückschauen, versteht fich von selbst. Klein ist der Raum eines Jahres und nichts entscheidend in der großen Sttömung der Zeit — ein viel umfassender Rahmen, wenn wir Ursachen und Wirkungen beobachten. Wir rechnen zu jenen, daß sowohl in der Krimarmee als in der Pariser Weltausstellung fich Glaubensgenossen auSzeichneten und Auszeichnung erwarben — wir halten uns fest überzeugt, daß auch in den russischen Heeren Juden tapfere Thaten vollbringen, nur daß wir fie nicht erfahren können — daß an die Spitze des City-Magistrats ein edler, fteifinniger Jude getreten, und von allen Parteien mit gerechter Anerkennung belohnt wird; daß in der Türkei die Gleich behandlung der verschiedenen Religionen immer kräftiger fich bethätigt; daß Spanien fich auch den verbannten Juden öffnet; daß der Schweizer Canton, in welchem

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