Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1855)
- Date
- 1855-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IS. Jahrgang. Allgemeine 5L Zeitung des Zndcukhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Ldr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 17. December 1855. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. de« Titel«. Registers, n. s. w. umfasse». In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinst« Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Tblr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 g(Sr.) für sechs Monate — 22 Vr Ngr. (18 -Gr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspeditio» für beide Letztere hat sich di« königl. sächs. Zeitungs - Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Von der „Verklärung" de» Judenthums. — Literaturbericht. IX. — Verein zur Unterstützung (vormals : „Penfionirung") jüdischer Lehrer in Preußen. — R. Jochanan ben Sakkai und das Synhedrion zu Jabne. Von Raphael Kirchheim. (Schluß.) Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt a. M-, Frankfurt a. M., Gotha, Fulda. Preußen: Aachen. Spanien: Madrid. Leitende Artikel. Magdeburg, 10. December. Non -er „Verklärung" -es In-enthums. Man hat uns gefragt, was wir unter diesem von uns öfter gebrauchten Worte verstehen. Man hat ihm verschiedenartige Bedeutung beigelegr. Sprechen wir uns mit Wenigem darüber aus. Wir verstehen unter „Verklärung des Judenthums" durchaus nicht jene Verallgemeinerung, die sich damit begnügt, zwei, drei Grundlehren herauszuziehen, diese als das Wesen des Judenthums anzuerkennen, und die ganze concrete Gestalt des Judcnthums über Bord zu werfen. Wir glauben vielmehr, daß jene allgemeinen Sätze ganz und gar nicht im Stande find, so auf den Menschen zu wirken, wie die Religion soll, ihn im Zusammenhänge mit seinem Gotte zu erhalten, ihn sittlich zu durchdringen und sein Thun und Lassen zu bestimmen. Wir meinen ferner, daß jene allgemeinen Sätze ohne die ganze geschichtliche Basis keinen Halt haben und unter den Einwirkungen des Lebens verflattern. So wenig der leibliche Mensch von und in dem Aether, der daS Weltall füllt, eristiren kann, sondern einer derben Erdatmosphäre mit Stick- und Sauerstoffgas und noch derbern Pflanzen- und Thierkost bedarf: eben so wenig ist dem geistigen Menschen mit einigen, noch so lichten Allgemeinsätzen geholfen. Wir acceptiren vielmehr vollständig dieses concrete und historische Judenthum, wie es uns durch Bibel, Talmud und Rabbinen gegeben und überliefert worden. Wir erkennen aber in diesem concreren und geschichtlichen Judenthum ein lebendiges Geschöpf an, welches sowohl ein innerstes, bestimmtes Wesen hat, als durch die Geschichte hindurch eine fortlaufende Entwickelung und Gestaltung dieses innersten bestimmten Wesens. Das Judenthum, wie es im Mosaismus, Prophetismus, in den Chethubim, in der griechisch-ägyptischen Periode, im Talmudismus, Rabbinismus und neuzeitlichen Judenthume erscheint, hat ein von Gott gegebenes und unter Gottes unmittelbarer Einwirkung sich entfallendes inneres Wesen, das nun aber unter dem Einfluß sowohl der Entwickelung des jüdischen Volkes von innen heraus, als der verschiedenen Zeirperioden und Umgebungen sehr verschiedenartige Stufen des Geistes und der concreten Gestaltungen durchmachte. Wir brauchen nur einen prüfenden Blick auf die eben aufgezählten Phasen des Judenthums zu werfen, um wohl das ihnen allen einwoh-