Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1855)
- Date
- 1855-12-03
- Page
- Seite 631 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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631 gefunden wird. Daß Leon solche Verhüllungen nicht scheute, beweist seine Benutzung des Sohar in seinen Predigten und im Kommentar zu „Belh Jehudah", seine Anleitungen zum Anfertigen der kabbalistischen Zaubermittel u. dgl. trotz seinem entschiedenen und offen bekannten Unglauben an die Kabbalah. Leon ist Verfaffer dieser Schriften und verstand es in der That, so fein sich zu verhüllen, daß ihm seine Absicht fast mehr gelungen wäre, als ihm lieb sein mochte. Denn auch Dies bleibt merkwürdig an ihm. Kein Bedenken der Zeitgenossen erhebt sich wider ihn; man spürt Nichts an ihm auf, der Verdacht wagt sich nicht an ihn heran. Und dennoch find die vollgültigen Documenre seiner ganz abweichenden Gesinnung vollständig aufbewahrt geblieben! Zwei Jahrhunderte haben sie, die ganz unbeachtet blieben, nicht unter ihrem Schutte begraben; er hat das günstige Geschick gehabt, in seiner wahren Persönlichkeit, wenn auch in später Zeit, vielleicht aber gerade in der günstigsten für seine Würdigung, vollkommen wieder aufzulebcn! Welch wunderbare Verschlingungen ziehen sich durch ein solch einzelnes Leben, nicht blos während seines irdischen Daseins, sondern auch in seiner geistigen Hinterlassenschaft! Abgesehen nun von den Ansichten, welche Leon entwickelt und die noch heute keineswegs antiquirt find, wenn sie auch tiefer gefaßt werden müssen, ist seine ganze Erscheinung eine ernste Mahnung an unsere Zeit, die nicht genug der Beherzigung anempfohlen werden kann. Es liegt im Laufe der Geschichte, daß nach raschen Fortschritten eine Reaction eintritt, und diese, welche thcils einer Erschlaffung auf der einen, einem verzweifelten Auftaffcn von der andern Seite ihr Entstehen verdankt, hat ihr Gutes, indem sie der einseitigen Verflachung wehrt, zur Vertiefung durch die Betonung und Dcrtheidigung des Gegensatzes hinführt. Wenn aber diese Reaction sich nicht begnügt, geistige Waffen zu führen, sondern sich zur Zwingherrin aufzuwerfen sich berufen glaubt: dann erftischt sic nicht, sondern erdrückt die Einen und läßt sie in unseligem innerem Kampfe verkümmern, entftemdet die Andern und zieht in wieder Anderen eine Verbitterung groß, nährt in Geistern Haß und Spott, die unter andern Umständen liebende, wenn auch ernste und fordernde Kritik geübt, die fteudig ihre Kräfte der Veredlung des Ganzen gewidmet hätten. Mit diesen Bemerkungen glaubte ich diese Schrift selbst einführen zu dürfen, mit denen ich nur einen kleinen Theil ihres Inhalts berührt habe, und wird es mich fteuen, wenn Andere mit Ernst deren Beurtheilung sich unterziehen werden. Mir möge schließlich nur noch vergönnt sein, einige sinnentstellende Druckfehler zu berichtigen. S. 41, Z. 31 st. Fasten l. Festen; S. 44, Z. 29 st. machen l. messen und S. 62, l. Z. nebst S. 63, Z. 1 st. meinen literarischer Freund l. einen literarischen Fund. Geiger. Anzeigen. Prediger- Gesuch. Die Em a n u-El-Tempelgemeinde der Stadt New-Dork sucht einen Prediger, der bei gründlicher Gelehrsamkeit ein Redner ersten Ranges sei, und seinen Predigten den Zauber des Belehrend-Unterhaltenden, so wie das Erhebende der Andacht zu verleihen versteht. Der Gottesdienst im Tempel ist in zeitgemäßer Reform, mit Orgel und Chorbcglcitung. Kandidaten, die obgenannte Eigenschaften mit Kenntniß der englischen Sprache verbinden, würden bevorzugt. Der Gehalt ist nicht weniger als 1500 pr. Thaler pro Jahr; Ausnahme auf drei Jahre vorerst, und sodann auf längere Zeit. Die Herren Dr. PhilippsvN in Magdeburg und Stein in Frankfurt a. M. werden auf Anfragen nähere Auskunft ertheilen. Kopien von Zeugnissen können gesandt werden an folgende Adresse: Herrn A. Üichelbacher, New-York. Die Stelle eines Religionstehrers, verbunden mit den Functionen des Schächters und Vorbcrers, wird bei der hiesigen Gemeinde zu Neujahr vacant und wird gewünscht, diese zu dieser Zeit oder spätestens zum 5. Mai k. I. wieder zu besetzen. Hierauf Reflectirende wollen sich in Portofteicn Briefen an uns wenden. Dargun, in Mecklb.-Schwerin, den 15. Novbr. 1855. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. L. I. Ludwig. H. S. Levy. Die zweite Lehrerstelle bei der hiesigen israelitischen Elementarschule mit einem Gehalte von 150 Thlrn. ist vacant und soll entweder gleich oder zu kommenden Ostern wieder besetzt werden. Bewerber, welche ein preußisches Seminar besucht haben, werden aufgefordert, ihre Zeugnisse dem Unterzeichneten Vorstände portoftei einzusenden. Christburg, den 8. November 1855. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Jaeoby. Laserstein. I. Josephsohn. Ein geprüfter Lehrer, Vorbeter und Schächter wird von Ostern k. I. ab für die hiesige Gemeinde gewünscht. Can-