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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-11-19 · Heft 47 (19.11.1855) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 47 (19.11.1855)
Date
1855-11-19
Page
Seite 606 (sequence 10)
Language
German
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606 Mädchen, wozu von einem Ungenannten 32,000 Mark Banco, und eine Freiwahnungsstiftung, wozu 30,000 Mark Banco geschenkt worden find. DieS wäre in unserer Gemeinde die vierte, oder vielmehr die fünfte, wenn wir eine neulich eröffnete mitzählen, die ein ehemaliges Mitglied für Juden und Christen gemeinschaftlich gestiftet hat. Letztere hat die eigenthümliche Verfassung, daß die Einwohner eine unbedeutende Miethe (von 2 Thlrn. jährlich) zu zahlen haben und als Miether gekündigt werden können. Dies System ist hier neu und mag manches Gute haben. Eine alte Prophezeiung, eine Weissagung Jeremiä hat sich erfüllt! Israel hat Gog und Magog vernichtet! Der erste jüdische Lord-Mayor hat bei seinem Einzuge den alten Mummenschanz (auch wohl ehrwürdige VolkSfitte genannt) fortgeschafft, in welchem die Riesen Gog und Magog mir ihren Reisigen „große Volksmenge mit Tartschen und Sperren" die Hauptfiguren waren. Dessau, im November. (Entgegnung.) Der Berichterstatter in Nr. 41. der Allgemeinen Zeitung des JudenthumS über den diesmaligen Festgottesdienst in Leipzig hat doch zu viel dem Hörensagen vertraut und ist dadurch zu manchen Jrrthümern und Unwahrheiten gekommen. — Unser Vorsänger im Hamburger Tempel ist nicht, wie der Herr Referent meint, ein Kaufmann, der schnöde daS Gesetz deS JudenthumS mit Füßen tritt; vielmehr ist es der schon seit Jahren angestellte;tr und würdige Religionslehrer an der Hamburger israelitischen Gemeindeschule M. I. Zelle. vr. Gustav Philippson, Prediger. Aus dem Grofiherzogthurn Hessen, im October. (Privatmitth.) Mit Rücksicht auf die Mittheilung in Nr. 29. d. Bl., die jüdischen Strafgefangenen im Württembergischen betreffend, werden Sie um die Veröffentlichung gebeten, daß auch in diesem Stücke das Großherzogthum Hessen sich aufdem humansten Standpunkte befindet. In den leichteren Strafanstalten des Landes, den Correctionshäuscrn, erhallen unsere Glaubensgenossen regelmäßig koschere Kost und religiöse Belehrung, und sind sie von allem Arbeitszwange an Sabbath- und Festtagen befreit. In dem schwereren LandeSzuchthause Marienschloß genießen sie diese letztere Freiheit ebenfalls im vollsten Maße, wohingegen das koschere Essen daselbst, weil mit der strengeren Hausordnung unverträglich, nur zu Ostern gestattet ist, und die religiöse Belehrung durch den eigenen Confesfionsgeistlichen nur in größeren Zwischenräumen geschieht. Ferner dürfte es die Leser dieses BlatteS interesfiren, zu vernehmen, daß in unserem Lande schon seit 1846 die armen jüdischen Waisenkinder, worunter solche zu verstehen sind, die zwar ein Einkommen besitzen, welches aber zu ihrer Erziehung nicht auSreicht, gleich den christlichen, auf Kosten der allgemeinen LandeS-Waisen-Anstalt bis nach zurückgelegtem 14. Lebensjahre bei ordentlichen jüdischen Familien erzogen und später einem Meister in die Lehre gegeben oder sonst in der Erlernung eines bürgerlichen Nahrungszweiges unterstützt werden. Dahingegen haben die israelitischen Religions-Vorstände die Verpflichtung, am 2*1:? und ö^ib, bei Hochzeiten und Beschneidungen für das Waisenhaus zu collectiren, ähnlich den christlichen Geistlichen, Bürgermeistern u. A. bei ähnlichen Gelegenheiten, und den Ertrag der Collecten alljährlich Anfangs September an ihre resp. Rabbinen zu schicken zur Weiterbeförderung an den betreffenden Rechner nach Darmstadt. Endlich sind auS neuester Zeit folgende zwei höchst erfreuliche Thatsachen zu berichten. Bei der kürzlich stattgehabten theilweisen Ernennung deS Großherzoglichen Gemeinderaths der UniversirätS- und Provinzialhauptstadt Gießen ist das seitherige sehr geachtete jüdische Mitglied desselben, Herr Hofgerichts-Advocat Rosenberg, wiederum in denselben gewählt worden, waS nicht bei allen gleichzeitig mit ihm ausgetretenen Personen der Fall war. Sodann hat der sehr geschätzte jüdische Arzt vr. Weil von Zwingenberg den Staatsdienst eines Kreisarztes des Medicinalbezirks Heppenheim an der Bergstraße erhalten. L. Soudershausen, im October. (Privatmitth.) Der ächt humane Geist, der seil vielen Jahren unfern erhabenen Fürsten und unsere hohe Behörde beseelt, hat sich auch in letzterer Zeit wieder herrlich bekundet, was in der Gegenwart um so mehr Beachtung verdient. Der hiesige Kaufmann und Fabrikherr Adolph Gers hatte sich in den Jahren der Bewegung durch seinen Muth und die Hingebung für die Sache sei-

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