Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1855)
- Date
- 1855-11-05
- Page
- Seite 572 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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572 6) Jüdische Volksbibliothek. Diese soll theils aus', nach und zu gebenden Anthologieen der clasfischen Schriftsteller der Juden aller Zeiten, theils aus kleineren Abhandlungen und Broschüren bestehen. Wir werden, wenn die in diesem Jahre zu gebenden Hefte dieser „jüdischen Volksbibliothek" ganz abgeschlossen find, das Nähere mittheilen. Dies die erste Kundmachung, der bald eine zweite folgen wird. Die Theilnehmer sehen, welche bedeutende und umfängliche Arbeiten fie für die geringe Summe ihres Beitrages erhalten, welche schone Ausbeute die glückliche Ausführung der glücklichen Idee darbieten wird, die, bei vieljährigem Gestände, allerdings der israelitischen Literatur einen neuen, außerordentlichen Impuls zu geben vermögen wird. Wir geben diese Notizen vorläufig, indem natürlich später die drei Leiter des „Jnstitus" einen speciellen Bericht über ihre Thätigkeit unter der Gesammtverantwortlichkeit aller Drei liefern werden. Aphorismen. In der schon einmal erwähnten Abhandlung Arago's „über das Gewitter" kommt eine interessante Stelle vor, die wir hier wörtlich mittheilen wollen. Im 52. Capitel S. 312. handelt er über die Frage: „ist es als Thatsache erwiesen, daß Gebäude durch die auf ihnen errichteten Blitzableiter vor den Verwüstungen des BlitzeS bewahrt worden find?" Hier heißt es: „Der Tempel zu Jerusalem har länger als 1600 Jahre gestanden, von der Zeit Salomo's bis zum Jahre 70 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung. Dieser Tempel war durch seine Lage den in Palästina sehr heftigen und sehr häufigen Gewittern vollständig preisgegeben. Und doch berichten die Bibel und Josephus nicht, daß der Blitz denselben jemals getroffen habe. Wenn man erwägt, mit welcher Sorgfalt die Völker des Alterthums die Blitzschläge anmerkten, die ein wenig Schaden anrichteten, wie oft zum Beispiel die römischen Annalen Blitze erwähnen, die das Capitol oder andere Gebäude trafen: so kann man das Stillschweigen der heiligen Schrift über den Gegenstand wohl nur erklären, wenn man mit dem Orientalisten Michaelis annimmt, daß der Tempel zu Jerusalem in zehn Jahrhunderten nicht einen einzigen wirklichen Blitzschlag erhielt. Will man diesen Schluß noch wahrscheinlicher machen, so erinnere ich daran, daß der Tempel, da er inwendig und auswendig getäfelt war, gewiß Feuer gefangen hätte, wenn er von einem starken Blitzschläge getroffen worden wäre. Nachdem einmal die Thatsache ficher ermittelt ist, müssen wir, Michaelis und Lichtenberg folgend, die Ursache derselben aussuchen. Diese Ursache ist sehr einfach. Durch einen zufälligen Umstand war der Tempel zu Jerusalem mit Blitzableitern versehen, welche den jetzt üblichen, von Franklin erfundenen Apparaten ähnlich waren. Das mit stark vergoldetem Cedernholz getäfelte stäche Dach des Teuchels war von einem Ende zum andern mit langen, zugcspitzten und vergoldeten Stangen von Eisen oder Stahl besetzt. Nach Josephus wollte der Architekt durch diese zahlreichen Spitzen die Vögel abhaltcn, sich auf das Dach niederzulassen und daffelbc zu verunreinigen. Die Außenseiten des Gebäudes waren ebenfalls in ihrer ganzen Ausdehnung mit stark vergoldetem Holze bekleidet. Endlich waren unter dem Dorhofe des Tempels Cistcrnen vorhanden, in welche das Wasser von den Dächern sich durch metallene Röhren ergoß. Wir finden hier sowohl die Auffangestangen der Blitzableiter als auch einen solchen Ueberfluß an Ableitungen, daß Lichtenberg mit vollem Rechte behaupten konnte, nicht der zehnte Theil der Apparate unserer Tage biete hinsichtlich der Construction auch nur annähernd eine eben so befriedigende Vereinigung günstiger Umstände dar. Der Tempel zu Jerusalem, der mehr als 1000 Jahre verschont blieb, kann also als der offenbarste Beweis fiir die Wirksamkeit der Blitzableiter angeführt werden." — Wir haben es hier mit Männern der strengsten Wissenschaftlichkeit zu thun (Michaelis, Lichtenberg, Arago), und im Tempel zu Jerusalem ist wohl nie daran gedacht worden, nach fast zweitausend Jahren noch als ein thatsächlicher Beweis in einer jetzt öfter aufgeworfenen und noch nicht gänzlich entschiedenen Frage zu dienen: ob Blitzableiter wirklich die Gebäude schützen? So außerordentlich tief ist der Einfluß, den die Juden seit ungefähr einem Jahrhundert in der cioilifirten Welt wieder üben, daß man in der That jetzt kaum ein Buch öffnen kann, ohne das Einem die Juden in irgend einer Weise begegnen. Vor uns liegt eine Biographie Wilhelm's von Humboldt, des genialen Bruders des berühmten Naturforschers, des ehemaligen preußischen Staatsministers, deS größten Philosophen über die Sprachen (von Elisa Maier, zweite Aust.). Da heißt