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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-29 · Heft 44 (29.10.1855) · p. Seite 566

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 44 (29.10.1855)
Date
1855-10-29
Page
Seite 566 (sequence 10)
Language
German
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566 pt;, indem, wie bekannt, nur jene Zeitwörter dieser angchören, deren erster Buchstabe ein ■», der zweite hingegen ein L ist. §. 110. „Der Infinitiv: aas. In Verbindung mit "ri'b'b'b fallt auch das bTEvs'b weg, indem statt seiner ein ri hinzutritt, z. D. nÄ-2, rivbs, u. s. w." (??). §. 111. „Bei "bb'h, nämlich bei Wörtern, deren erster Buchstabe ein b ist, fällt u. s. w." Sollte heißen: Bei "•'En, nämlich bei Wörtern, deren erster Buchstabe ein ■» ist u. s. w. §. 125. ,,"-fbn, dieses Wort geht in der künftigen Zeit des Kal *^bri, im Hiphil ■’nabirr, ripbnrr, nach Art der "■’b":. Den Hophal findet man in der heiligen Schrift nicht, wird aber auch nach erwähntem Muster conjugirt, denn da er ebenfalls wie der Hiphil ein T, zum Charakterzeichen hat, so muß das Ti des Wurzelwortes wegbleiben." Ungeachtet der Hophal ohne Zweifel nach Analogie des Hiphil gebildet wird, so ist doch die ausgestellte Regel, daß das Radir-dr vom charakterbezeichnenden dr verdrängt werden müsse, nicht stichhaltig; zumal sich die Form: riinbs (Hiob Cap. 30.) vorfindet. Die den einzelnen Paragraphen folgenden „Original- Beispiele", zur Einübung der theoretischen Regeln, betreffend, habe ich nur zu bemerken, daß diese eher in ein claffisches Werk als in ein für den Elementarunterricht bestimmtes Buch gehören, indem in diesen nicht der Alltagsverstand eines praktischen Schullehrers, sondern der Geist eines Poeten sich bekundet, demzufolge diese dem zarten Kinde unzugänglich bleiben. LI. E — 1. Correspondenz. Meine Reisen in Rußland. Von vr. Lilienthal in Cincinnati. (Nach the Israelite.) VIII. Am Donnerstag Morgen, den 28. Dccember 1839, versammelten sich die Passagiere im Postgcbäude, wo zwei auf Schlitten befestigte Wagen unserer warteten, um uns nach Riga zu bringen. Der Conducteur ftagte nach unseren Pässen, und legte dieselben, nachdem er sie geprüft hatte, in eine Reisetasche, welche er auf dem Rücken trug. So waren wir wiederum jedes Mittels zur Flucht beraubt und gänzlich in den Händen unseres Conducteurs, welcher ebenfalls zu der Landcspolizei gehörte; denn ohne Paß kann man sich in Rußland nicht rühren. Nachdem wir unseren Bekannten Adieu gesagt, entführte uns der Schlitten der Hauptstadt. Es war ein kalter, russischer Wintertag. Mit dem Monat Dccember ist in Rußland nicht zu spaßen und wir waren Alle vom Kopf bis Fuß in Pelze gehüllt, um uns gegen die grimmige Kälte zu schützen. Unsere Gesellschaft bestand aus acht Passagieren, vier in jedem Wagen, und diese wurden von vier neben einander geschirrten Pferden gezogen. Nichts ist mit der Schnelligkeit dieser kleinen Thiere zu vergleichen, denn wir legten oftmals 28 englische Meilen in einer Stunde zurück. Der Kutscher gebraucht niemals die Peitsche, er führt gar keine, er spricht nur zu seinen Pferden: „Fleißig. Kinder!" oder „Vorwärts, meine Freunde!" Dies sind seine gewöhnlichen Ermahnungen, und die Pferde verstehen diese Warnungen vortrefflich, denn sie fliegen davon, wie auf den Schwingen des Pegasus. In dem östlichen Theile Rußlands werden die Pferde nicht in Ställen gehalten, sondern man läßt sie aufs Gerathewohl hcrumlaufen; wenn man sie gebraucht, fängt man sie in den Wäldern ein, und legt sie ganz ungebändigt an die Schlitten oder Wagen. Sie müssen gebunden werden, ehe man sie anschirren kann, und sic werden nicht eher losgcbunden, als bis der Kutscher auf seinem Platze ist, und die Zügel hält. Dann geht es vorwärts, wie mit einer Dampfmaschine. Unsere Gesellschaft bestand größtenthcils aus Deutschen, und daher wurde die Unterhaltung bald lebhaft und sehr interessant. Der Weg war jedoch damals in einem erschrecklichen Zustande, wie alle durch Rußland führenden Wege, mit Ausnahme desjenigen, welcher von St. Petersburg nach Moskau und von dort nach Warschau führt. Stundenlang wurden wir aus einem Loch in das andere gestoßen, jeden Augenblick drohte der Schlitten umzuwerfen; unsere Kutscher fluchten und schworen auf acht Russisch; wir wurden geschleudert, gestoßen, hin-und hergeworfen, als wären wir bei großem Sturm auf einem Schiffe. Als wir Abends um acht Uhr an der Station hielten, wo ein Abendessen für uns zubereitet war, fühlte ich mich so ermüdet, daß ich den Conducteur bat, mich dort zu lassen, da ich nicht im Stande sei, die Reise fortzusetzen. Ich hatte am Bord des Dampfbotes von Lübeck nach Petersburg sehr bedeutend an der Seekrankheit gelitten, und konnte mich erst nach mehreren Tagen wie-

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