Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 81 (7.7.1838)
- Date
- 1838-07-07
- Page
- Seite 328 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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328 bemerken, wohin es führt. — Ich habe Dir nun gesagt, welche meine Absichten sind; eingeleitet ist schon die Sache, und wird sich in der nächsten Zeit von selbst weiter machen. — Ich habe Dir, Julie, eine neue Equipage' gekauft, mach' mir die Freude, sie heute zu benutzen. Hiermit küßte er sie auf die Stirn, und verließ leicht und gefällig das Zimmer. Julie fühlte sich vielfach und tief verletzt. Daß der Vater von einer Verbindung fürs Leben so leicht wie von einem Kaufe dachte, und dabei noch voraussetzte daß sie gleicher Gesinnung wäre, daß er einen Wechsel der Religion wie eineVeränderung der Wohnung ansah, wovon er kaum der Mühe wecth hielt zu sprechen, das zerstörte ihr ganzes Gemüth. Und die Aussicht, hierdurch nur noch weiter von dem Gegenstände ihrer Wünsche geworfen zu sein, regte ihren tiefsten Schmerz auf. Vor ihr stand das Bild des hochherzigen Jonathan's, der mit kräftigen Worten die ganze Halbheit jener sogenannten Weltbildung ihr klar gemacht, deren traurige Wirkung sie jetzt so wesentlich fühlen sollte, und es gewann desto mehr an Verklarung in ihr. Ihre Kraft wankte, sie sah sich ohne Stütze, und in dem großen Weh, das sie empfand, blieb ihr nur das eine Gefühl, mit unerschütterlicher Festigkeit den angemutheten Schritten sich zu widerfttzen, und nie einzuwilligen. Nur das Eine gab ihr eine gewisse Festigkeit, daß sie dachte, in dem geistigen Interesse ihres Vaters dabei eben so zu handeln, wie in ihrem eigenen. _(Fortsetzung folgt). M i s c e l l e. Im November vorigen Jahres starb zu Karlsruhe in Baden der Kais, russische Staarsrath Ui. im*d. von Laband. Derselbe war in den sechsziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in. dem Städtchen Gutrentag in Oberschlesien, von vermögenden jüdischen Eltern geboren, die, nach damaliger Sitte, den talentvollen Sohn zum Studium des Talmuds anhielten, ihn zur weiteren Ausbildung auch nach Berlin schickten, wo er denn, mit Genehmigung feiner Eltern, Medicin studirte. Nach Erlangung der Doctorwürde kehrte er nach Schlesien zurück- und etablirte sich als praktischer'Arzt in dem Städtchen Tülz. Von da aus wurde er durch einen jener sonderbaren Vorfälle, die wir im gewöhnlichen Leben gern Zufall nennen, die aber gerade von dem Vorhandensein einer gütigen Vorsehung zeugen, nach Petersburg berufen, und soll da einige Zeit mit vielem Glück als Arzt prakticirt haben. Später machte er mit Krusenstern die Reise um die Welt, der auch seiner oft in der Reiftbeschreibung erwähnt. Bei seiner Rückkehr widmete Laband sich nur dem diplomatischen Leben, wo ec bei verschiedenen Angelegenheiten gebraucht, und nach Wiedereinsetzung der Burbon's auf dem französischen Throne, zum russischen Consul in Marseille ernannt wurde. Auf der Hinreise machte er den bedeutenden Umweg über Schlesien, wo ec im Jahre 1815 oder 16 mit seinen sämmtlrchen Verwandten in Neisse zusammen kam, da er einige Tage in ihrem Kreise verlebte, und dann weiter nach seinem Bestimmungsorte reiste'. Wie er da das Interesse seines neuen Vaterlandes wahrgenommen, davon zeugen die ihm ertheitten Orden, die Erhebung in den Adelstand und die spätere Ernennung zum General-Consul. Auf sein Ansuchen wurde er vor einigen Jahren mit Pension und Erhebung zum Staatsrath in Ruhestand versetzt, wo er die letzte Zeit meistens im Badenschen verlebte. Die Mutter des Verstorbenen, eine noch rüstige, beinahe 90 Jahr alte Matrone, wie auch Geschwister und Verwandte leben noch in Schlesien, und wäre es wol zu wünschen, wenn sie Ausführlicheres über diesen merkwürdigen Mann mittheilen, und etwaige irrthumliche Angaben des Einsenders, der nur die Hauptsache verbürgen kann, berichtigen wollten. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verla gshandlung. So eben sind erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Drei Predigten, vorgetragen in den Synagogen zu Sterbfritz und Oberaula, von Benedict Hause, Lehrer an der öffentlichen israelitischen Schule zu Oberaula. gr. 8. br. — 6 Gr. Predigt bei der Einweihung der neuen Synagoge in Oberaula (in Kurhessen), am 15. Sept. 1837 von demselben, gr. 8. br. 3 Gr. F. Schuster in Hersfeld. Von meiner Ausgabe des Werkes HUW/ punktirt, mit deutscker Ueberseyung 6 B, 4. steht eine Parthie Exempl. zu meiner Verfügung, welche auf portofreie Einsendung des Betrages einzeln a 1 Frd'or, 5 zusammen 4 Frd'or zu haben sind. Frankfurt a. M., 1838. I. M. Jost, Dr. Die hebräische Buchdmckerei von S. Arnstein & Söh ne in Snlzbach ist gern bereit, sowol große als kleine hebräische Werke in Verlag zu übernehmen, wenn die Herren Autoren bei der Uebergabe ihrer zu edirenden Geistesprodukte dafür sorgen, daß genannte Offizin hinsichtlich des Kostenaufwandes hinreichend gesichert ist. Die näheren Bedingungen sind in portofreien Briefen zu erfahren. Rcdacteur: vr. 8. Philippfon. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld. (Hierzu das lircrar. und Homilet. Beiblatt No. 19., nebst einem Extra-Blatt d. Allg. Zeit. d. Iud.)