Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1855)
- Date
- 1855-10-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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19. Jahrgang JW 4L Allgemeine Zeitung des Iudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 8 i. October 1855. Diese Zeitung «rscheiut wöchentlich einmal. MontagS. und wird jährlich 78 Bogen in Quart iacl. des Titels. Registers, tu f. ». um. fafftn. Zu Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Tblr. sur den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Rgr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22V* Ngr. (IS gSr.) für das Bierteljabr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung« - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspeditton für beide Letztere hat sich die lönigl. sächs. Zeituugs. Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Lettewde Artikel: Rußland. — Literaturbericht. VIII. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Leipzig. Preußen: Halle. Berlin.Neuß. Oesterreichischer Kaiserstaat: au» Galizien. Großbritannien: London. Literarische Nachrichten: Amsterdam. Correspondenz: Meine Reisen in Rußland. Don vr. Lilienthal in Cincinnati. VH. zu bezeichnen: für unS hier eristiren sie als einerseits die Glaubensfreiheit — daß die Gesellschaft keines ihrer Mitglieder um seines Glaubens willen zu benachtheilizcn, sondern Jedweden nur nach seinen Thaten zu beurtheilcn habe — andrerseits: der Glaubenszwang — daß die politische Macht nicht blos den in bestimmte Formeln gebrachten Glauben mit allen seinen Mitteln auftecht zu Leitende Artikel. Magdeburg, 1. October. Vußland. Der Fall Sebastopols. — Der Tod deö Ministers Ouwaroff. — Wer die Geschichte im Großen studirt, wer sich befähigt, Jahrhunderte trotz ihrem unendlichen Detail zu überschauen, und ihren Inhalt und Gedanken zu erkennen: der weiß, daß die civilifirte Welt seit mehr denn vier Jahrhunderten in dem großen Kampfe zweier Ideen begriffen, und daß dieser Kampf noch lange nicht beendet ist, daß, wie bei jedem Kampfe, das Glück wechselt, bald die eine, bald die andre die Oberhand hat, den Sieg an fich reißt, ja sich schon unbedingt triumphirend hält, bis — ein neuer Angriff, ein wohl gezielter Schlag der Gegnerin ihr ihre Schwäche mit großem Nachdruck fühlbar macht. Es ist hier nicht der Ort, diese beiden kämpfenden Ideen mit wenigen Worten in ihrer Wesenheit erhalten, sondern auch nach den verschiedenen Eonsesstonen die Rechte des Bürgers bemessen, ja auf alle mögliche Weise zum Uebertritt zu einer bestimmten Confesfion zwingen zu können fich berechtigt halt. Dieser Kanrpf begann eigentlich — mit Konstantin dem Großen. Der Glaubenszwang hatte aber bald einen so entschiedenen Sieg davon getragen, die blutige Verfolgung jeder abweichenden Secte — wir erinnern zum Beispiel an die der Arrianer — die grausame Bedrückung der Juden, der unvertilgbare Haß zwischen Christen und Muselmännern sind so unzweideutige Beweise dieses Sieges, daß ein Jahrtausend lang von einem Kampfe gegen diesen Glaubcnszwang gar keine Ahnung war. Erst seit vier Jahrhunderten, als ein großer Theil der europäischen Bevölkerung von der herrschenden Kirche fich trennte, kam es wieder zum Bewußtsein der Menschheit: daß cs den Menschen, trotz verschiedener Glaubensanfichten, doch möglich sei, ftiedlich und gleichberechtigt neben einander zu eristiren, kam es bald zur Aussprache: daß vom Glauben einen Grund der Benachthciligung und verschiedener Behandlung zu entneh-