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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-10 · Heft 37 (10.9.1855) · p. Seite 479

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 37 (10.9.1855)
Date
1855-09-10
Page
Seite 479 (sequence 11)
Language
German
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479 „ewige Licht". — Der ganze Tempel ist ein Prachtbau, zu prachtvoll, zu katholisch geschmückt für den reinen Jehova-Cultus. Immerhin aber ein schönes Zeugniß für die Opferbercitwilligkeit der Mannheimer Gemeinde. Am 29. Juni Abends sechs Uhr begann die Einwcihungsfeier; gegen 5000 Menschen harrten in dem magisch beleuchteten Hause. Die Feierlichkeit selbst war die altherkömmliche. Einzug der Thorarollen, vom Rabbiner getragen, in Proccssion, darauf Benediction der „Sckehechianu" re.; Cantate, dirigirt von Lachncr, componirt von Levisohn, Sohn des Rabbinen in Gießen; Spiel der Orgel, Chorgesänge und Gebete waren die Einleitung zur Predigt, die vr. Präger hielt über Numeri 24, 5 u. 6. Das Gotteshaus ist 1) Bethaus, 2) Dersammlungshaus, 3) Lehrhaus. Die Predigt war mehr wissenschaftlicher Vortrag, als wie man erwartet, eine gefühlvolle Rede von dem Schwünge der heiligen Feier getragen. Den Sabbat darauf hörte ich den Prediger wieder sprechen und sein Vortrag rechtfertigte seinen Ruf als tüchtigen Kanzelredner. Die Gebctordnung in Mannheim ist neu edirt von Präger geordnet, theils deutsch, thcils hebräisch; alle Pflichtgebete find beibchalten; zu viel Concefstonen für „Alte und Neue", darum weitschichtig, der Gottesdienst dauert zu lange. Mein Synagogen-Nachbar, ein jüdischer Frankfurter Gelehrter, bemerkte mir: „die neuen Rabbinen leiden an Weitschweifigkeit." — Die Psalmen 95. bis 99. und 29. beim Sabbatheingang werden nicht mehr hebräisch recirirt, sondern nur einer derselben deutsch vom Rabbinen responsorisch vorgctragen. Lcclio Dodi ist verstümmelt, nur einige Strophen werden gesungen. Eines jedoch war mir unerklärlich, die Todtcnfeier am Freitagabend, dieses Todtcnbcschwörcn, um Andacht zu erwecken, taugt nicht zur Sabbalhftcude und Sabbathfeicr, da lobe ich mir die Alten, die beim Sabbalh - Eingang die Engel herbciricfcn, aber die Todtcn — „ach, laßt sie ruhen, die Todtcn.'" Beim Gottesdienst selbst und den Responsorien war die Gemeinde zu wenig thätig, was aber von dem Mangel an volksthümlichen, einstimmigen Synagogenmelodien herrührt, diesem Uebelstand wird später abgeholfen werden. Besonders dürfte die Schuljugend zum Synagogalgcsang mehr hcrbeigezogcn werden, denn in schöner Weise sagt der Talmud: vom Amcnsagcn der Jugend hängt die Erlösung Jsrael's ab. Wer sich mit dem Gebetbuchc der Mannheimer Gemeinde bekannt machen will, wird dasselbe durch die Bcnshcimcr'sche Buchhandlung daselbst beziehen können; es ist sehr hübsch ausgestattet, mit schönen Typen gedruckt und als Hausandachtsbuch wegen seiner schönen deutschen Gebete und Lieder zu empfehlen; es kostet nur 1 fl. rhein. — Wir müssen noch rühmend die Einigkeit der Mannheimer Gemeinde anerkennen; viele mit den Reformen nicht Einverstandene haben den gesetzlichen Weg betreten, sie zu beseitigen, aber den Gottesdienst besuchen Alle und kein Zwiespalt wird die Gemeinde in zwei Lager trennen. — Am Sabbath früh hielt der zweite Stadtrabbine vr. Lindemann über Psalm 84. eine zweite Einwcihungspredigt, hübsch behandelt, schön vorgetragen, viel Weihrauch an Vorstand und Obrigkeit gespendet, aber als „da capo“ der gestrigen Feier zu viel. — Am Sabbathabend war Festessen von 300 Gedecken, kalte Küche, aber durch der Mannheimer Gastfreundschaft viel feuriger Champagner; auch die Rabbinen, deren etliche und zwanzig anwesend waren, ließen sich den Franzwein munden, ihre redefertigcn Zungen brachten Toaste auf Toaste und der poetische Stein von Frankfurt ließ sogar seine gesangfertige Kehle ertönen. Aub und Stein, Ben Israel und Levisohn Adler, Fürst und Friedberg, Wassermann und Altmann und noch manche Rabbinen, Gelehrte und Viele aus dem Hause Israel waren ftöhlich und guter Dinge, als ob sie beim Mahle des Leviathan säßen. Und solches Zweckessen lobe ich mir, denn nach der Aussage des Gastgebers wurde mit vieler Gründlichkeit verfahren. — Doch war ich auch nicht beim Festessen, so besuchte ich die Synagoge noch öfter und wünsche, daß, wenn der Reiz der Neuheit auch gewichen, sic dennoch fort so gefüllt sein möge, wie in den ersten Sabbathcn. Anzeigen. ZxZ" Die israelitischenInstitute in Dresden für Knaben sowohl wie für Mädchen gebildeter Eltern, sind zur Aufnahme neuer Zöglinge fortwährend siluirt, und ertheilt jede beliebige Auskunft Die Direclion derselben M. Schwarzaner. Die Gemeinde Jülich wünscht einen Lehrer, welcher glcichzeirig die Cautor-Stelle zu versehen har, mir einem jährlichen Gchalre von 100 Thlrn. nebst freier Station, anzusteUcn. Hierauf Restccrircnde werden ersucht, sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse franco an den Uiucrzeichnctcn zu wenden. Der Vorsteher der israelitischen Scmcin-c. H. Mayer. Jülich, im August 185'>.

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