Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1855)
- Date
- 1855-08-27
- Page
- Seite 447 (sequence 5)
- Language
- German
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447 Friedens gepflegt werden wie nie zuvor, trotzdem diese Nation aus so ungeheuren Kämpfen eben hervorgegangen, insonders dadurch erhalten wird und immerfort wächst — weil alle Karrieren des öffentlichen und Staatslebens Allen offen stehen, die durch Talent, Streben und guten Willen sich dazu eignen; vielleicht gewahrte er auch, wie viele Juden dort, auch als Ingenieure, ercelliren, wie viele Vcrdienstkrcuze bereits die Brust von Juden schmücken. Ja, man kann dort Großes sehen und Vieles lernen, was daheim doch anders ist. Bor Kurzem erhielt ich von einem verehrten Greise zum Geschenk Dorow's Heftchen „Benedict Spinoza'S Randgloffen zu seinem Tractatus theologico-poliiicus. Berlin, 1835." Das Werthvollste an diesem Heftchen ist ein genaues Faesimile von Spinoza's Handschrift. Spinoza hat nämlich öfter ein Ercmplar eines seiner Werke verschenkt, nachdem er eigenhändig Randglossen hinzugefügt. Solch ein Eremplar des kracl. tlieol. polit., gedruckt zu Hamburg 1670 — angeblich, da er eigentlich zu Amsterdam gedruckt war — schenkte Spinoza den 25. Juli 1670 einem gewissen Jakob S. Klcftnann, und befindet sich dasselbe auf der Bibliothek in Königsberg. Spinoza schrieb hinein: liobilissimo Do. Do. Jacobo Statio Klefmann Dono I). Autor et nonnullis nolis iiluslravit illasque propria manu scripsit Die 25. Julii Anuo 1676. Die Hauptnote betrifft die Berechnung der Zeit, die zwischen Jakob's Wegzug von Laban und Ankunft in Chebron verlief. Die Hauptgründe, welche Spinoza für eine unverzügliche Reise Jakob's auffiellt, find sein Wunsch, seine Eltern zu sehen und sein Gelübde in Bethel zu erfüllen. Beide Gründe find sehr schwach. Denn in den Zügen, welche die Schrift zwischen Jakob's Rückkehr und Joscph's Verkauf berichtet, ist immer von einem „Wohnen" Jakob's die Rede. Zuerst baut er sich ein Haus und dem Diehe Hütten in Succoth (1 M. 33, 17.). Dann kaufte er das Feld bei Schechcm, wo er sein Zelt aufschlug (V. 19.). Dann wohnte Jakob unweit Bethlcchcm's (35, 22.). Es kann also hier überall nur von einem längern Aufenthalte an jedem Orte des halb fich anfiedelnden, halb nomadifirenden Jakob's die Rede sein. Daß er seine Sehnsucht, seine Ellern zu sehen, doch einmal befriedigen, und gleich nach der Rückkehr nach Chebron gehen konnte, ohne daß dies die Schrift zu erwähnen brauchte, ist klar. Sein Gelübde in Beth- El zu erfüllen, hatte aber Jakob gar keine Eile, und die Schrift läßt ja ausdrücklich (35, 1.) Jakob erst von Gott aufgefordert werden, nach Beth - El zu gehen. Siehe übrigens Ausführliches über diese Berechnung in unserm Bibelwerk Dd. I. S. 129. ff. und 178. — Bei dieser Gelegenheit bemerke ich, daß ich in Befitz eines Originalgemäldes Spinoza's auf Holz gemalt, und gut erhalten, bin. Ich bin Willens, es bei Gelegenheit lithographiren zu lassen. Dasselbe ist in der Revolutionszeit aus Amsterdam nach Paris und hier in Befitz einer Familie gekommen, die es mir nach Magdeburg brachte, woselbst ich es zum Geschenk erhielt. Der Name Spinoza's steht mit schon sehr erblichenen, aber doch noch lesbaren hebräischen und lateinischen Lettern, die offenbar die Zeit des Ursprungs jenes Bildes bezeugen, auf der hintern Seite der sehr gebräunten Holztafel. Es ist aus dem Jahre, in welchem er. Alles hinter fich werfend, Amsterdam verließ. Ein herrlicher Kopf, eine Stirn und Augen, die Jeden fesseln, der das Bild fieht, auch ohne zu wissen, wen es vorstellt. Dabei eine tieffinnige Ruhe über das noch jugendliche Antlitz ausgegossen. Uebrigens in Vielem abweichend von den bis jetzt bekannt gewordenen Darstellungen des großen Juden. Der in Nr. 33. mitgetheilte Artikel der Arch. isr. de Fr. aus London über die Trauung durch Dr. Adler erweist die Wahrheit unsrer, jüngst gegebenen Artikel über die jüdische Toleranz — denn hier ist abermals ein Versuch hierarchischer Intoleranz von den Juden selbst zurückgewiesen! Charleston (Süd-Carolina), den 22. Juli 1855. Geehrtester Herr Redacteur! Die Nummer 22. Ihrer Zeitung — 28. Mai d. I. — welche mir vor einigen Tagen zur Hand kam, enthielt unter der Ausschrift: „Einige schlimme Anzeichen von jenseits des Oceans", Bemerkungen, oder besser Behauptungen von Thatsachen, die, da fie unbegründet find, der Berichtigung bedürfen. Erlauben Sie mir, mit dem uns Juden insbesondere betreffenden Punkte zu beginnen; ich meine den Vertrag zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten, von dem Sie erfahren haben, daß er zum Nachthcile der amerikanischen Juden endlich abgeschlossen sei. Obgleich ich bei Lesung Ihres Artikels überzeugt war, daß Ihre Angaben auf falschen Nachrichten beruhen müssen, — denn wir find es seit einigen Jahren gewöhne, Befürchtungen über diese Angelegenheir von Deutschland aus zu vernehmen, die wir nicht thei-