Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1855)
- Date
- 1855-08-27
- Page
- Seite 444 (sequence 2)
- Language
- German
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444 Und zu Hülf in Noth und Wehe, Und wir nennen dies „Gemeinde." — „Sprichst Du, Bote, von den Juden? In der Kindheit Tagen haben Wir daheim ste oft verhöhnet — Und geachtet noch bis heut' nicht." — „Meinst Du, daß uns dies beirre? Wenn der Herr im Himmel droben Uns ein trübes Loos beschieden: Nun, so ist's, daß übermüthig Wir uns nicht des Guts erheben. Das Er ohn' Verdienst uns lieh, Daß nicht mit des Geistes Herrschaft Wir auch äußerlich zu herrschen Und zu unsrer Lehr' zu zwingen Andre suchen, da die Menschheit, Frei am Baum des Lebens reisend Und aus innerm Drang nach Wahrheit Immer mehr fich Juda nähern Soll, was wir im Innern bargen Ganz und rein durch die Jahrtausend Zu bekennen Einer Zunge. Wird die Schmach doch einst schon schwinden Und zum Sternenkranz der Ehren Werden um die Schläfen Juda's." — „Daß Ihr diesen Glauben heget, Will ich nimmer Euch bestreiten — Schon genug, daß was Ihr glaubet, Mit der Kraft, die nimmer wanket, Ihr durch Land' und Meere traget, Widersteh'nd dem mächt'gen Sturme, Der urplötzlich rast herüber, Widersteh'nd des Lebens Nordwind, Der durchciscnd weht und schneidet Viele Monde-doch die Mazzoth, Die Du nanntest, sag', was find sie?" — „Einstens wohnten unsre Väter In dem fernen Land der Mizrim; Diese wollten unsre Ahnen Zwingen, vor dem schwarzen Stiere Apis opfernd fich zu beugen. Vor dem Sperberkopf Osiris' Und der Katze bärt'gem Haupte. Da sie dies nicht find gewilligt, Sprechend: unser Vater Abrah'm Nur des Weltalls Einen Schöpfte, Richter dieser ganzen Erde, Anzubeten uns geboten — Knechtet Pharao sie grimmig Unter Lastarbeit und Geißel, Und die neugebornen Knäblein Wirst er in des Stromes Wellen — Beugen lassen Juda's Söhne, Aber nimmer zwingen fich. Und im riefen Meeresgründe Finden ihren Tod die Mizrim. Findet Pharao sein Grab — Während Juda's Völklein ziehet, Gotte jubelnd, in die Wüste, Von dem Sieg der Glaubensfteiheit Allen Zeiten Zeugniß gebend. Doch der Pharaonen Weise Starb nicht aus, zum eignen Glauben Andre mit Gewalt zu zwingen, Bald mit Tod und bald mit Knechtschaft Andersgläub'ge zu verfolgen. Um den seinigen zu ehren. Andren Schmach und Druck zu geben. Immer neue Pharaonen, Immer andre Mizrim standen Wider uns auf, wider Andre — Noch ist nicht des Glaubenszwanges, Glaubenskrieges Ziel zu sehen. Aber weht die schwarze Fahne Noch so höhnisch in dem Winde, Beugen lassen Juda's Söhne, Aber nimmer zwingen fich. Jährlich, wenn die Zeit naht, tönen Aus dem Meeresgrund die Stimmen Pharao s und seiner Mizrim, Klagend ob dem ew'gen Weh — Doch die Söhne Juda's setzen Fröhlich sich zum Mahle nieder, Mazzoth, ungesäu'rte Kuchen, Zu verzehren, wie die Väter Einst verzehrten ob des Dranges Und weil reines Brot des Lebens Sie bedeuten — denn zum Tode Dringt die Pharaonen alle Juda's Hirt im Meeresgründe, Doch die Glaubensfteiheit lebt.