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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-05 · Heft 80 (5.7.1838) · p. Seite 324

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 80 (5.7.1838)
Date
1838-07-05
Page
Seite 324 (sequence 4)
Language
German
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524 Bei der Revision dienen die vorhin festgestellten Steuerrollen zur Grundlage, und es werden dabei die unterdessen eingetretenen Veränderungen Ln den Vermögens- und Erwerbs-Verhältnissen hauptsächlich in Betracht gezogen, dergestalt, daß, wo diese Statt gefunden, eine Erhöhung oder Minderung des alten Steuersatzes eintreten muß. Die Revision selbst geschieht durch die im § 18 dieses Gesetzes bestimmten Personen und in der daselbst vorgeschriebenen Weise. H. 21. Die Lasten, welche aufzubringen sind, werden nach den Klassensteuersätzen dergestalt repartirt und ausgeschrieben, daß von diesen ganze, halbe Simplen, oder sonstige Th eile derselben erhoben werden. H. 22. Die Bestimmungen in den 56 bis 60 der Verordnung vom 30. December 1823 bleiben und in sofern bestehen, als durch die im gegenwärtigen Gesetze enthaltenen Vorschriften und den zwischen den Theilhabern der althesskschen judenschaftlichen Körperschaft über deren gemeinschaftliche Schuld- und Stiftungs-Verhältnisse getroffenen Vergleich keine Abänderung erfolgt ist. Cassel am 29. Oktober 1833. Anlage zu §. 17. In Bezug auf die Kassensteuer zu gemeinheitlilichen Zwecken sind die Israeliten in 42 Klassen getheilt; die erste zu 12 ggr. jährlich, bis zur 4ten (1 Thlr.) um 4 ggr. steigend; die 5te und 6te um ß ggr. steigend; von der 7ten bis 13ten um 12 ggr. steigend (also 5 Thlr. jährl.); von da bis 18 (10 Thlr.) um 1 Thlr. steigend, von da bis 23sten (20 Thlr) um 2 Thlr. steigend; von da bis 29 s50 Thlr.) um 5 Thlr. steigend; von da bis 34stm (100 Thlr.) um 10 Thlr. steigend; von da bis39ften (200 Thlr.) um 20 Thlr. steigend; die 40ste Klasse 225 Thlr.; die 41ste 350 Thlr.; die 42ste 300 Thlr. jährlich. (Anhang folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Berlin, im Juni. Allgemeine und besondere Verhältnisse. (Fortsetzung.) Wundem Sie sich indessen nicht, wenn ich von diesem Citat bis auf Hegel komme, denn es soll nichts Kleineres bewiesen werden, als daß Hegel und unser Klassiker Neumann einander ergänzen. — Es kann Niemanden unbekannt sein, daß der Hauptsah Hegels beißt: „Alles was ist, ist gut," schwerlich kann demnach Jeiuanden der acht philosophische Geist des citirrcn oder sich selbst cmrenden Neumann entgangen sein, denn sein: „So muß es kommen," drückt nichts anders als den Hegelschen Lehrsatz aus. Die IdemitätHegclv und Neumanns ist nicht nur bedeutend, sondern sie vertreten einander, denn wer wollte wol dem Neumann den höchsten Grad philosophischer Bildung und wer Hegeln Popularität nunmehr, absprechen wollen! Am bedeutsamsten abcr sind die Beiden in dem einen Umstand, daß sie den ächten berlinischen Indifferentismus ausdrücken. Was da kommt und kommen mag: Berlin theilt sich in die beiden indifferenten Ausdrücke, in jenem 1 gleichmüthigcn „So muß es kommen," oder in dem noch gleichmüthigern „Mcö was ist, ist gut." Und dieser Gleichmuth herrscht in den Interessen deS innern Judenthums hier in Berlin so vor, daß man unmöglich eine Farbe aus diesem Zusammenspiel heraus zu suchen vermag. Im Innern des Judenthums läuft hier Alles neben einander. Zu welcher Gährung die Stoffe auch schon gerathen sind, eS will sich nun und nimmermehr zu eins gestalten. Vielleicht nennen Sie diesen Zustand Toleranz; aber die ist es nicht. Die Toleranz ist jene Duldung, die dem Gegentheil eine Existenz laßt, ja sich mit ihm verbindet, und in sich getrennt, mit seinem Gegentheil einen Zweck zu erzielen strebt. Der Grad von Toleranz der hier herrscht, ist Indifferentismus, der da die Geschichte sich selber überläßt, Neumann-Hegelscher Gleichmuth, der da sagt; Mag das Schicksal selber sehen, wie es mit dem Judenthum zurecht kommt. Die berliner Gemeinde, gewiß sie ist bedeutend, es stehen kluge, umsichtsvolle Männer an der Spitze, die im Leben Ansicht und Energie wol besitzen, aber in Bezug aufHas Iudenthum selber laßt sich gar keine Richtung absehen, ja gar keine Ansicht abnehmen, die sich aus der Gesammtthätigkeir ergeben müßte. Eher wird es Ihnen bei der geringsten Gemeinde gelingen, ein Streben heraus zu fiyden, als hier in Berlin, wo doch ein i Streben tri die Augen fallen müßte. — Jeder kennt den Kamps zweier streitender Partheien innerhalb des Judenthums. Ein Gemeinde-Vorstand soll und muß nach einem Prinzipe handeln, eine Parthei begünstigen, oder was gewiß am Besten ist, die Vereinigung und Zufriedenstellung beider Parkhcien suchen. Der berliner Gemeindevorstand läßt die Sachen auf sich beruhen, so daß hierin eine förmliche Anarchie der Meinung herrscht, und anstatt tun energischen Mitteln einer ganzen Monarchie als Muster voran zu schreiren, umschränkt der Vorstand seine Tbätigkeit auf wohltbänge Lokal-Einrichtungen, die an und für sich lobenswerrh, die Sache des Judenthums ganz und gar unberührt laffen. Das Geijtige, die theoretische Begründung eines festgestellten Judenthums, ate, das bisher jedem Angriff preisgegebene hervor zu rufen, ist hier gar nicht in Betracht, vielmehr wird hier ein Cordon gezogen, um alle Lokalintereffen, auf das sie ja nicht aus dieser Umzäunung herauögehen, und das hauptsächliche Augenmerk Berlins geht auf „Berliner Kinder." Vielleicht verstehen Sie unter den Worten „Berliner Kinder" wirklich die Jugend Berlins, aber da täuschen Sie sich sehr. Wir haben hier Berliner Kinder, die keinen .Zahn im Munde haben und deren Kinder schon KindeSkinder haben könnten, und diese alten Kinder sind so von Lokalstolz besessen, daß sie nach Behauptung eines Witzlings gewiß auch im Himmel ein besonderes Paradies unter dieser Rubrik vorfinden. Diese Exemplare so vereinzelt sie dastehen, machen einen so ungethcilten Anspruch aus Berlin, als ob sie mit Albrecht dem Bar schon auf dsr Jagd gewesen wären, und alles was von außerhalb dem Weichbild unserer guten Stadt herkommt, muß scheel betrachtet werden. Und dennoch ist fast alles, was hier nur Besseres und Bedeutendes im Judenthum existirt von außerhalb herangezogen, während Berlin wenig dafür lieferte. Aber eben hier sehen Sie wieder den Indifferentismus, oder die oben angeführte Hegel-Neumann- Philosophie. (Fortsetzung folgt.) Redacteur: Dr. L. Phklrppftm. - Verlag von Baumgartners Buchtzarrdlurrg. — Druck von I. B. Hirschfeld.

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