Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1855)
- Date
- 1855-07-23
- Page
- Seite 380 (sequence 2)
- Language
- German
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380 Ueber Elis' weite Ebne, von dem Meere hochumbrandet, Breiten sich die heitren Schaaren, die gewandert, die gelandet. Dreimal steiget aus den Wellen Helios die steile Dahn, Dreimal sinkt er müde nieder in des Wcstmeers schlamm'- gen Plan — Bis der Sieg in allen Spielen vor der wonnetrunknen Menge Hat die Tüchtigsten gekrönet aus des harten Kampfs Gedränge, Bis beim Schalle der Posaunen, Pauken und der Cymbeln Dröhnen Laut verkündet ward ihr Name vor den tapfern Hellassöhnen, Ach! ihr Name, nun unsterblich, und in hartes Erz gegraben — Heil den Städten, die sie einstens mit dem Licht begrüßet haben. Aber fernab von des Volkes lustgebornem Drang und Brausen, Zn dem bergumzognen Thale, wo nur die Dryaden Hausen, Und aus ihren hohen Wipfeln heil'ge Schatten lieblich senken, Und des Zephyrs lindes Säuseln durch das dichte Laubwerk lenken. Dort, wo schon der Väter Weisen ringsum Rasensitze bauten. Hier, indeß die tapfren Stämme auf die Kampfesspicle schauten, Höhren Kämpfen beizuwohnen um erhabnen Geistes Sieg, Wenn er des Parnassos Höhen leichtbeschwingter Sohl' erstieg. Wo jüngst HerLdötos' Lippe von der Völker Thun und Sitten, Von dem Schaftniß ihrer Hände, was sie kämpfend sich erstritten, Mit geflügelt leichter Sprache vor ergriffnen Hörern las. Von der Menschenstämme Lieben, von der Menschenstämme Haß- Allda saßen heut' auch Männer ernsten Angesichts vereint, Lauschend auf das Lied des Sängers, das dem Menschen Götter eint, Horchend auf den Spruch des Weisen, des Erzählers Sagenkunde, Die mit tiefem Forscherblicke schauen in der Menschheit Wunde — Dann und wann nur schall'n herüber von der Rennbahn Jubclstimmen, Lauter Zuruf, muth'ge Kämpfer immer stärker zu ergrimmen. Da erhob den Führerstecken Greis Alkmäon — Alles schweiget. „Saftet jetzt die heitren Sänge, daß zum Ernst der Geist sich neiget. Nicht aus Hellas' nur, Jüon's gastlichen Gestaden kamen Männer, die voll tiefen Geistes und daheim mit Ehrennamen, Sondern aus den weitsten Fernen strömten sie in dieses Thal, Das geheiligt den Olympiern ach! seit Zähren ohne Zahl. Mächtig ist der Sttom des Geistes, der durch Hellas' Gauen fließt, Und in Kunst und Sang und Rede tausendfältig sich ergießt — Aber was des höchsten Kampfes würdig: dieser Welt Entstehen, Der erhabnen Götter Wesen und des Lebens Macht und Höhen Mit dem Geiste zu ergründen und im Worte auszusprechen — Wer Dies trägt in seinem Innern, hier soll er das Schweigen brechen. Daß die Letzten der Barbaren Hellas' Geistesflammen schauen. Und Jäon's mächt'gcs Walten fürchten mit des Herzens Grauen. Aber Freiheit walle Allen, wen es treibt, der möge reden — In des heil'gen Oelbaums Schatten Hut' Athene ihn vor Schäden!" — Beifall folgt dem Wort Alkmäon's, und inmitten tiefem Schweigen Hebt tiefsinnig weise Rede an der Sprecher langer Reigen, Und der Erste kündet kräftig Hellas' alte Götterlehre, Wie den Ursprung einst der Zeiten Vater, Chronos, giebt, der hehre, Wie dann Uranos und Gaia aller Götter und Göttinnen Mächtige Erzeuger werden, die zu schaffen nun beginnen Himmel, Erd' und Meercswozcn und die Unterwelt im I Schatten, Stein und Pflanzen und Gethiere und die ersten Menschengatten;