Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1855)
- Date
- 1855-07-02
- Page
- Seite 351 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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351 Anzeigen. Nekrolog. Am 1. Kislow 5615 wurde ein hoffnungsvoller Schüler von ausgezeichneten Talenten und reinem Wandel, in der Dlüthe seines jugendlichen Lebens, nach einem viertägigen Leiden, ins Reich des ewigen Fortschrittes abgerufen. Wenn Nekrologe nur den ausgezeichneten merkwürdigen Abgeschiedenen bis nun geweihet wurden, so möge solcher auch einem 15jährigen Studenten als Echo seines guten Rufes gelten. Ein so kurzes, flüchtiges, irdisches Sein führe die unbesonnene Jugend auf Ueberlegung und ins Reich des Bessern hin und zeige ihr: wie kostbar die Zeit, wie wichtig ihre Aufgabe ist! Osias Kahane, Schüler der IV. Claffe am k. k. Stanislaner Obergymnasium, war einer der ausgezeichneten, die als Muster dargestellt zu werden verdienen. Er war ausgezeichnet durch seinen rastlosen Fleiß, durch seinen religiös-moralischen Wandel, ausgezeichnet durch seine Bescheidenheit und seine Vorliebe für Religion und Mathematik. In beiden Gegenständen fand er sein Vergnügen und mit unermüdetem Eifer suchte er diese steile Anhöhe des abstracten Forschens zu erklimmen, um den Weg zur ewigen Wahrheit zu finden. — In Religion und Mathematik machte er große Fortschritte; da er auch, im .Hause seines gelehrten Herrn Vaters Hillel Kahane, in einen höchst gebildeten Kreis gezogen wurde. — Hier wirkten vereint die Schule und das Haus: öffentliche und häusliche Erziehung! Und auf diese Weise gedieh diese schöne Blüthe zur allgemeinen Freude! — Sanftmuth und Bescheidenheit, Aufmerksamkeit und Gehorsam waren seine treuen Gefährten. Er verließ uns bei der aus Jsaias Eap. 40 V. 9 vorgetragenen Stelle: „Immer vorwärts! stets dem ewigen Fortschritte geistiger Entwickelung sei Deine Aufgabe, Du Heilverkünderin Zion. Mit aller Kraftanstrengung strebe Du, Heilverkünderin Jerusalem, die Erkenntniß Gottes furchtlos zu verbreiten." Und so mögen auch diese Worte das Herz der zurückgebliebenen Jugend erbauen, daß sie den mit Dingen verbundenen Sinn erfasse und der Wahlspruch sich auch von nun an bei ihr bewähre: marj 17 mm it — „nur im unermü dcten Forschen der heiligen Lehre und jener zur Wahrheit führenden Wissenschaften ihren einzigen Beruf zu haben, nur in ihr den Lohn zu sehen!" Und so möge sich auch jedes betrübte Vater- und Mutterher; hierin erbauen: daß die Allweisheit des Weltengärtners nur die bessere Verpflanzung dieses grünen Reises will, damit er, in ein sanfteres Klima gebracht, immer frisch grüne und sich kräftiger entfalte. Unser Beruf ist für die Ewigkeit bestimmt, dort findet der sich hier nur entwickelnde Geist die für seine Wißbegierde ersehnte Beftiedigung. Und so mögen auch seine Eltern frühzeitig es beherzigen, daß sie ihre von der Allgüte nur auf kurze Zeit ihnen anvertrauten Kinder der Lehre Gottes und dem zur ewigen Wahrheit führenden Studium nicht mehr so hartherzig entziehen. — Denn der wahre Trost kann nur darin gefunden werden, wenn man im Innern sich bewußt ist: seine Pflichten hier genau erfüllt zu haben. M. N. Wolkenskein, Rcligionslehrer am Obergymnafium. Zum 1. September, spätestens 1. October d. I. ist in hiesiger Gemeinde die Stelle eines Schächters und Dorbetcrs zu besetzen, welcher befähigt ist, den gottesdienstlichen Chorgcsang zu leiten, sowie sechs- bis achtjährige Kinder in den Elementar-Kenntnissen zu unterrichten. Jährliches Gehalt 200 Thlr., wozu noch etwa 50 Thlr. an Nebeneinkünften. Betreffende Meldungen nebst Zeugnissen find portoftei an den Unterzeichneten zu richten. Neuwed ell bei Arnswalde, Juni 1855. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. In meinem Bezirke find einige gut dotirte Stellen als Lehrer, Cantor und Schächter gleich, oder sobald die Bewerber abkommen können, zu besetzen. Solche, die zugleich im Englischen und Französischen Unterricht ertheilen können, finden gute Gelegenheit, dadurch das Einkommen zu erhöhen. Reflectanten wollen sich an mich wenden und erhalten auf Wunsch nähern Aufschluß. B. Wechsler, Landrabbiner in Oldenburg. Bneanz. Die Stelle eines Religionslehrcrs, der zugleich am» und ims zu sein hat, ist hier erledigt. Unsere Ansprüche find ns*i\ Fachkenntnisse und Gewandtheit bei empfehlendem Aeußern. Die Besetzung soll unter annehmbaren Bedingungen, vorzüglich nach Würdigkeit des Bewerbers gestellt, sogleich erfolgen. Lübeck, den 24. Juni 1855. Der israelitische Schulvorstand. A. Guurpel. Zum 1. November d. I. soll die Stelle eines Oekonomen am Krankcnhause der deutsch-israelitischen Gemeinde Hieselbst neu besetzt werden. Derselbe muß verheirathct sein, gut schreiben, rechnen und etwas Buchhallen können. Reflectanren haben sich schriftlich — Auswärtige in portofreien Briefen — bei dem d. Z. Präses Herrn Henry GotvN, bei welchem die näheren Bedingungen zu erfahren find, bis zum 31. Juli d. 3. zu melden. Hamburg, im Mai 1855. Die Verwaltung. Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters bei der hiesigen israelitischen Gemeinde ist