Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1855)
- Date
- 1855-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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19. Jahrgang. je 26 Allgemeine Zeitung -es Iudcnthmns. Ein Unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 25. Juni 1855. Diese Zeitnnz erscheint wöchentlich einmal. Montag». und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. de» Titel». Register«, u. s. w. um» fassen. In Gemäßheit de« Zwecke«, derselben die allgemeinst« Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit S Tblr. für dr» Jahrgang; — 1 Thlr. IS Rgr. st Thlr. 12 g<Sr.) für sechs Monate — 22'/s Rgr. (18 gGr.) für da« Bierteljabr »»gesetzt worden. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung««Expeditionen nehme» Bestellungen au; der Hauptspeditiou für beide Letztere hat sich die löuigl. sächs. Zeitung»»Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Aus Len Bergen. Ul. — Literaturbericht. VI. Zeitungsnachrichten: Deutschland: aus dem Mecklenburgischen. auS Baden. Oesterreichischer äkaiserstaat: Wien. Wien, auS Mähren, aus Böhmen, Weßprim. Amerika: aus Nordamerika. Leitende Artikel. Harzburg, 15. Zuni. Aus den Bergen. III. Der alte griechische Philosoph Empedokles behauptete: Alles in der Welt f:i geworden und werde durch Zufall; die natürlichen Dinge seien durch Zufall so oft anders geworden, bis sie zufällig so wurden, wie sie bestehen können; es habe erst Menschen mit zwei köpfen, drei Fußen u. dgl. gegeben, bis endlich zufällig solche wurden, wie fie jetzt sind und bleiben. Jedermann hat diese Lehre verlacht, Niemand sich die Mühe genommen, fie zu widerlegen. Ist aber nicht die entgegengesetzte Lehre von der unbedingten Not hwendigkeit, daß Alles unbedingt nach der in ihm liegenden Nothwcndigkeit wird, eben so lächerlich?... Ich stehe hier auf einem der höchsten Gipfel des schönen Gebirgszuges; eine große Mannichfaltigkeit von Bergkuppen überschaue ich, ihre Anmuth reizt, ihre Menge erstaunt die Seele; nach den verschiedensten Richtungen streifen die Bergzüge; dazwischen die mannichfaltigsten Bertieftmgen, breite und schmale Thäler, Risse, Schluchten; dort treffen fie zusammen, und die Vorposten von drei, vier Bergwänden berühren sich fast nachbarlich; welche Windungen, Winkel, Ecken... fie alle überragt dann der hochrückige Brocken mit seinen glänzenden Schneefeldern noch jetzt im Juni.... wie kann hier eine unbedingte Nothwendigkeit gewaltet haben, um einen solchen Wirrwarr an Form und Stoff hervorzubringen?.. Ein Stein wird von dem Haupte eines Felsens losgetrennt, cheilS durch sein eignes Gewicht, theils durch austhauendeS Eis, er stürzt nieder, dies ist sein Gesetz, also nothwendig; daß er, wenn er auf Widerstand trifft, den er nicht überwinden kann, liegen bleibt, ist auch sein Gesetz, also nothwendig; daß er aber nun wirklich auf solchen Widerstand in einer wenig schiefen Fläche trifft, das ist keine Nothwendigkeit, sondern „Fügung" (Ihr sagt „Zufall".'), und Alles, was sich hieran knüpft, geschieht zwar einzeln nach Gesetzen, also nothwendig, aber im Zusammenhang nur durch die „Fügung". Es reißen fich andere Steine loS und bleiben an diesem ersten liegen, so daß sich ein Haufe bildet; durch einen dadurch entstandenen Riß kommt eine Quelle zu Tage, sie trifft auf jenen Felshaufen, unterwühlt dessen Grund, und eines Tages stürzt der ganze Felshaufen die Fläche hinunter in das Thal und begräbt Alles, was er auf dem Wege findet, Menschen, Thiere, Häuser; aber er füllt auch das Thal an dieser Stelle; der Weg des Flusses ist versperrt,