Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1855)
- Date
- 1855-05-28
- Page
- Seite 278 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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278 3n der Proclamation ist überall nur von den „Rajahs" die Rede, es ist kein Unterschied zwischen Juden und Christen gemacht. Hiermit find die Versprechungen des Sultans und seiner Gesandten, daß die Juden mit den Christen gleichgestellt werden sollen, erfüllt. Dieser große Dvrschritt beruht auf der soliden Basis, daß cs der Stellung der hohen Pforte sehr angenehm sein muß, außer den Christen noch einen nicht-muselmännischen Theil der Bevölkerung zu haben, welchem sic dieselben Rechte erthcilcn kann, wodurch die Freiwilligkeit ihrer Handlungen viel scheinbarer wird, so wie in den Juden wirklich ein Gegengewicht zu haben, was im Orient, wo die Nationalitäten noch so scharf ausgeprägt sind, von Bedeutung ist. Allerdings kann man aber auch sagen, daß die vielseitig bcthätigte Theilnahme der europäischen Juden an diesem großen Ercigniß einen bedeutenden Antheil habe. Und zuletzt wird man cs uns nicht verargen, wenn wir darauf Hinweisen, daß wir zuerst die öffentliche Auftnerksamkcit hierauf gelenkt, Lurch öffentliches Wort, so wie eine Menge Privatschreiben überall angeregt, und endlich persönlich gewirkt haben. So möge unter Gottes Gnadcnschutz auch Dies weiter gedeihen! Bald noch ein näheres Wort. Einige schlimme Anzeichen von jenseits des Gceans. Die menschlichen Leidenschaften finden überall Grund und Boden, um ihr Unkraut auszusäen, und wucherisch cmporzutreiben. Wir halten auch Amerika nicht für alle Zeiten frei und vcnvahrt vor Stürmen, welche durch jene in den Staaten angefacht werden. Auch da find ungeheure Streitclemente aufgehäuft, die zum Austrag kommen müssen. Die Selavenfrage, die Frage der Erbpächter u. a. sind von ungeheurer Tragweite und müffen irgend einmal entschieden werden. Und sind nicht schon Gesetze daselbst erflossen, welche, so sehr sic auch in der praktischen Lage begründet sein mögen, doch bereits Ausschließung und Beschränkung in sich enthalten, z. B. Ausschluß der Fremden von allen Aemtcrn? Wir wollen hier nicht erwägen, daß der Boden von ganz Amerika mit dem Blute der vernichteten Urbewohner getränkt ist, daß insbesondere Mittel- und Südamerika der Schauplatz großer Verbrechen an der Menschheit waren, daß selbst die südlichen Provinzen von Nordamerika noch bis heute ein „Sclavenrecht", d. h. ein Sclaven un recht, haben und üben, wie es bei den Römern und Spartanern nicht so arg, wie es insbesondere von unserer heiligen Schrift schwer verpönt ist — und daß dies Alles die Lage bedenklich macht. Aber waS unS aufmerksam und nicht unbesorgt hinsichtlich unsrer Glaubensgenossen macht, das ist nicht jener verächtliche Aufstand in Coro, wovon wir in Nr. 20. berichteten, denn das ist spanisch — auch nicht der Artikel aus San Francisco (Californien), den wir in dieser Nummer zu geben haben, denn wo erplodirt der Fanatismus und Egoismus nicht irgend einmal — sondern vielmehr die uns eben zukommende Nachricht: daß die nordamerikanischen Staatsbehörden der Schweiz nachgegeben, und den seit sechs Jahren in der Unterhandlung sich befindenden Handels- und Niederlassungsvertrag auf die christlichen Nordamerikaner und Schweizer beschränkt haben, nachdem er bis jetzt hieran gescheitert war. Dies ist eine Niederlage der Nordamerikaner, deS Geistes ihrer Verfassung und ihrer Gesetze, welche von übelster Vorbedeutung erscheint. Die strengen Consequcnzen wenigstens find schlimm... Jndeß verlassen wir uns darauf, daß die Befürchtung, es könne auch bald eine Seele und Kirche gegen die andre versuchen, was gegen die Juden geschieht, unsere Glaubensgenossen schützen werde!... Merkwürdig ist übrigens, daß dieser Tractatabschluß gerade unter dem jetzigen Präsidenten geschieht, oder vielmehr nicht merkwürdig, da er sich ja als Ueberläufer auch in anderen Dingen gezeigt. Der große Umschwung. IV. So bieten sich demnach der Wege, durch welche die Erhaltung des Judenthums in seiner bestimmten, positiven Erscheinung ermöglicht und gefördert wird, mehrfache dar, und es bedarf irr der That nur der Energie, welche von den Bekenner» einer Minoritäts-Religion, wie von jeder Minoritätspartci mit Recht gefordert werden kann — da ohne sie ihre ganze Eristenz eine mit Recht fragliche sein wird — um auch das Judenthum in seinem vollen Vigor wirken und seine neue Stellung inmitten der civilisirten Welt behaupten zu sehen. Nur,