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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-05-21 · Heft 21 (21.5.1855) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 21 (21.5.1855)
Date
1855-05-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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- -0 Jahrgang. Allgemeine — Zeitimg -es Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerauSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps«) n in Magdeburg. Leipzig, den 21. Mai 1855. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Montag», und wird jäbrlich 78 Bogen in Quart incl. de» Titel«, Register», u. s. w. nm. fassen. Zn Gemäßheit de« Zwecke«, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Prei« äußerst uiedrig: mit S Tblr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 g<Sr.) für sechs Monate — 22'/u Rgr. (18 g<Sr.) für da« Vierteljahr angesetzt worben. All« Buchhandlungen. Postämter und Zeitung»»Expeditione» nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere har sich dir köuigl. sächs. Zeitung» - Expedition allhier uaterzogeu. Inhalt. Leitende Artikel: Der große Umschwung. IN.— Literaturbericht. IV. AeitungSnachrichteir: Preußen: Berlin, Anclam, Wongrowiec. Orsterreichischer Äaiserstaal: Libochowitz, Weßprim. Italien: Modena, Florenz, Turin. Amerika: Cincinnati. Korrespondenz: vr. Lilienthal'S Aufenthalt in Rußland. VII. Leitende Artikel. Magdeburg, 14. Mai. Drr große Umschwung. III. Die religiöse Idee, wie sie im Mosaismus, im ganzen Judenthume in allen seinen Phasen, auch in den positiven Religionen, die aus ihm entstanden find, gegeben und zur Dethätigung gekommen ist, ist nicht blos Gottlehre, sie ist insonders auch die Verkündigung der Liebe. Das Judenthum insonders schrieb nicht blos die Liebe zu Gott vor (5 Mos. 6, 5.), sondern, indem es die ganze Schöpfung als einen Ausfluß der Liebe Gottes lehrte (Ps. 136. 104. 145. und oft), indem es die göttliche Vorsehung nur aus Liebe beschließen läßt (z. B. nmab ir aa, oder nmar; br -paa-a a«a rw-in br -pab an» a^n dgl. m.), machte eS die Liebe zu Gott zum Wesen deS religiösen Menschen. Der MosaiSmus begnügte sich nicht damit auszurufen: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!" (3 Mos. 19, 18.), sondern es pflanzte durch eine ganze Reihe bestimmter Vorschriften die t h ä t i g e Liebe in seinen Bekennern tief ein, innerhalb jener Vorschriften dennoch dem Individuum die Freiheit der Wohlthätigkeit und ihrer Maße lassend; man weiß, wie die Propheten die wcrkthätige Liebe über alle anderen religiösen Vorschriften setzten und in ihr daS wahre Heil des Menschen, seine Versöhnung vor Gott fanden (z. B. Jeschaj. Cap. 58., Michah 6, 8. und oft); und eine der ersten und höchsten Aufgaben des Talmudismus war es, unter den veränderten Verhältnissen des Volkes demselben neue, angemessene Vorschriften der wohlthätigcn Werke zu geben. (Vgl. unser Siloah II. S. 250.) Wer kann es noch bezweifeln, daß die wcrkthätige Liebe eines der Hauptelemente deS JudenthumS ist, daß sie zum Hauptzweck gehört, um dessentwillen die religiöse Idee in die Welt gekommen, daß der Jude ganz besonders zu ihrer Ausübung verpflichtet ist, und daß ein Jude, der — nicht aus Jnstinct und Eitelkeit, sondern — mit religiösem Bewußtsein die werkthätige Liede in allen ihren Normen und Wegen ausübt, so gut ein religiöser Jude iß, wie wer die religiösen Satzungen mit aller Strenge ansüdt, ja noch mehr als der, welcher diese ohne jene auSübt. Ja, ich bekenne vor Gott und Menschen als

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