Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1855)
- Date
- 1855-04-16
- Page
- Seite 202 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Indem wir für obige freiwillige Gaben hiermit öffentlich den wärmsten Dank aussprechen, können wir im Allgemeinen auf ein so geringes Resultat, bei einer so wichtigen und bedeutungsvollen Sache, für deren Gedeihen die Rabbiner wie die Gemeinden und deren Vorsteher mit gleichen Kräften thätig fein sollten, nur mit großem Bedauern Hinweisen. — AuS ganz Deutschland ist, Frankfurt und Mainz abgerechnet, für den unangreifbaren Fond die Summe von fl. 56. 36 kr. eingegangen!-Bedenkt man, mit welchen Mühen und oft aufreibenden Sorgen das Leben der jetzigen Rabbiner verbunden ist, bedenkt man ferner, daß deren Stellung, durch die Erringung wissenschaftlicher Bildung, wohl eine höhere, jedoch in materieller Beziehung selten eine solche ist, daß dieselben durch Hinterlassung von irdischen Gütern auf eine zureichende Weise für die Ihrigen sorgen können, so sollte man mit Zuversicht erwarten, daß eine Anstalt, wie die Rabbiner-Wittwen- und Waisen-Casse, sich in hohem Grade der Theilnahme und der Unterstützung von Seiten der Gemeinden allseitig erfreuen müßte. — Za, dieselben müßten ihre Rabbiner zum Beitritte auffordern, und wo die Zustände eS gestalten oder gebieten, die verhältnißmäßig kleinen Jahresbeiträge äuS der Gemeinde - Casse leisten, um sowohl dem Rabbiner, wenn solcher auf ein geringes Einkommen gestellt ist, den Blick in die Zukunft der Seinigen zu erheitern, als auch sich selbst, eintretenden Falls, die unangenehme Alternative zu ersparen, entweder die Gemeinde mit einer großen JahreSauSgabe für die unbemittelten Hinterbliebenen ihres Rabbiners zu belasten, oder die RabbinerSwittwe, welche dereinst neben ihrem Gatten ehrbar da stand, in kümmerliche Zustande hinabsinken zu sehen. ES ist unS ein Fall aus einer achtbaren Gemeinde bekannt, wo beim Hinscheiden ihres jungen und würdigen Rabbiners dessen Hinterlassene, für welche die Gemeinde nicht genügend sorgen konnte, in eine solche traurige Lage kamen, daß für dieselben die Wohlthätigkeit anderer Gemeinden in Anspruch genommen werden mußte. Trauriges Loos für den Rabbiner! Beschämender Zustand für die Gemeinde! Roch auffallender aber muß eS unS erscheinen. Casse ein Geschenk von fl. 500 zustellen, welches in der aus Frankfurt a. M. verzeichneten Summe von fl. 1341 begriffen ist. daß die Förderung unserer Anstalt den Herren Rabbinern selbst nicht mehr am Herzen liege. Der unangreifbare Fond müßte ein ganz anderes Resultat, der angreifbare Fond eine ganz andere Anzahl von Theilnehmern — eS sind jetzt deren 31 — kundgeben, wenn die Rabbiner selbst mit größerem Eifer sich dieser Sache annehmen würden, — dieser Sache, bei welcher sie selbst, oder doch ihre Collegen, deren Schicksale ihnen nahe gehen, so außerordentlich betheiligt sind! — Ja, wir dürfen eS nicht verschweigen, selbst unter den Beigetretenen ist eine größere Anzahl der verehrlichen Mitglieder nicht so genau und pünktlich in Einsendung ihrer Beiträge, als eS daS Interesse der Anstalt, die einzuhaltende Ordnung, sowohl in der Buchführung als in der Verzinsung der eingehenden Gelder, dringend erfordert. Wir müssen wohl annehmen, daß dieses bei den Meisten nicht aus Mangel an Eifer für die Sache geschehe, sondern oft im Drange amtlicher Geschäfte seine Begründung habe. Die Direction hat deshalb in der Sitzung vom 28. September v. I. den Beschluß gefaßt, sowohl zur Einhaltung des statutenmäßigen Geschäftsganges, als zur förderlichen Erinnerung der Herren Interessenten selbst, je vier Wochen vor den betreffenden Terminen, Briefe an die Mitglieder ergehen zu lassen, um auf die bevorstehende Zahlung aufmerksam zu machen. Es soll von unserer Seite gewiß Alles geschehen, was zur Förderung des heilsamen Unternehmens gethan werden kann, und dürfen wir wohl nochmals, als Beweis hiefür, auf daS günstige Resultat der hiesigen Sammlungen für den unangreifbaren Fond Hinweisen. Möchte dieses Beispiel allenthalben Nachahmung finden; möchten namentlich die Herren Rabbiner bedenken, daß eine Anstalt, wie die nun einmal begründete, wenn solche durch Vernachlässigung und geringe Theilnahme wieder zerfiele, schwer, ja fast unmöglich auf's Neue begründet werden könnte, so daß deren Aufrechterhaltung für die Betheiligten, — und zu diesen gehört der ganze deutsche Rabbinerstand, — als eine doppelt heilige Gewissenssache erscheint. —" Preuße«. Berlin, 27. März. Die aus ungefähr drei Hundert Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Hierselbst bestehende Gesellschaft Magine Reim, deren Tendenz ge-