Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1855)
- Date
- 1855-04-16
- Page
- Seite 200 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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200 eine sehr reiche gewesen sein. Denn von demselben Jahre (1419) ist uns ein Act des fürstlichen Landgerichtes erhalten, vermöge dessen Sara in alle die Güter Friedrichs von Riedern eingewiesen wird; zu Sicherung ihres neuen Befitzthums mußte der ganze fränkische Adel diese Urkunde mitunterzeichnen, und so werden wir eine vollständige Auszählung der damaligen fränkischen Adelsgeschlechter mittheilen können; ein seltenes Vorkommen bei Actenstücken aus dieser Zeit. Hier folgen beide Urkunden: 1) Als die Juden Ertzlin gefreyet ist 3 Jare 1419. Wir Johanns ect. Tun kunt ect. als vormals mit Uns uberkomen ist Sara Juden Ertztin, daz sie Uns jerlichen für den gülden pfennig 2 gülden und dartzu sust zu stewern vnd lipniss zehen gülden. Also wollen Wir es die zyt alsdann mit Uns daromb ist ubernomen, bilden lassen und dartzu dise nechsten drei gantze Jare aus gebrauchung irer hanllirung ungehindert von Uns und Unsern wegen ongeuerde und ob sie ymand darumb anlangen wolle oder anlangte, gein den sollen wir sin nach Vnserm besten vermögen daz das abkome und abgetan werde ongeuerde. Datum feria tertia ante Jubilate 1419. 2) ImmissionsbriefT Sara Jüdin zu Würtzburg in alle die güter, szo Friderich von Riedern zu Lauden sesshafit, im Stillt und Herzoglhumb zu Franken besitzt. Wir Reinhardt von Masspacli, Domher zu Würtzburg und Landtrichter dess Herzogenthums zu Franken thun kund Allen Lüthen mit disem brieve, dass wie unns am Landtgericht ervollet vnd erklaget hatt vnd auch mit rechter klage unnd ortheil in nutz gewehr gesezt ist Sara die Jüdin Ertztin zu Würtzburg uf Friederichen von Riedern zu Luden gesessen, uf sein leib vund uf sein gute und uf Alles, dass er hat im Herzogenlhumb zu Francken, wie dass Alles geheissen mag und wo dass gelegen ist oder namen halt. Wir sagen die obgeschriben Sara die Jüdin in nulzgewere der obgeschriben gueler aller mit krallt vund macht diss brives ect. ect. Wir fahren fort. Ein anderer Freibrief, der einem israelitischen Arzte ertheilt wurde, ist vom Jahre 1456. Bischof Johann 11. ertheilte dem Juden-Arzt Heylmann 1456 die Erlaubnis, innerhalb der Grenzen des Hochstiftes unter fürstlichem Schutz und Schirm überall freie Praris üben zu dürfen, deshalb war ihm gestattet, gleichwie früher dem Dr. Seligmann, überall im Hochstiste stei und ungehindert umher wandern zu dürfen, wobei den Amtleuten auf das Schärfste eingeprägt wurde, Beleidigungen oder Angriffe auf seine Person strengstens zu bestrafen. Mit den einbrechenden Stürmen der Reformation begannen auch wieder die Verfolgungen der Juden auf's Neue, theils aus fanatischem Glaubenseifer, theils auch wie früher, aus Gründen der Lüsternheit auf das durch den bisherigen ungestörten Besitz angewachsene Vermögen der Juden. So finden wir denn noch gegen das Ende des 16. Jahrhunderts eine Bulle Papsts Gregor 111., welche befiehlt, daß Juden und andere Ungläubige die Krankheiten der Christen nicht heilen dürfen. Aber auch im 17. Jahrhundert schrieb die protestantische Faeultät der Theologie zu Wittenberg folgenden Bericht über die an sie gestellten Fragen: Ob ein Christ in seiner Krankheit ohne Verletzung seines Gewissens und Glaubens einen Juden-Arzt außer dem Nothfall (!) brauchen könne? und ob ein christlicher Arzt mit gutem Gewissen mit und neben einem Juden-Arzt euriren könne? Dem christlichen Volke sei aus hochbeweglichen Ursachen verboten worden, sich von den Gottes und Menschen Feinden, den Juden arzneyen zu lassen. Jeder christliche Medicus aber solle sich auf das Aeußerste bemühen, den Patienten zu bereden, daß er von dem Juden-Arzt ablasse. Wenn aber ein christlicher Medicus auf sein eigen Gutachten einen Juden zur Cur einladen oder mit ihm euriren würde, so wäre das eine nie zu verantwortende Handlung. Also beschlossen zu Wittenberg, 21. Februar 1643. Dieses Gutachten stützte sich hauptsächlich auf jenes der Straßburger Faeultät vom 30. Deeember 1642, das ebenso dickleibig wie absprechend verfaßt So weit Herr H effn er, dessen Arbeit wir als einen höchst schätzbaren Beitrag anerkennen und empfehlen. (Man erinnert sich, daß vor einigen Jahren auch in Wien ein bedeutender Arzt die jüdischen Aerzte beseitigen wollte, was — ihm aber nicht gelang! Redaet.) Zeitungsnachrichten. Palästina. Magdeburg, 8. April. Wir find so eben in Besitz der Quittungen über unsre letzte Geldsendung gekommen, worüber in nächster Nummer ausführlich.