Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1855)
- Date
- 1855-03-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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_19. Jahrgang. Allgemeine 13 Zeitung des Zudenthums. Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 26. März 1855. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Montag», nad wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. de» Titel». Register». u. s. ». um» fassen. In Gemäßheit de» Zwecke», derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mir 3 Tblr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Rgr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22'/» Rgr. (18 gGr.) für da» Vierteljahr angesetzt worden. NSe Buchhandlungen. Postämter und Zeitung» - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hanptspedilion für beide Letztere hat sich die königl. fächf. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Neuer Aberglaube. — Der Tob de« Kaisers Nikolaus. — Die israelitische Literaturgesellschast. — Eia beher,igenswerlheS Wort. Bon vr. Klein. — Zur jüdischen Ehescheidung. Hl. Zeitungsnachrichten: Deutschland: aus dem Mecklenburgischen. Preußen: Berlin, vom Niemen, BreSlau, Hirschberg. Oester reichischer Kaiserüaat: Wien. Italien: Turin. Großbritannien: London. Rußland: Warschau. Eorrespondenz: vr. Lilienthal'S Aufenthalt in Rußland. VI. Leilende Artikel. Magdeburg, 20. März. Aevrr Aberglaube. ES ist nicht das geringste Zeichen des Verfalls, daß der Aber- oder Afterglaube, wenn auch kein neuer, doch von Neuem sich so ganz ungeschminkt und unverhohlen an das Tageslicht wagt. Betrübend ist es, daß auch hierin die Juden der Strömung des Tages folgen, und bald die ftechsten Purzelbäume schlagen werden. Wenn das Univers catholique in Paris, das freilich jetzt selbst von eiftigen Katholiken, wie Montalembert, verleugnet wird, den plötzlichen Tod des russischen Kaisers als eine Wirkung deS vor Kurzem in Rom proclamirten Dogma'S anfieht, so steht dem der Ausspruch eines englischen Juden zur Seite: der Kaiser ist so bald verstorben, weil er den Juden verboten hat, für sein langes Leben zu beten'. Ganz gleich klingt es, wenn ein französischer Jude vor Kurzem hat drucken lassen: die Verbannung der spanischen Juden 1492 war die göttliche Strafe dafür, daß eS unter ihnen einige fteier Denkende gab, ja solche, welche Liebeslieder geschrieben! Armer Maimonides, «aS hilft Deine lack hachsaka, Du konntest mit ihr nicht den Schlag aufhalten, den Dein Aare Nebuchim verursacht hat! Schrecklicher Juda-Ha-Levi, warum hast Du Deine niedlichen Lieder geschrieben, warum Deinen Cusri verfaßt! Hattest Du doch lieber 8cbalotb und Thschubolh geschrieben, hätte überhaupt kein Jude etwas Anderes als Lcbalotb und Thschubolh geschrieben — vielleicht äßen dann noch Juden Olla potrida am Guadalquivir und rauchten papierne Cigaretten. Und welches schreckliche Schicksal bedroht diese ftanzösischen Juden, da sie Einen Mann sogar im Confistorium haben, der Opern componirt, also gewiß auch Liebeslieder!-Genug, der Unsinn macht sich unter dem Deckmantel der Religion sehr breit, und, was das Schlimmste ist, gerade diese Leute geben vor, damit den schwach gewordenen religiösen Sinn zu stärken, während sie ihn geradezu — schwächen! Ja, es ist unsre Pflicht, unsere Glaubensgenossen immer und immer wieder darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich ihre lautere Religion nicht abermals durch vergiftenden Aberglauben schänden, daß sie sich die reinen Lehren derselben nicht wieder einmal entstellen und verdrehen lassen, um geistige Knechtschaft und dann geistigen Tod herauf zu beschwören!