Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1855)
- Date
- 1855-03-19
- Page
- Seite 152 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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152 das hiesige Minhagbuch (Manuscr.), als auch jeder Techniker, der an vielen Theilen der Synagoge die Structur des 9. Jahrhunderts erkennt. Demnach steht die hiesige Synagoge über 1016 Jahre. Dr. Lewysohn. So eben erhalte ich das Klein'sche Jahrbuch von 1855; eS zeichnet sich durch außerordentliche Reichhaltigkeit auS, und wird dem Publikum eine interessante und werthvolle Gabe gereicht. Eine nähere Besprechung, falls nicht der Herr Redacteur d. Bl. mir zuvorkommt, behalte ich mir vor. D. O. Worms, im März. (Privatmitth.) Ein wackeres Beispiel wahrhaft praktischer Wohlthätigkeit bietet unsere würdige Nachbargemeinde Mainz. ES bildete sich daselbst ein Verein „zur Unterstützung armer, auS der Fremde dahinkommenden Israeliten" und derselbe giebt nun für das Jahr 1854 die erste Rechnungsablage, auS der wir Folgendes hervorheben. — Der Verein zählt 212 Mitglieder, die vierteljährigen Beiträge derselben für gedachtes Jahr belaufen sich auf 2976 Fl. 15 Tr.; verausgabt wurde an mildthätigen Gaben 2768 Fl. 47 Tr.; diese Gaben erhielten 1957 Personen. Höchst bemerkenswerth ist folgende Angabe: im Jahre 1852 befanden sich unter 1316 auf dem Bettel ergriffenen Individuen circa 75 Israeliten, im Jahre 1853 unter 947 circa 60 und im Jahre 1854 unter 1267 nur 20 Israeliten, welche Thatsache wohl geeignet ist, das treffliche Wirken deS Vereines, welcher die Unterdrückung deS Bettels beabsichtigt, ins klare Licht zu setzen. Wir wünschen diesem wackern Verein Kräftigung nach innen und Nachahmung von außen*). — Hier in WormS gab eS diesmal einen doppelten sv-rrn, am tp wegen der zip n-p-a (vergl. die „Wormser Sagen" im „Jüdischen Volksblatt") und den Tag darauf wegen deS -nivsr rrcrn. — Außer dem schon erwähnten Werke von Schaab erschien auch in jüngster Zeit „die Geschichte der Juden in Franken." Solche Monographien auf jüdisch-geschichtlichem Gebiete können nur dazu beitragen, das Studium der jüdischen Geschichte überhaupt zu fördern; mit nicht geringerem Vergnügen vernahmen wir die Nachricht *) In Magdeburg besteht ein solcher Verein bereits neun Jahre, spendet verhältnismäßig noch mehr, und erspart der Gemeinde durch Beseitigung des Hausbettels viel größere Summen. Redact. von der Veröffentlichung der Epitaphien von dem israelitischen Friedhof zu Wien; ein Gleiches geschieht jetzt von denen deS Friedhofes zu Prag. — In den letzten Tagen erhielt daS hiesige Comite zur Renovation der israelitischen Denkmäler durch den Herrn Rabbiner Di*. Jsaacsohn in Rotterdam 140 Fl. 6 Tr.; so sieht dasselbe sich Gott Lob mehr und mehr der Realifirung seines Unternehmens näher gebracht. Der Plan zur Raschi-Capelle ist bereits von einem tüchtigen Baumeister entworfen, doch übersteigt der Bauanschlag die Summe von 2000 Fl., während außer allen übrigen Kosten auch die Renovation der Grabdenkmäler einige Hundert Gulden beansprucht. — ES mag vielleicht nicht ohne Interesse sein, wenn mitgetheilt wird, daß eine der hiesigen englischen (christlichen) Familien sowohl die „Allgemeine Zeitung deS JudenthumS", als auch daS „Jüdische BolkSblatt" zum Lesen bezieht. Anzeigen. Reichenbach. Ernst und feierlich bewegte sich am 12. d. M. Nachmittags 3 Uhr ein Leichenzug nach dem hiesigen israelitischen Friedhöfe, die große aus allen Schichten der Bevölkerung, ohne Unterschied der Confesfion, trotz des schlechten Wetters, bestehende Leichenbegleitung bekundete eine allgemeine, innige Theilnahme für den, dessen Ueberreste zu seiner letzten Ruhe gebracht wurden, es waren die des hiesigen Destillateur Levy Naphtali. Seit 31 Zähren Bürger hiesiger Stadt, hat er sich wahrend dieser Zeit die Liebe und Hochachtung Aller, die ihn kannten, in solchem Maße zu erwerben gewußt, daß sein Verlust ein tiefgefühlter ist. Der Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Schwarz, sprach es am Grabe in tief bewegten und herzlichen Worten aus, wie schmerzlich sein Verlust nicht allein seinen christlichen Mitbürgern, sondern wie unersetzlich er der hiesigen jüdischen Gemeinde sei, deren Mitstifter und langjähriger, jeder Zeit für das Wohl und Gedeihen der Gemeinde wirkender Vorsteher er war. — Die hiesige israelitische Gemeinde bekundete nicht allein dadurch ihre innige Theilnahme und Anhänglichkeit an seine Person und Familie, daß sie ohne Ausnahme ihn zu seiner Ruhestätte begleitete, sondern sie zeigte durch das Schließen ihrer Geschäfte und Läden während des Begräbniffes, wie sehr sie seinen Werth zu schätzen wußte. Das Andenken des Gerechten bleibt im Segen! Der diesjährige SommercursuS am jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau beginnt den 19. April, die AufnahmSprüsung findet am 17. und 18. April statt.