Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1855)
- Date
- 1855-03-12
- Page
- Seite 137 (sequence 9)
- Language
- German
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137 Alexandrien so wie Kairo ist der ächte Tummelplatz der Livorneser Juden, die hier den größten Theil deS Handels in Händen haben und sich ein keckes Ansehen geben. Wohl wissend, daß sie von Türken und Arabern nicht erkannt werden können, nennen sie sich hier, gleich den Christen, Franken; sie sehen, den runden Hut martialisch auf daS eine Ohr gedrückt, verächtlich und in stolzer Selbstgenügsamkeit auf die übrige Welt herab. Da jeder Europäer türkische Kleider tragen und bewaffnet einhergehen darf, so benutzen Viele von ihnen diese günstige Gelegenheit. Manche dieser Juden find als Drajomans, Uebersetzer, Apotheker in deS Pascha'S Diensten; diese und jene stolziren in neutürkischer Kleidung, reich mit Gold gestickt, in den Straßen und Kaffeehäusern einher, tragen große, grimmige Schnurrbarte und DamaScener an der Seite, lächeln mitleidig auf die europäischen Christen herab, und behandeln die Araber mit Verachtung. — Kairo hat 36 Synagogen. — Literarische Nachrichten. Breslau, Ende Januar. Literatur-Bericht von vr. M. A. Levy. — Der Nestor der arabischen Wissenschaften, Hammer v. Burgstall, hat seit dem Jahre 1850 das großartige Unternehmen begonnen, die Literaturgeschichte der Araber, die an 1000 Jahre umfaßt, zu schreiben, und der jugendlich rüstige Greis hat bereits fünf sehr starke Quartbände vollendet. Die Schwierigkeiten, die bei der Bearbeitung eines solchen Werkes zu bewältigen find, wird selbst derjenige begreifen, der auch nur eine oberflächliche Kenntniß der umfangreichen literarischen Schätze jenes Volkes hat, sowie daher auch daS lebhafteste Interesse, welches dieses Unternehmen bei allen Gebildeten hervorgerufen hat. Uns ist es für diesen Ort besonders darum zu thun, auf die Ausbeute hinzudeuten, die die jüdische Literatur deS Mittelalters, die doch so mannichfache Berührungspunkte mit der arabischen hatte, aus dem genannten Werke ziehen kann. — Im ersten Bande wird in überfichtlicher Darstellung die Bedeutung der Juden für die arabische Literatur hcrvorgehoben; die folgenden Bände liefern einzelne Biographien berühmter jüdischer Gelehrten, die allerdings in der ersten Jugendzeit der arabischen Literatur — der fünfte Band des genannten Werkes geht erst bis zum Jahre 1041 nach Chr. — nur sehr sporadisch auftreten. So giebt z. B. der vierte Band eine Biographie des berühmten ArzteS Isaak Israeli, die indessen nur Bekanntes bietet, dagegen manche Schrift dieses Gelehrten, die uns aus jüdischen Quellen bekannt ist, unberückfichtigt läßt. Ganz neue Daten aber werden uns geboten in der Lebensbeschreibung des berühmten Lehrers Chisdai, Ministers Abderrhaman III., auS denen nicht Geringeres hervorgehen soll, als daß jener Mäcen der jüdischen Wissenschaften in Spanien dem Judenthum untreu geworden sei. Allein die ganze Deduktion des Verfassers beruht, wie wir bald Nachweisen wollen, auf einem Jrrchum; ChiSdai wird auch ferner dem Judenchume zur Zierde gereichen. Hören wir erst Herrn v. Hammer! — „Der Arzt Hasdai, heißt es Bd. V. S. 340 — 44, Vesir und Oberstkämmerer, lebte um das Jahr 350 (961). Er verdient um so mehr einen längeren Artikel, als sich von ihm die wissenschaftliche Bildung der Hebräer in Spanien herschreibt, und als derselbe Moslim geworden, so daß sich (was bisher unbekannt) die reine, wissenschaftliche Bildung der Hebräer von einem dem Glauben seiner Väter untreu gewordenen Moslimen herschreibt. Herr Luzatto, der Sohn, welcher den Hasdai zum Gegenstände einer besondern schätzbaren Abhandlnng gewählt, konnte nur die Lebensbeschreibung der Aerzte von Jbn Ebi Offaibije benutzen, keineswegeS aber die Werke Jbn Befam'S und Makkari's, welche beide auf der Bibliothek von Gotha, aus welchen diese Lebensbeschreibung zusammengetragen wurde. Zuerst spreche Jbn Ebi Ossaibije. Hasdai, insgemein Choschdai Jbn Deschrut genannt, diente als Aizt dem Hakem ben Abderrhaman en-Nafstreddinlillah (regierte vom Jahr 350 —366). einer der jüdischen Gefetzesgelehrten (Ahbar), der Erste derselben, der seinen Glaubensgenossen in AndaluS die Thora der RechtSgelehriamkeit und Geschichte geöffnet. Vor ihm schwebten die Juden in AndaluS in großer Unwissenheit deS Gesetzes, ihrer Feste, ihrer Einrichtungen, HaSdai belehrte sie darüber auS den Quellen des Orients. Zur Ueberfetzung des DioSkorideS halfen ihm verschiedene Aerzte, HaSdai verfertigte den allheilenden Teriak nach der Vorschrift des Nikomachos (Gayangos I. App. XXVI.). — Zweimal erwähnt Jbn Besam Hasdai's schon in anderen Lebensbeschreibungen berühmter Andaluficr als Epistolograph und Dichter, und widmet ihm eine besondere Lebensbeschreibung von zwölf Blättern. Sein Vater Hasdai war einer der edelsten Juden Saragvffa's, von welchem Jbn Besam Gedichte sah. Der Sohn war Meister der arabischen Sprache und schwang sich zum Amte eines Vesirs, StaatssecretairS (nicht Finanzministers) auf. Die Schreiben deffcl- 11