Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1855)
- Date
- 1855-02-26
- Page
- Seite 110 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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110 lassen?" — Wenn wir diese Worte noch vor einem Decennium gelesen, hätten wir wohl die Schlagwörter ausgesprochen, mit denen man solche Auslassung bezeichnen muß. Jetzt lächeln wir über dergleichen Unfinn, der dem Univers cstboligue in Paris, wie eS scheint, daS Vorbild und Muster des Univ. isr., auf ein Haar ähnlich steht. Nur einige Fragen an den Herren: 1) will er so gut fein, unS zu sagen, woher denn die Holländer ihre Rabbinen nehmen sollen? Etwa aus Frankreich? Der Herr Redacteur deS Univ. befrage sich aufrichtig, und dabei muß dieses französische Judenthum froh sein, daß eS im Elsaß noch etwas deutsches Element jüdischen Wissens hat! Oder aus England, das dem Herrn Redacteur das Ideal deS JudenthumS ist? Aber leider! hat sich dieses England selbst nur „deutsche Doctoren geholt, z. D. Dr. Adler, Dr. Löwe, Dr. Schiller u. dergl. 2) Wer ist denn der Großrabbine von Belgien, den der Herr Redacteur auf derselben Seire als den religiösen Regenerator Belgiens rühmt? nicht ein „deutscher Doctor"? Und wie kommt der Herr Redacteur des Univ. dazu, diesen allerdings verehrungswürdigen Doctor zu rühmen, da derselbe doch die Orgel in Brüssel eingeführt und am Sabbath spielen läßt! Und der Herr Redacteur deS Univ. fällt nicht in Ohnmacht? 3) Wie kann doch der Herr Redacteur in demselben Hefte dem Rabbiner Dreyfuß gestatten, eine Rabbinensynode in Frankreich zu verlangen: „um sich frei und kategorisch über die große Frage auszusprechen, wie daS praktische Leben mit dem religiösen Leben zu vereinen sei —" ei, ei, Herr Redacteur deS Univ., Sie lassen „solch einen Menschen" so „die Unruhe und den Krieg" in daS schöne französische Judenthum „hineinbringen", und dieses, wie Herr Dreyfuß weiter sagt, auS dem „Reize wecken, welcher unS eingeschlafen, ja wie verschlungen halt" —? Sind etwa in Frankreich die „Deiche" und die „Jahrhunderte alten Schranken" nicht nöthig,^ondern nur in Holland? Oder haben eS die „deutschen Doctoren" auch Frankreich angethan? 4) Und warum sind denn treffliche Artikel des Univers isr. von einem „deutschen Doctor"?-Doch schweigen wir, und fügen nur hinzu, daß nach solchen verfolgungs- und ausschließungssüchtigen Aeußerungen kein ehrliebender „Doctor von jenseits Ks Rheins" mit dem Herrn Redacteur deS Univers isrselite in Verbindung bleiben kann. Redact. der A. Z. d. Jud. Nordamerika. Magdeburg, 4. Februar. (Privatmitth.) Eine, unsrer Correspondenten in Nordamerika hat bereits mitgetheilt, daß auf Antrieb des Dr. I. M. Wise eine Universität in Cincinnati gegründet werden soll. So sehr wir diesem Plane Gedeihen wünschen, so wissen wir doch aus Erfahrung, wie schwer daS Erreichen solches Zieles ist. Indessen theilen wir gern die darauf bezüglichen Dokumente mit. ES ist unS nämlich ein Circulair englisch und deutsch zugekommen, daS so lautet: Cincinnati, Ohio. Mein Herr! Die Israeliten dieses Landes äußerten häufig die Idee, daß die Nothwendigkeit erfordere, eine Lehranstalt zu gründen, in welcher unserer National- Literatur und den Principien unserer heiligen Religion die gebührende Rücksicht gezollt werden. Die Freunde dieser Sache in hiesiger Stadt (Cincinnati) haben sich zu diesem Zwecke verbunden und eine Association unter dem Namen „Zinn CoUegiale Association“ gebildet. Bereits haben 200 Mitglieder ihre Namen zu dieser Verbindung gezeichnet und ist solche schon legalifirt. Angebogen wollen Sie die Constitution und Rebengesetze dieser Gesellschaft entgegennehmen. Der Zweck unserer Association ist dieser: In Cincinnati ein Institut nach dem Muster deutscher Uni» verfitäten zu errichten, in welchem die theologische Fakultät die deS JudenthumS sein soll. Der Grund indessen, warum wir eS vorziehen, eine Universität anstatt eines theologischen Seminars zu gründen, ist lediglich, weil, wenn theologische Studien nicht auf einer gründlichen und vielseitigen wissenschaftlichen Bildung basirt find, solche unzureichend find, den Studirenden für daS jüdische Predigeramt zu befähigen. Andererseits ist eine wissenschaftliche Bildung ohne religiöse Kenntnisse der Sache der wahren Religion gefährlich. ES ist wünschenSwerth, daß unsere Prediger Gelehrte seien, und wiederum sollten unsere Gelehrten in der Religion unserer Väter wohlunterrichtet sein. Wir glauben, daß nur eine einzige Universität für die '.Bereinigten Staaten von Nordamerika erforderlich sei, und Cincinnati ist nach unserm Gutachten der geeignete Ort für diese Anstalt, indem: 1) In hiesiger Stadt bereits vier blühende jüdische