Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1855)
- Date
- 1855-01-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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-»iggggfc- Allgemeine ■4-- Zeitung -es Zndenthnms Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 22. Januar 1855. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Montag», und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. de» Titel«. Register», n. s. w. um. fassen. In Gemäßheit de» Zwecke», derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Prei« äußerst niedrig: mit 3 Tblr. für de» Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 g&r.) für sechs Monate — 22'/r Ngr. (iS gGr.) für da» Vierteljabr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung» > Expeditione» nehmen Bestellungen au; rer Hauptspeditiou für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitung». Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die religiösen Richtungen und Parteien. — Der Wiedereintritt der Juden in Spanien. — Aphorismen. Zeitungsnachrichten: Preußen: aus Westphalen, Bleicherobe. Oester reichischerKaiserstaat: Klausenburg. Frankreich: Paris. Spanien: Paris. Korfou: Korfou. Correspondenzen: Dr. Lilienthal's Aufenthalt in Rußland. Hl. Leitende Artikel. Magdeburg, 11. Januar. Die religiösen Richtungen und Parteien. Wir find keine Freunde religiöser Streitigkeiten. Nicht aus übergroßer Friedensliebe — sondern aus der Erfahrung aller Jahrhunderte, daß bei solchen nichts herauskommt, als gegenseitige Erbitterung, größere Spaltung und die Verhinderung, die Kräfte wenigstens in den neutralen Punkten zu vereinigen. Damit ist aber nicht gesagt, daß man die vorhandenen, verschiedenen, zum Theil fich widersprechenden Richtungen nickt erkennen und markiren solle — denn dadurch wird man über die schwebenden Fragen klarer. Aber noch mehr: es kommt vor, daß eine dieser Richtungen fick zur herrschenden machen will, daß fie fich als eine Partei gerirt, und Alles, was von ihr abweicht, zu unterdrücken, oder wenigstens zu denunciren, zu brandmarken, mit Koth zu bewerfen sucht. Auch dann gilt es nicht, fich in Streitigkeiten mit ihr einzulassen, da dann der theologastrischen Wortklaubereien kein Ende, sondern einfach und kräftig ihren Standpunkt zu bezeichnen und ihre Tendenzen zu enthüllen. Man ficht, daß wir Richtung und Partei unterscheiden, denn von jener wird es zu aller Zeit mannichfaltige geben, und können fie fich recht gut mit und neben einander vertragen. Macht fie sich aber zur Partei, d. h. sondert fie fich ab, will vom Ganzen geschieden sein, und mit einer sehr gewöhnlichen Kühnheit, als eine pars pro loto alles Uebrige verdrängen, und fich an die Stelle deS Ganzen setzen: so ist der Charakter ein ganz anderer geworden. Im neuesten Judcnthum haben fick die Richtungen gegen srüherhin, ja, im Verhältniß zu einem Jahrzehent sehr verändert. Während man noch zur Zeit der Rabbinerversammlungen nur zwei kannte: die nach Reform Strebenden und die Orthodoren — find es namentlich die Letzteren, welche fich vielfach gespaltet haben. Die eigentlichen, wahrhaften Orthodoren, welche in Wirklichkeit nichts weiter wollen, als die Erhaltung des alten Judenthums, wie eS bis zu Mendelssohns Zeit allgemein eristirte, mit Vermeidung aller und jeder Neuerung, diese werden im westlichen Europa immer geringer an Zahl und immer stiller an Sprache. Sie haben den Kampf im großen Ganzen aufgehoben, und suchen nichts weiter, als im Einzelnen fortzueristiren. Neben diesen steht noch eine andere hannlose Richtung, welche im Herzen zu den